Archiv für die Kategorie ‘Zitate’

Ingeborg Bachmann: Erklär mir, Liebe

Freitag, 12. Januar 2018

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube schlägt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn …
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

 

Die Welt hat einen interessanten Beitrag über „Die vielen Lieben der Ingeborg Bachmann“ veröffentlicht, den Sie hier zum Nachlesen finden.

Heinrich Böll: Künstler und Intellektueller

Samstag, 16. Dezember 2017

Am 21. Dezember ist der 100. Geburtstag von Heinrich Böll. Er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschen Nachkriegszeit. In Form von Romanen, Kurzgeschichten, Hörspielen und Essays setzte er sich kritisch mit der jungen Bundesrepublik auseinander. Eines seiner Ziele war es, das öffentliche Bewusstsein der BRD zu verändern. Dazu stellte Böll Thesen zu einer „Ästhetik des Humanen“ auf, forderte zur „Leistungsverweigerung“ auf, wie in seinem Roman Gruppenbild einer Dame oder wurde zu einem Fürsprecher der moralischen Schönheit des Aussteigens.

Immer wieder machte Böll auf die politischen und sozialen Begebenheiten vor und nach der Zeit von 1945 aufmerksam und forderte die Auseinandersetzung:

„Wir denken immer in Daten, wir denken: 8. Mai 1945, Krieg zu Ende, Nazis weg, Stunde Null – eine große Täuschung. Und diese Täuschung habe ich nicht vollzogen. Ich habe mich immer gefragt: Waren hier überhaupt jemals irgendwo Nazis? Es waren ja 90 Prozent, wir wollen uns doch nichts vormachen. Und plötzlich keine mehr? […]: bis zum 8. Mai waren sie alle Nazis, wirklich, und plötzlich war das weg.“ (Heinrich Böll)

1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur als Würdigung seiner literarischen Arbeit, „die durch ihren zeitgeschichtlichen Weitblick in Verbindung mit ihrer von sensiblem Einfühlungsvermögen geprägten Darstellungskunst erneuernd im Bereich der deutschen Literatur gewirkt hat“.
Böll war der erste Nobelpreisträger der Bundesrepublik.

Deutschlandradio Kultur hat dem Schriftsteller in der LANGEN NACHT einen ausführlichen und interessanten Beitrag gewidmet. Den Beitrag können Sie hier lesen oder hören.

Heute wäre Michael Ende 88 Jahre alt geworden

Sonntag, 12. November 2017

Wer kennt sie nicht, die spannenden, einfühlsamen, fantasiereichen Geschichten von Michael Ende. Vor allem seine Kinderbücher wie Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Die unendliche Geschichte und Momo zählen zu seinen Meisterstücken. Endes Werke wurden in über vierzig Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von fast dreißig Millionen erreicht.

Michael Andreas Helmuth Ende, so sein bürgerlicher Name, wurde am 12. November 1929 in Garmisch geboren. Sein Vater war ein surrealistischer Maler, dessen Kunst während des NS-Regimes als entartete Kunst eingestuft wurde. Somit wurde Ende schon früh mit den gesellschaftlichen Kontroversen konfrontiert, die auch später in seinen Werken immer wieder als Thematik auftauchen.
Ende setzte sich bereits nach seinem Abitur mit dem Schreiben auseinander und wurde von der dadaistischen und expressionistischen Dichtung beeinflusst. Er entschloss sich für eine Karriere als Theaterautor, wofür er aber vorab eine Schauspielausbildung absolvierte. Während er verschiedene politische Kabaretts schrieb, arbeitete er einige Jahre als Schauspieler und als Filmkritiker für den Bayerischen Rundfunk. Ende der 1950er-Jahre schrieb Ende das Werk Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, das erst von zwölf Verlagen abgelehnt wurde, ihm aber schließlich zum Durchbruch verhalf. 1960 veröffentlichte der Thienemann Verlag in Stuttgart das Buch. Ende gewann den Deutschen Jugendliteraturpreis und er blieb auch dem Verlag in den darauffolgenden Jahrzehnten treu. Es war der Beginn einer Karriere als Kinder- und Jugendbuchautor. Aber darüber hinaus blieb er auch immer dem Theater treu.

Ein schönes Zitat von ihm, das auch die Inhalte seiner Bücher widerspiegelt, lautet:

»Wir kennen von der Realität nur die Vorstellung, die wir uns von ihr machen. Ich weiß nicht genau, wo die Realität aufhört und die Phantasie beginnt.«

– Michael Ende

Zum 150. Todestag von Charles Baudelaire

Samstag, 02. September 2017

Zum Gedenken an den französischen Schriftsteller Charles Baudelaire, der heute zu den bedeutendsten französischen Lyrikern zählt  und als wichtiger Wegbereiter der literarischen Moderne in Europa gesehen wird.

Man muss immer trunken sein

Man muß immer trunken sein.
Das ist alles, die einzige Lösung.
Um nicht das furchtbare Joch der Zeit zu fühlen,
das eure Schultern zerbricht und euch zur Erde beugt,
müsset ihr euch berauschen, zügellos.
Doch womit?
Mit Wein, mit Poesie, oder mit Tugend?
Womit ihr wollt,
aber berauschet euch.

Und wenn ihr einmal
auf den Stufen eines Palastes,
im grünen Grase eines Grabens,
in der traurigen Einsamkeit eures Gemaches erwachet,
der Rausch schon licht geworden oder verflogen ist,
so fraget den Wind, die Woge, den Stern, den Vogel, die Uhr,
alles, was flieht,
alles, was seufzt,
alles, was vorüberrollt, singt, spricht,
fraget sie: Welche Zeit ist es?
Und der Wind, die Woge, der Stern, der Vogel, die Uhr werden euch antworten:
Es ist Zeit, sich zu berauschen,
um nicht die gequälten Sklaven der Zeit zu sein.
Berauschet euch,
berauschet euch ohne Ende
mit Wein, mit Poesie,
oder mit Tugend,
womit ihr wollt.

Charles Baudelaire

Bücher haben Ehrgefühl….

Freitag, 14. Juli 2017

Bücher haben Ehrgefühl. Wenn man sie verleiht,
kommen sie nicht wieder zurück.

Theodor Fontane (1819-98), dt. Erzähler

Johann Wolfgang von Goethe

Mittwoch, 24. Mai 2017

„Wer Bücher liest, schaut in die Welt und nicht nur bis zum Zaune.“

Zum Geburtstag des amerikanischen Autors Paul Auster

Dienstag, 07. Februar 2017

„And that’s why books are never going to die. It’s impossible. It’s the only time we really go into the mind of a stranger, and we find our common humanity doing this. So the book doesn’t only belong to the writer, it belongs to the reader as well, and then together you make it what it is.“
Paul Auster 

Der amerikanische Schriftsteller Paul Auster wurde am 3. Februar 70 Jahre alt. Einen Namen machte er sich mit Kriminalromanen, die gesammelt als New-York-Trilogie im Jahr 1987 veröffentlicht wurden. Es folgten eine Vielzahl an Romanen, außerdem schrieb er Essays, Kritiken und Drehbücher. Auster arbeitete auch selbst als Regisseur. Seine Werke wurden in bis zu 40 Sprachen übersetzt und er zählt zu den wichtigsten Autoren der amerikanischen Gegenwartsliteratur.

Wie so häufig kennen Künstler und Schriftsteller keine Altersgrenze, um mit dem Schaffen aufzuhören. So erschien am 31. Januar 2017 ein neuer Roman von Auster mit dem Titel „4 3 2 1“, in dem er über eine Lebensgeschichte in vier Variationen schreibt, die auf einem faszinierendes Gedankenspiel beruht.
Zu dem Schriftsteller und seinem neu erschienen Werk gibt es einen interessanten Beitrag von Deutschland Radio Kultur.
Dabei blickt die Sendung zurück auf die Anfänge Austers als Schriftsteller, erzählt von der Arbeit an „4321“, seinem ersten Roman seit sieben Jahren, und dem politischen Klima in den USA mit Donald Trump als dem neuen Präsidenten.

Den Beitrag zum Anhören finden Sie hier.

 

Literatur auf Arte

Dienstag, 12. Juli 2016

Der Fernsehsender Arte liefert uns im Juli allerhand Material rund um das Buch.
Hier einige Empfehlungen:

Mittwoch, 13. Juli um 23:35 Uhr
Das Jahrhundert des Georges Simenon
Frankreich 2013
Verbindung von Archivaufnahmen, Fotos und weiteren Originaldokumenten zu einem persönlichen Porträt des belgischen Schriftstellers (1903-1989)

Donnerstag, 14. Juli um 0:30 Uhr
Die Liebessehnsucht der Violette Leduc: Schreiben ohne Kompromiss
Frankreich 2013
Porträt der Schriftstellerin (1907-1972) und ihres Aufsehen erregenden Werkes

Montag, 18. Juli um 20:15 Uhr
Teufel im Leib
Frankreich 1947
Eine Liebesgeschichte im Ersten Weltkrieg: Nach Raymond Radiguets 1923 erschienenem Skandal-Roman

Donnerstag, 21. Juli um 0:10 Uhr
Das Jahrhundert der Marguerite Duras
Frankreich 2013
Filmische Hommage an die französische Schriftstellerin (1914-1996), erstellt anhand ihrer zahlreichen Interviews

Montag, 25. Juli um 20:15 Uhr
Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
USA 1988
Verfilmung des Romanklassikers von Milan Kundera. Mit Juliette Binoche und Daniel Day-Lewis

Sonntag, 31. Juli ab 20:15 Uhr
Literaturverfilmungen von Stanley Kubrick
USA 1962 / Großbritannien 1999
Mit dem Spielfilm »Lolita« nach dem Skandalroman von Vladimir Nabokov und »Eyes Wide Shut« nach der Vorlage von Arthur Schnitzlers »Traumnovelle«

Ein Buch, das nicht wert ist…

Dienstag, 28. Juni 2016

Ein Buch das nicht wert ist, zweimal gelesen zu werden,
ist ist auch nicht wert, daß man’s einmal liest.

Jean Paul

(1763 – 1825)

Je mehr ich las, …

Freitag, 26. Februar 2016

„Je mehr ich las, umso näher
brachten die Bücher
mir die Welt, umso heller
und bedeutsamer
wurde für mich das Leben.“

Maxim Gorki