Archiv für die Kategorie ‘Lesen’

Die Top Ten der besten Krimis im Juni

Sonntag, 03. Juni 2018

Ihr sucht noch nach einem passenden Buch für die warmen Sommertage am See? Deutschlandfunk Kultur präsentiert die zehn besten Krimis für den Juni. Eine Jury aus Kritikern und Kritikerinnen wählt die Bücher mithilfe eines Punktesystems aus, wobei die Titel nicht älter als zwölf Monate sein dürfen. Ebenso fallen Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien aus der Liste raus.

1. (2) Denise Mina: Blut Salz Wasser
Aus dem Englischen von Zoë Beck
Ariadne im Argument-Verlag, 368 Seiten, 19 Euro

Glasgow, Helensburgh. Wer nimmt den Drogenhändlern ihre Millionen ab – Police Scotland Police oder Metropolitan Police? Das ist der Grund, warum DI Alex Morrow die verschwundene Roxanne sucht. Und auf Frauenleichen stößt. Alex lässt sich nicht beirren, nicht von Bossen, nicht von Gangstern.

2. (-) Dan Chaon: Der Wille zum Bösen
Aus dem Englischen von Kristian Lutze
Heyne, 622 Seiten, 14,99 Euro

Cleveland, Ohio. 1983 werden zwei Elternpaare umgebracht. Der als Mörder verurteilte Rusty wird 2012 freigelassen. Unschuldig. Bruder Dustin, der ihn denunziert hatte, traut seinen Erinnerungen nicht. Hat er selbst gemordet, waren es Satanisten? Faszinierend: Die Welt als Krimi und Wahnvorstellung.

3. (4) Aidan Truhen: Fuck You Very Much
Aus dem Englischen von Sven Koch und Andrea Stumpf
Suhrkamp, 350 Seiten, 14,95 Euro

London. Mit Poltergeist navigiert sich’s prima: Jack Price liefert gänzlich gefahrlos besten Stoff. Bis er auf der Abschussliste der übelsten Killer der Welt landet. Price muss die „Seven Demons“ totquatschen oder umbringen. Irgendwie gelingt ihm beides brillant. Krimi im Wortrausch.

4. (-) Douglas E. Winter: Run
Aus dem Englischen von Peter Mehler
Luzifer, 434 Seiten, 13,95 Euro

Washington, D.C. Burdon Lane ist Abteilungsleiter im Waffengeschäft. Illegales wird mit Legalem getarnt. Bis die Belieferung zweier Gangs in Harlem zum Attentat auf einen schwarzen Prediger genutzt wird. Von da an heißt es „Run“! Alle Freunde sind jetzt Feinde. Höllentripp mit üblen Überraschungen.

5. (10) Graeme Macrae Burnet: Der Unfall auf der A 35
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann
Europa, 304 Seiten, 17,90 Euro

Saint-Louis, Dreyecksland, 1982. Ein gewöhnlicher Autounfall. Nur: Dort wo Anwalt Berthelme fuhr, sollte er nicht sein. Sohn Raymond und Kommissar Gorski stöbern im Zwielicht unklarer Abstammungen, im Ungefähren der Geschlechterrollen. Tod als Adoleszenzerfahrung in einer kleinen Stadt.

6. (-) Dominique Manotti: Kesseltreiben
Aus dem Französischen von Iris Konopik
Ariadne bei Argument, 400 Seiten, 20 Euro

Paris, New York, Montreal. Schlaue, ohnmächtige Ermittler. Dumm oder inkompetent: die Regierung in Paris. Der US-Konzern PE will die französische Orstam übernehmen. Die unfairen Mittel des Giganten: Erpressung, Bestechung, Mord. Assistiert von CIA und Justiz. Böses Lehrstück, mit langer Halbwertzeit.

7. (1) Hideo Yokoyama: 64
Aus dem Englischen von Sabine Roth und Nikolaus Stingl
Atrium, 768 Seiten, 28 Euro

„Präfektur D“, 1989, 2002. Vor dreizehn Jahren wurde die siebenjährige Shoko ermordet. Kurz vor der Verjährung soll der Fall noch aufgeklärt werden. Polizeipressechef Mikami kämpft eingeklemmt zwischen Mordermittlern und Bürokraten um Wahrheit und Mitleid. Große Klasse. Nobelpreis für Kriminalliteratur!

8. (9) Philip Kerr: Kalter Frieden
Aus dem Englischen von Axel Merz
Wunderlich, 398 Seiten, 22,95 Euro

Cap Ferrat, Riviera, 1956. Bernie Gunther, Concierge, und Somerset Maugham, weltberühmt, im Malstrom der Geheimdienste. Sexfotos, Erpressungen. KGB, Stasi, MI5 und MI6, Schachzüge und Bridgepartien: Gibt es noch einen Maulwurf bei den Briten? Kerrs Hommage an die britische Spionageliteratur.

9. (-) Joyce Carol Oates: Pik-Bube
Aus dem Englischen von Frauke Czwikla
Droemer, 208 Seiten, 19,99 Euro

Harbourton, New Jersey. Andy Rush sonnt sich: Schönes Haus, engagierte Frau, dickes Auto, Millionen. Bis der „Stephen King für Bildungsbürger“ des Plagiats beschuldigt wird und sich sein garstiges Zweit-Ich, der Pik-Bube, daran macht, den braven Andy zu übernehmen. Spießer-Ego auf Rasierklinge.

10. (-) Friedemann Hahn: Foresta Nera
Polar, 212 Seiten, 16 Euro

Schwarzwald, Rheinufer, Anfang der sechziger Jahre. Schlachtfest, blutwarme Albträume. Wehrmacht, Fremdenlegion, Morden, Wunden – das haben sie hinter sich. Jetzt sind sie neu uniformiert: LKA, BGS, Wehrsportgruppe. Einer nimmt Rache. Andere quälen Frauen. Die Kriege sind nicht zu Ende.

Das etwas andere Buch – das „Posterbook“

Montag, 14. Mai 2018

Das Posterbook ist kein gewöhnliches Buch. Das Besondere an der limitierten Publikation mit dem Titel „Nevertheless. 17 Manifestos Issue No 2“ ist die Möglichkeit, alle Doppelseiten als Poster herausnehmen zu können.

Die Hochschule für Künste Bremen (HfK) präsentiert „Manifestos“ als Plattform für Medienwissenschaften, an der Studenten, Lehrer und Wissenschaftler mitarbeiten und beteiligt sind. Es werden Beiträge verfasst, die zum Diskurs anregen sollen. Dabei hat jede Ausgabe einen eigenen Schwerpunkt und beleuchtet kritische Fragen und Aspekte.

„Nevertheless. 17 Manifestos Issue No 2“ umfasst 80 Seiten und wurde von Andrea Sick publiziert, wobei sich unterschiedliche Autoren an den Texten beteiligt haben. Erschienen ist das Buch im Textem Verlag. Die Auflage ist auf 300 Stück limitiert und einzeln von Hand nummeriert. Wer vor dem Kauf einen Blick in das Buch werfen will, kann dies auch online tun. Die komplette Ausgabe ist als PDF-Datei zum Download erhältlich. Analog oder digital – es lohnt sich.

Ab dem 10. Mai im Kino: „Der Buchladen der Florence Green“

Donnerstag, 10. Mai 2018

Der Film erzählt die Geschichte der verwitweten Florence Green, die in dem kleinen Küstenort Hardborough in England einen Buchladen eröffnet. Zu dieser Zeit, Ende der 50er, stehen die Arbeiter dem Lesen skeptisch gegenüber und die Aristokratie gibt vor, was Hochkultur ist. Die Eröffnung des Buchladens ist Florence Greens größter Traum, aber nicht alle in dem Städtchen sind von den dort zu erhaltenen Werke überzeugt. Mit progressiven Büchern wie „Lolita“ oder „Fahrenheit 451“ stößt Florence Green vor allem bei der Dame des Dorfes auf Widerstand.
Doch die Literaturliebhaberin hat ihr gesamtes Vermögen in den Laden investiert und hält an ihrer Leidenschaft und ihrer Idee fest. Es entsteht eine Auseinandersetzung über Moderne und Konvention und der Kampf um einen Traum.

„Die Buchhandlung der Florence Green“ ist eine Hommage ans Lesen und an die Literatur

Der Film ist eine Adaption des Romans „Die Buchhandlung“ (1978) von Penelope Fritzgerald und wurde bereits auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Preis für die Beste internationale Literaturverfilmung 2017 ausgezeichnet. Außerdem erhielt er bei der Verleihung der Goya Awards 2018 drei Goyas in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“.

Literarische Veranstaltungen in Frankfurt: Mai

Sonntag, 22. April 2018

Eine kleine Auswahl des literarischen Veranstaltungskalender in Frankfurt mit Lesungen, Vorträgen und vielem mehr….

3.5., 20 Uhr: Lesung Uwe Wittstock

Uwe Wittstock liest aus „Karl Marx beim Barbier“
Ort: Buchhandlung Schutt
Eintritt: 8,-

Es ist eine Biographie der ungewöhnlichen Art: 1882 reist Karl Marx nach Algerien, wo er um ein Haar umkommt. Während er sich langsam erholt, lässt er sein Leben Revue passieren. Seine Jugend in Trier, die große Zeit der Theorien in Paris und sein elendes Leben in London. Das Buch verschweigt aber auch nicht Marx‘ Schwächen: Zum Beispiel, dass der große Ökonom Marx nicht mit Geld umgehen konnte, dass er viele Bücher begann, aber enorme Probleme hatte, die zu beenden, und dass er anderen Sozialisten gern vor den Kopf stieß. Außerdem erzählt Wittstock von dem Bart, den Marx trug, von seinem mächtigen Vollbart, den er zum Erkennungszeichen machte wie Angela Merkel ihre Raute oder Donald Trump seine gelbe Haarlocke. Denn Marx ging in Algier zum Barbier und hat sich zum einzigen Mal im Leben rasieren lassen. Er wurde zu jemandem, der auf keinem der vielen Marx-Porträts zu entdecken ist: Zu einem Karl Marx mit glatt rasierten Wangen. Das Buch „Karl Marx beim Barbier“ ist eine Einladung das Frühjahr 1882 mit Marx in Nordafrika zu verbringen, sich seine ganze Biografie vor Augen führen zu lassen und der Frage nachzugehen, weshalb ein Mann, der seinen Prophetenbart lebenslang pflegte, sich ein Jahr vor seinem Tod rasieren ließ.

Uwe Wittstock war zunächst als Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in der Literaturredaktion von Marcel Reich-Ranicki tätig. Anschließend Lektor für deutschsprachige Literatur im S.Fischer Verlag und parallel dazu Mitherausgeber der Literaturzeitschrift Neue Rundschau. Bis 2010 war er Redakteur der Welt, zunächst als stellvertretende Leiter des Feuilletons, danach als Kulturkorrespondent, erst in Paris und dann in Frankfurt am Main. Bis 2017 Literaturredakteur des Nachrichtenmagazins Focus. Seit 2018 ist Uwe Wittstock freier Schriftsteller und Journalist und schreibt für den Focus die Kolumne: Buch & Welt. Ausgezeichnet mit dem Theodor-Wolff-Preis für Journalismus.

„Uwe Wittstock beschreibt Marx‘ Leben und Wirken so lehrreich, klug und spannend wie elegant und leicht von jenen zehn Wochen aus, die der im Frühjahr 1882, schwer krank und Genesung suchend, in Algier verbrachte.“ Axel Hacke, Süddeutsche Zeitung, 2. März 2018

5.5., ab 19 Uhr: Nacht der Museen

Eine Veranstaltungsreihe mit Lesungen und Musik
Ort: Haus am Dom
Eintritt mit Ticket zur Nacht der Museen

19.00 Uhr
„Das ganze Kind hat so viele Fehler“
Die Geschichte einer Entscheidung aus Liebe
Lesung mit Sandra Schulz, Autorin
Zerbrechen wir an dem Wissen, das wir uns gewünscht haben? Sandra Schulz ist in der 13. Woche schwanger, als sie nach einer Blutuntersuchung einen gefürchteten Satz hört: „Ich habe leider kein komplett unauffälliges Ergebnis für Sie“.
In Kooperation mit der Lebenshilfe Frankfurt

20.30 Uhr
Sakari lernt durch Wände zu gehen
Krimi-Lesung mit Musik mit Jan Costin Wagner, Autor und Musiker
Auf dem Marktplatz der finnischen Stadt Turku steigt ein junger Mann in einen Brun¬nen. Er ist nackt und offenbar verwirrt. Und er hat ein Messer bei sich – „ein schmaler Roman über den Verlust, Schmerz, das Weiterleben, manchmal an sehr dünnem Rettungs¬faden. (…) Aber Jan Costin Wagner klebt seinem dunklen Roman kein Happy End an. Sondern erzählt von einem fragilen Moment des Glücks, der Kimmo Joentaa zu verdanken ist“. (Sylvia Staude, FR)

22.00 Uhr
Sieh mich doch an!
Szenisch-literarischer Liederabend mit Liedern von Kurt Weill, Bertolt Brecht und anderen
Mit Katharina Nieß, Sopran, und Esther Frankenberger, Mezzosopran
Fin de Siècle, Zeitenwende: vielfältig und widersprüchlich. Der Krieg ist aus und bald blühen Wien, München und Berlin als Weltmetropolen der Kultur. Alles drängt nach draußen, alles steht in Frage. Persönlichkeitsfragen. Mann-Frau-Fragen. Rollenmusterfragen. Kann Frau lieben nur und sonst gar nichts? Oder ist Johnny ein Schuft? Nimm die Pfeife aus dem Maul, du Hund … ich liebe dich so!

9.5., 19.30 Uhr: Lesung Alice Schwarzer

Alice Schwarzer „Meine algerische Familie“
Ort: Literaturhaus Frankfurt
Eintritt: 16,- / 10,-

Die Journalistin und Essayistin Alice Schwarzer pflegt seit Jahrzehnten eine enge Beziehung zu einer Familie in Algerien und vor allem zu Djamila, einer Journalistin. Die Familie ist in ihrer Vielseitigkeit ein mögliches Abbild dieses nordafrikanischen Landes zwischen Tradition und Moderne, zwischen islamistischer Bedrohung und demokratischen Hoffnungen. Gestalt und Nachdruck bekommt das durch die Eltern und Großeltern, Brüder und Schwestern, Neffen und Nichten, die Alice Schwarzer in deren Heimat bei Neujahrsfeiern, Ferienbesuchen und Hochzeiten kennen und lieben lernt und die die Fotografin Bettina Flitner porträtiert: die Generation der Alten, geprägt von der Kolonialzeit; die Generation, die die „schwarzen Jahre“ des islamistischen Terrors und der politischen Repression durchlebte – und die jungen Leute von heute zwischen High Heels und Verschleierung, zwischen Instagram und spätsozialistischer Stagnation. Davon erzählt Alice Schwarzer in ihrem neuen, bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen Buch und an diesem Abend im Literaturhaus.

15.5., 19.5., 22.5., 18 Uhr: Frankfurter Poetikvorlesungen im Sommer 2018

Christian Kracht
Ort: Campus Westend, Hörsaalzentrum, Audimax (HZ1&2)
Eintritt frei

Christian Kracht wird im Sommersemester 2018 als Frankfurter Poetikdozent zu Gast an der Goethe-Universität sein. Er wird über die Entstehungsgrundlagen und Fluchtpunkte seiner beeindruckenden literarischen Arbeit sprechen.

Nach einem Studium der Film- und Literaturwissenschaften und neben unterschiedlichen journalistischen Arbeiten (u.a. Redakteur des Magazins „Tempo“, Indien Korrespondent des Spiegels, Herausgeber der Literaturzeitschrift „Der Freund“) erschien 1995 „Faserland“, Christian Krachts intensiv diskutierter Debütroman. Ihm folgte sechs Jahre später der Roman „1979“, der große internationale Anerkennung fand. Das Triptychon – wie Kracht in einem Interview seine ersten drei Romane selbst bezeichnet hat – findet mit „Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ (2008) seinen Abschluss. Kracht konnte 2012 mit „Imperium“ an seine bisherigen Erfolge anknüpfen und wurde dafür mit dem Wilhelm-Raabe-Literaturpreis der Stadt Braunschweig ausgezeichnet. Sein vorläufig letzter Roman „Die Toten“ erschien 2016, und Kracht erhielt im selben Jahr den Schweizer Buchpreis. Ebenfalls 2016 wurde ihm für sein bisheriges Werk der Hermann-Hesse-Literaturpreis verliehen. Neben den genannten Romanen und weiteren Veröffentlichungen (u.a. „Tristesse Royale. Ein popkulturelles Quintett“ (1999) sind von Christian Kracht auch Hörbücher (u.a. „Liverecordings“ (1999) und Reiseberichte (u.a. „Der gelbe Bleistift“ (2000) erschienen. Des Weiteren hat Christian Kracht auch das Drehbuch zu „Finsterworld“ geschrieben, das erfolgreich und vielfach ausgezeichnet von der Dokumentarfilmerin Frauke Finsterwalder, mit der er auch verheiratet ist, verfilmt wurde.

17.5., 19.30 Uhr: Lesung Juli Zeh

Juli Zeh „Leere Herzen“
Moderation: Alf Mentzer (hr2-kultur)
Ort: Literaturhaus Frankfurt im Schauspiel Frankfurt
Eintritt: 18,- / 12,-

Mitgestalten, anstoßen, provozieren. Den meisten fehlt es an Mut oder Entschlossenheit. Juli Zeh nicht. Sie hat ein Jahr nach ihrem großen Gesellschaftsroman „Unterleuten“, einen Polit- und Psychothriller vorgelegt. Und wieder ist sie Gast des Literaturhauses im Schauspiel Frankfurt. Im Mittelpunkt ihres Romans „Leere Herzen“ (Luchterhand) stehen zwei desillusionierte Pragmatiker – geschäftlich allerdings erfolgreich. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist. Aber das reicht nicht. „Leere Herzen“ ist deutsche Science-Fiction über eine nahe Zukunft. Ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und ein 350-Seiten-Plädoyer wider leere Herzen und Kraftlosigkeit des Gestaltens. Es moderiert der hr2-kultur-Redakteur Alf Mentzer.

In Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt

 

Die Texte, Informationen und weitere Veranstaltungen finden Sie hier.

UNESCO-Welttag des Buches und des Urheberrechts am 23. April

Mittwoch, 18. April 2018

In ein paar Tagen ist es wieder so weit: in über 100 Ländern wird die Freude am Lesen und an Geschichten gefeiert. Daran beteiligt sind Buchhandlungen, Verlage, Bibliotheken und Schulen, die in Form von Lesungen, Verlagsführungen und verschiedenen Aktionen zum Mitmachen einladen. In Deutschland wird der Welttag des Buches und des Urheberrechts vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und von der Stiftung Lesen koordiniert.

„Ich schenk dir eine Geschichte“

Besonders Kinder sollen mit dem „Welttag des Buches“ angesprochen werden. Rahmen der Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ können sich Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 4 und 5 sowie von Integrations-, Förder- und Willkommensklassen ihr persönliches Exemplar gegen Vorlage eines Gutscheins in einer der 3.500 teilnehmenden Buchhandlungen abholen. Gefördert wird dies zusätzlich von der Deutschen Post, dem cbj Verlag und dem ZDF und steht unter der Schirmherrschaft der Kultusminister der Länder.
Außerdem erhalten über eine Million Kinder zum Welttag den Abenteuerroman „Lenny, Melina und die Sache mit dem Skateboard“ von Sabine Zett geschenkt.

„Bücher haben Fähigkeiten, die heute mehr denn je gefragt sind: Sie vermitteln Bildung und Wissen, fördern Verständnis und Kritikfähigkeit und ermöglichen es, Themen aus vielfältigen Perspektiven zu sehen. Gleichzeitig entführen sie in fremde Welten und bieten einen Ruhepol in unserer Multitasking-Gesellschaft, nach dem sich viele Menschen sehnen. Umso wichtiger ist der Welttag des Buches, der seit mehr als 20 Jahren die Bedeutung und das Potenzial von Büchern und vom Lesen in den Blick rückt“, sagt Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Ein Tag mit Tradition

Zum ersten Mal wurde der „Welttag des Buches“ am 23. April 1995 von der UNESCO zum weltweiten Feiertag für das Lesen, für Bücher und die Rechte der Autoren erklärt. Zurückzuführen ist diese Tradition auf einen katalanischen Brauch zum Namenstag des Volksheiligen St. Georg, an dem Rosen und Bücher verschenkt werden. Und der 23. April hat noch eine weitere Bedeutung – es ist der Todestag von Wiliam Shakespeare und Miguel de Cervantes.
Seit 1996 wird der „Welttag des Buches“ auch in Deutschland gefeiert.

Ihr seid interessiert und wollt mehr über die verschienden Aktionen und Veranstaltungen erfahren? Dann informiert Euch auf der Seite www.welttag-des-buches.de

Der keine Prinz wird 75 Jahre alt

Samstag, 07. April 2018

Es ist wohl eines der bekanntesten Märchen: „Der kleine Prinz“. Am 6. April 1943 erschien das Buch des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry in New York, das die Geschichte eines außerirdischen Kindes erzählt. Der Junge mit dem blonden Haar begibt sich auf die Reise von seinem Heimatplaneten, einem Asteroiden, „kaum größer als ein Haus“, auf die Erde, um sich auf die Suche nach Freunden zu machen. Auf seinem Weg besucht er weitere Asteroiden und trifft verschiedene Charaktere, wie etwa einen König, einen Eitlen oder einen Alkoholiker, bis er schließlich einen Fuchs auf der Erde trifft, der ihm sein Geheimnis verrät:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“

Auch heute spricht das Buch noch viele Menschen an, sowohl Erwachsene als auch Kinder. Mit seinen philosophische Fragen nimmt es immer wieder Bezug auf das Leben und auf unsere Gefühle. Aber es geht auch um unseren Bezug zur Erde.

„Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran.“

Die poetische Erzählung wurde in 180 Sprachen übersetzt und wurde rund 100 Millionen mal verkauft. Damit gehört es zu den meistverkauften nichtreligiösen Werken der Weltliteratur. „Der kleine Prinz“ wurde von dem Autor selbst illustriert und der Text enthält autobiographische Spuren.

Das Ende des kleinen Prinzen bleibt offen…

Internationales Literaturfestival lit.COLOGNE

Freitag, 09. März 2018

Zum 18. Mal findet in Köln das Internationale Literaturfest lit.COLOGNE statt. Bereits am 6. März war der Startschuss für die elftägige Veranstaltung. Zur diesjährigen Eröffnung las der Burgschauspieler Klaus Maria Brandauer im voll besetzten Kölner Dom. In seiner Lesung trug er den Text „Der Großinquisitor“ des russischen Schriftstellers Fjodor M. Dostojewski (1821 – 1881) vor.  Das Kapitel aus dem Roman „Die Brüder Karamasow“ stellt kritische Fragen zu dem christlichen Glauben und der kirchlichen Repräsentanz, aber der Text ist mehr als nur kirchenkritisch. Es sei ein visionärer Blick auf die Herrschaftsmechanismen aller ideologisch verbrämten Diktaturen, die als Pseudoreligionen im 20. Jahrhundert erst noch folgen sollten, so der Dompropst Gerd Bachner.

Es war die fünfte Domlesung seit der Entstehung der lit.COLOGNE. Das Festival hat es sich zum Ziel gemacht, Autoren mit der Veranstaltung zu würdigen. Sie setze ganz auf die Autoren und behandle diese wie Stars. Die Grundidee des Literaturfestivals ist nach Rainer Osnowski, einer der beiden Gründer, „die Begegnung großer Autoren mit Schauspielern, Künstlern.“ Weiter sagt er: „Werner Köhler und ich wollten damals vor 16 Jahren ein kulturelles Angebot machen, kein rein literarisches. Wir wollten Literatur mit Musik, Kunst und verschiedenen Literaturformen kombinieren und die vorhandenen Gräben zwischen E und U zuschütten. In Deutschland muss Kultur ja tendenziell ernst sein. Was nicht ernst ist, ist Event.“

Feministisches Festival q[lit]*clgn

In Köln findet parallel zur lit.COLOGNE auch eine Deutschlandpremiere statt: das erste feministische Literaturfestival, das den programmatischen Namen q[lit]*clgn trägt. Dieser verweist auf mehrere Bedeutungsebenen: von englischen „clit“ für die Klitoris bis zu lesbischen, Inter- und Transidentitäten. Insgesamt umfasst das Festival acht Veranstaltungen und ist eine Zusammenarbeit mit dem autonomen Frauen*Lesben Referat der Universität Köln, dem „Missy Magazine“ und diversen Migrantenorganisationen.

Ingeborg Bachmann: Erklär mir, Liebe

Freitag, 12. Januar 2018

Erklär mir, Liebe

Dein Hut lüftet sich leis, grüßt, schwebt im Wind,
dein unbedeckter Kopf hat’s Wolken angetan,
dein Herz hat anderswo zu tun,
dein Mund verleibt sich neue Sprachen ein,
das Zittergras im Land nimmt überhand,
Sternblumen bläst der Sommer an und aus,
von Flocken blind erhebst du dein Gesicht,
du lachst und weinst und gehst an dir zugrund,
was soll dir noch geschehen –

Erklär mir, Liebe!

Der Pfau, in feierlichem Staunen, schlägt sein Rad,
die Taube schlägt den Federkragen hoch,
vom Gurren überfüllt, dehnt sich die Luft,
der Entrich schreit, vom wilden Honig nimmt
das ganze Land, auch im gesetzten Park
hat jedes Beet ein goldner Staub umsäumt.

Der Fisch errötet, überholt den Schwarm
und stürzt durch Grotten ins Korallenbett.
Zur Silbersandmusik tanzt scheu der Skorpion.
Der Käfer riecht die Herrlichste von weit;
hätt ich nur seinen Sinn, ich fühlte auch,
daß Flügel unter ihrem Panzer schimmern,
und nähm den Weg zum fernen Erdbeerstrauch!

Erklär mir, Liebe!

Wasser weiß zu reden,
die Welle nimmt die Welle an der Hand,
im Weinberg schwillt die Traube, springt und fällt.
So arglos tritt die Schnecke aus dem Haus!

Ein Stein weiß einen andern zu erweichen!

Erklär mir, Liebe, was ich nicht erklären kann:
sollt ich die kurze schauerliche Zeit
nur mit Gedanken Umgang haben und allein
nichts Liebes kennen und nichts Liebes tun?
Muß einer denken? Wird er nicht vermißt?

Du sagst: es zählt ein andrer Geist auf ihn …
Erklär mir nichts. Ich seh den Salamander
durch jedes Feuer gehen.
Kein Schauer jagt ihn, und es schmerzt ihn nichts.

 

Die Welt hat einen interessanten Beitrag über „Die vielen Lieben der Ingeborg Bachmann“ veröffentlicht, den Sie hier zum Nachlesen finden.

Rückblick auf den Buchmarkt 2017: Umsatzrückgang und wachsende Medienkonkurrenz

Freitag, 05. Januar 2018

Der Buchumsatz 2017 ist im Vergleich zum Jahr 2016, in dem zu einem Umsatzplus von 1 Prozent kam, gesunken. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels differenziert dabei zwischen dem Jahresergebnis des Publikumsmarkts (Sortimentsbuchhandel, E-Commerce inkl. Amazon, Bahnhofsbuchhandel, Kauf-/Warenhäuser, Elektro- und Drogeriemärkte), der bei 2 Prozent unter dem Vorjahr lag, und dem Buchhandel vor Ort, der auf ein minus von 3 Prozent kam. Grund dafür sind die rückläufige Kundenfrequenzen in den Innenstädten und eine zunehmende Medienkonkurrenz. Vor allem die sozialen Medien werden als immer stärkere Konkurrenz zum Buch gesehen. Insgesamt beträgt der gesamte Umsatz der Branche rund neun Milliarden Euro.

Während andere von einem Buchhandel- und Verlagssterben sprechen, schreibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels dennoch von einem Optimismus in Hinblick auf das kommende Jahr 2018. Durch sogenanntes Cross-Channeling werden die Kundenwünsche sowohl online als auch vor Ort im Handel abgedeckt.

Media Control, die auch die Zahlen für den Buchmarkt 2017 erhob, gab ebenfalls den meistverkauften Roman 2017 bekannt: auf Platz 1 der „Belletristik Hardcover“ schaffte es „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde.

Einen kritischen Blick auf das Thema wirft Deutschlandfunk Kultur in der Sendung „Kulturgut Buch – bröckelt der Mythos?“. Den Beitrag zum Anhören und Nachlesen finden Sie hier.

Inzwischen schreiben nicht nur Autoren Bücher und Geschichten – auch Roboter greifen zur Feder

Mittwoch, 20. Dezember 2017

In New York hat ein Team der Botnil Studios eine Schreibsoftware entwickelt, die anhand von vorgegebenen Texten deren Struktur erlernt und diese so fortsetzen soll.

Als Input gaben sie ihrem Roboter die Harry Potter-Reihe und ließen ihn schließlich ein zusätzliches Kapitel schreiben. Doch was dabei herauskam, ist ein lustiges Wirrwarr.
Das Kapitel heißt „The Handsome One“ und umfasst dreieinhalb Seiten, in denen sich Todesser küssen, Ron die Familie von Hermine verspeist und Harry für mehrere Monate eine Treppe runterfällt.

Hier ein kleiner Ausschnitt aus „The Handsome One“:

Harry, Ron und Hermine standen still hinter einer Gruppe Todesser, die ziemlich übel aussahen. „Ich denke, es ist okay, wenn du mich magst“, sagte ein Todesser. „Danke dir von Herzen“, antwortete ein anderer.

Daraufhin lehnte sich der erste Todesser mutig nach vorne und küsste den anderen auf die Wange. „Oh, gut gemacht“, sagte dieser, als sich sein Freund wieder zurücklehnte. Alle anderen Todesser applaudierten höflich. Dann nahmen sie sich einige Minuten Zeit, um zu besprechen, was man gegen Harrys Zauberei tun könne.