Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’

Der keine Prinz wird 75 Jahre alt

Samstag, 07. April 2018

Es ist wohl eines der bekanntesten Märchen: „Der kleine Prinz“. Am 6. April 1943 erschien das Buch des Schriftstellers Antoine de Saint-Exupéry in New York, das die Geschichte eines außerirdischen Kindes erzählt. Der Junge mit dem blonden Haar begibt sich auf die Reise von seinem Heimatplaneten, einem Asteroiden, „kaum größer als ein Haus“, auf die Erde, um sich auf die Suche nach Freunden zu machen. Auf seinem Weg besucht er weitere Asteroiden und trifft verschiedene Charaktere, wie etwa einen König, einen Eitlen oder einen Alkoholiker, bis er schließlich einen Fuchs auf der Erde trifft, der ihm sein Geheimnis verrät:

„Man sieht nur mit dem Herzen gut, das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar“

Auch heute spricht das Buch noch viele Menschen an, sowohl Erwachsene als auch Kinder. Mit seinen philosophische Fragen nimmt es immer wieder Bezug auf das Leben und auf unsere Gefühle. Aber es geht auch um unseren Bezug zur Erde.

„Alle großen Leute waren einmal Kinder, aber nur wenige erinnern sich daran.“

Die poetische Erzählung wurde in 180 Sprachen übersetzt und wurde rund 100 Millionen mal verkauft. Damit gehört es zu den meistverkauften nichtreligiösen Werken der Weltliteratur. „Der kleine Prinz“ wurde von dem Autor selbst illustriert und der Text enthält autobiographische Spuren.

Das Ende des kleinen Prinzen bleibt offen…

Die Geschichte der Tinte

Dienstag, 20. Februar 2018

Im Gutenberg-Museum in Mainz findet im Juni eine Ausstellung zu „Unsere Schönsten“: Tintenfässer vom 19. bis zum 20. Jahrhundert statt. Insgesamt werden in diesem Rahmen eine Auswahl von 287 Tintenbehältnissen präsentiert, aus einer Zeit, in der handgeschriebene Briefe noch nicht zur Nostalgie führten.

Die Tinte selbst ist eine Erfindung, die bereits um 3000 v. Chr. in Ägypten verwendet wurde. Zu Beginn bestand Tinte noch aus Ruß und verschiedenen Bindemitteln, wie Gummi arabicum. Erst später, etwa um 1000 v. Chr. wurde die Rußtinte durch Tusche ersetzt. Zur Herstellung von Tusche wurde der Ruß aus verbrannter Nadelholzkohle oder Lampenöl verwendet und mit einem Leim aus Gelatine vermischt. Dieses Gemisch wurde anschließend in Stangen gepresst und getrocknet. Zum Schreiben verrieb man schließlich die Tuschestangen mit Wasser. In der Kalligrafie hat sich diese Methode bis heute erhalten.

Interessant ist auch der Bericht von Cicero, der von einem Gebrauch der Tintenbeutel von Tintenfischen schreibt. Diese wurden getrocknet und gemörsert, wobei ein braunschwarzer Farbstoff gewonnen wurde. Die Verwendung der sogenannten Sepiatinte wurde bis 1780 bewilligt.

Es gibt natürlich noch weitere Tintenarten, wie die pigmentierte Tinte aus der auch die Goldtinte im Mittelalter entwickelt wurde. Und wer kennt sie nicht noch von früher? Die Geheimtinte! Sie wird auch sympathetische Tinte genannt und wird erst unter einem bestimmten Lichteinfall sichtbar oder sie verändern ihre Eigenschaften nach einiger Zeit. Die extra Zutat für die Herstellung der Tinte ist dabei zum Beispiel Zitronensaft oder der Saft einer Küchenzwiebel. Erst beim Erwärmen des beschriebenen Papiers wird in diesem Fall die Schrift sichtbar.

Heinrich Böll: Künstler und Intellektueller

Samstag, 16. Dezember 2017

Am 21. Dezember ist der 100. Geburtstag von Heinrich Böll. Er zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern der deutschen Nachkriegszeit. In Form von Romanen, Kurzgeschichten, Hörspielen und Essays setzte er sich kritisch mit der jungen Bundesrepublik auseinander. Eines seiner Ziele war es, das öffentliche Bewusstsein der BRD zu verändern. Dazu stellte Böll Thesen zu einer „Ästhetik des Humanen“ auf, forderte zur „Leistungsverweigerung“ auf, wie in seinem Roman Gruppenbild einer Dame oder wurde zu einem Fürsprecher der moralischen Schönheit des Aussteigens.

Immer wieder machte Böll auf die politischen und sozialen Begebenheiten vor und nach der Zeit von 1945 aufmerksam und forderte die Auseinandersetzung:

„Wir denken immer in Daten, wir denken: 8. Mai 1945, Krieg zu Ende, Nazis weg, Stunde Null – eine große Täuschung. Und diese Täuschung habe ich nicht vollzogen. Ich habe mich immer gefragt: Waren hier überhaupt jemals irgendwo Nazis? Es waren ja 90 Prozent, wir wollen uns doch nichts vormachen. Und plötzlich keine mehr? […]: bis zum 8. Mai waren sie alle Nazis, wirklich, und plötzlich war das weg.“ (Heinrich Böll)

1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur als Würdigung seiner literarischen Arbeit, „die durch ihren zeitgeschichtlichen Weitblick in Verbindung mit ihrer von sensiblem Einfühlungsvermögen geprägten Darstellungskunst erneuernd im Bereich der deutschen Literatur gewirkt hat“.
Böll war der erste Nobelpreisträger der Bundesrepublik.

Deutschlandradio Kultur hat dem Schriftsteller in der LANGEN NACHT einen ausführlichen und interessanten Beitrag gewidmet. Den Beitrag können Sie hier lesen oder hören.

Heute wäre Michael Ende 88 Jahre alt geworden

Sonntag, 12. November 2017

Wer kennt sie nicht, die spannenden, einfühlsamen, fantasiereichen Geschichten von Michael Ende. Vor allem seine Kinderbücher wie Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, Die unendliche Geschichte und Momo zählen zu seinen Meisterstücken. Endes Werke wurden in über vierzig Sprachen übersetzt und haben eine Gesamtauflage von fast dreißig Millionen erreicht.

Michael Andreas Helmuth Ende, so sein bürgerlicher Name, wurde am 12. November 1929 in Garmisch geboren. Sein Vater war ein surrealistischer Maler, dessen Kunst während des NS-Regimes als entartete Kunst eingestuft wurde. Somit wurde Ende schon früh mit den gesellschaftlichen Kontroversen konfrontiert, die auch später in seinen Werken immer wieder als Thematik auftauchen.
Ende setzte sich bereits nach seinem Abitur mit dem Schreiben auseinander und wurde von der dadaistischen und expressionistischen Dichtung beeinflusst. Er entschloss sich für eine Karriere als Theaterautor, wofür er aber vorab eine Schauspielausbildung absolvierte. Während er verschiedene politische Kabaretts schrieb, arbeitete er einige Jahre als Schauspieler und als Filmkritiker für den Bayerischen Rundfunk. Ende der 1950er-Jahre schrieb Ende das Werk Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer, das erst von zwölf Verlagen abgelehnt wurde, ihm aber schließlich zum Durchbruch verhalf. 1960 veröffentlichte der Thienemann Verlag in Stuttgart das Buch. Ende gewann den Deutschen Jugendliteraturpreis und er blieb auch dem Verlag in den darauffolgenden Jahrzehnten treu. Es war der Beginn einer Karriere als Kinder- und Jugendbuchautor. Aber darüber hinaus blieb er auch immer dem Theater treu.

Ein schönes Zitat von ihm, das auch die Inhalte seiner Bücher widerspiegelt, lautet:

»Wir kennen von der Realität nur die Vorstellung, die wir uns von ihr machen. Ich weiß nicht genau, wo die Realität aufhört und die Phantasie beginnt.«

– Michael Ende

Zum 150. Todestag von Charles Baudelaire

Samstag, 02. September 2017

Zum Gedenken an den französischen Schriftsteller Charles Baudelaire, der heute zu den bedeutendsten französischen Lyrikern zählt  und als wichtiger Wegbereiter der literarischen Moderne in Europa gesehen wird.

Man muss immer trunken sein

Man muß immer trunken sein.
Das ist alles, die einzige Lösung.
Um nicht das furchtbare Joch der Zeit zu fühlen,
das eure Schultern zerbricht und euch zur Erde beugt,
müsset ihr euch berauschen, zügellos.
Doch womit?
Mit Wein, mit Poesie, oder mit Tugend?
Womit ihr wollt,
aber berauschet euch.

Und wenn ihr einmal
auf den Stufen eines Palastes,
im grünen Grase eines Grabens,
in der traurigen Einsamkeit eures Gemaches erwachet,
der Rausch schon licht geworden oder verflogen ist,
so fraget den Wind, die Woge, den Stern, den Vogel, die Uhr,
alles, was flieht,
alles, was seufzt,
alles, was vorüberrollt, singt, spricht,
fraget sie: Welche Zeit ist es?
Und der Wind, die Woge, der Stern, der Vogel, die Uhr werden euch antworten:
Es ist Zeit, sich zu berauschen,
um nicht die gequälten Sklaven der Zeit zu sein.
Berauschet euch,
berauschet euch ohne Ende
mit Wein, mit Poesie,
oder mit Tugend,
womit ihr wollt.

Charles Baudelaire

Buchherstellung im Mittelalter

Sonntag, 30. Juli 2017

Jane Austen: Ein Kind der Aufklärung

Sonntag, 23. Juli 2017

Viele kennen die Romane von Jane Austen, die von 1775 bis 1817 in England lebte. „Sinn und Sinnlichkeit“ oder „Emma“ waren auch schon zu ihren Lebzeiten Bestseller. Doch wer war Jane Austen, die ihre Werke anonym veröffentlichte, und was steckt tatsächlich hinter den romantischen Liebesgeschichten der jungen Frau? Deutschlandfunk Kultur widmete Jane Austen einen ausführlichen Beitrag. In „Eine lange Nacht über die Schriftstellerin Jane Austen. Verführung, Stolz und Sinnlichkeit“ wird Austen als Kind der Aufklärung deklariert und ihre literarische Bedeutung genauer beleuchtet. So hat sie auch die erlebte Rede, die Ende des 18. Jahrhunderts als literarisches Stilmittel eingeführt wurde, entscheidend weiterentwickelt.

Den Beitrag mit schönen Buchzitaten und musikalischer Begleitung finden Sie hier.

Die Lange Nacht über den amerikanischen Schriftsteller Herman Melville

Montag, 05. Juni 2017

Deutschlandfunk Kultur präsentiert einen schönen und interessanten Beitrag zum Anhören über den amerikanischen Schriftsteller Herman Melville, Verfasser der weltbekannten Bücher „Moby Dick“ oder „Billy Budd“. Melville wurde im Jahr 1819 in New York geboren und war Schriftsteller, Essayist und Dichter. Während „Moby Dick“ zu seinen Lebzeiten keinen wirklichen Erfolg erzielte, zählt es heute zur Weltliteratur. Bei seiner Erscheinung 1851 wurden gerade mal 3.000 Exemplare verkauft. Erst in den 1920er Jahren wurde Melville wiederentdeckt und seine Werke erhielten ihre entsprechende Anerkennung. Die Kurzgeschichte „Bartleby, the Scrivener“ wird heute als eines seiner wichtigsten Werke angesehen und gilt als Vorreiter der existenzialistischen und absurden Literatur. Doch bis zu seinem Tod im Jahr 1891 konnte er nicht von seiner Arbeit als Schriftsteller leben und musste sich mit einer Vielzahl von Nebengelegenheiten über Wasser halten.

Herman Melville gehörte der Gruppe der Young America an, die es sich zur Aufgabe machten, eine amerikanische Nationalliteratur als Zeichen der kulturellen Emanzipation zu fördern.

Den Beitrag „Die Lange Nacht über den amerikanischen Schriftsteller Herman Melville“ in einer Produktion des Deutschlandfunks Kultur finden Sie hier.

Die Typografie – Teil 1: Eine Einführung

Dienstag, 20. Dezember 2016

Hören wir das Wort „Typografie“, verbinden wir dieses womöglich erstmal mit einem Schriftsatz oder einer ästhetisch gestalteten Buchseite. Doch erforscht man die Begrifflichkeit etwas genauer, entdeckt man die Komplexität und die Bedeutung des Begriffs. Denn die Typografie steht nicht nur in Verbindung zur Entwicklung der Schriftkultur, sondern beinhaltet verschiedene Disziplinen und eine lange Tradition.

Das Wort Typografie leitet sich etymologisch aus dem griechischen „typos“ her und bedeutet: „Schlag“, „Abdruck“, „Figur“. Ihren Ursprung  hat die Typografie in der Frührenaissance (1450 – 1457) durch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern. Sie galt in der Renaissance als die „Deutsche Kunst“ und stand für die Kunst und das Handwerk des Druckens.

Da es aufgrund der vielseitigen Verwendung keine klare und allgemein gültige Definition zu geben scheint, habe ich als Abhilfe den Duden herangezogen. Dort wird die Typografie wie folgt erklärt:

  1. Kunst der Gestaltung von Druck-Erzeugnissen nach ästhetischen Gesichtspunkten; Buchdruckerkunst
  2. typografische Gestaltung (eines Druck-Erzeugnisses); Kurzwort: Typo

Heute umfasst die Typografie nicht nur den Gestaltungsprozess anhand von Schrift, Bildern, Linien, Flächen und typografischen Raum auf Druckwerken, demnach die Gestaltung des Layouts und der Entwurf von Satzschriften, sondern auch Entscheidungen bis hin zur Papierauswahl oder des Einbands. Durch die Typografie kann der Inhalt und der Zweck eines Werkes gestalterisch unterstützt werden. Es wird nur noch selten mit dem Buchdruck in Verbindung gebracht…

In der kommenden Zeit werde ich den Begriff der Typografie noch weiter untersuchen und aufschlüsseln – es gibt noch viel zu erfahren!

Von der Papyrusrolle zum E-Book

Sonntag, 04. Dezember 2016

In der Blütezeit der Philosophenschulen in Athen, also etwa im 4. Jahrhundert v. Chr., gab es bereits einen großen Bestand von Büchersammlungen. Doch ähnelten sie nicht unserem heutigen Buch, sondern als Buch verstand man eine Papyrusrolle. Zu dieser Zeit wurden sie noch teilweise von Sklaven hergestellt. Wussten Sie, dass die ersten griechischen Papyrusrollen in Ägypten gefunden wurden?

Im Mittelalter übernahmen dann schließlich die Mönche die Buchproduktion und erstellten viele Kopien für die Klöster, aber auch für Auftraggeber. Während sich erst im späten Mittelalter der Beruf des Schreibers entwickelte, kam auch das Papier erst im 14. Jahrhundert als Beschreibstoff hinzu.

Die rettende Lösung, um die aufwendige Arbeit der Schreiber zu erleichtern, brachte dann im 15. Jahrhundert Johannes Gensfleisch, auch bekannt als Gutenberg. Er ist der Erfinder des modernen Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern und der Druckpresse. Die Revolution des Buches wurde eingeleitet! Von diesem Zeitpunkt an, war eine schnelle, billige und in größeren Mengen produzierbare Auflage möglich. Das gedruckte Wort etablierte sich bald in den Alltag der Menschen.

Im 16. Jahrhundert wurden dann die Themen von Büchern erweitert. Neben religiösen und wissenschaftlichen Werken, wurden auch volkstümliche Bücher, Ständebücher oder auch Frauentrachtenbücher hergestellt. Auch Flugblätter und Flugschriften wurden Teil des gesellschaftlichen Lebens. Sie berichteten über Nachrichten, Gerüchte, Haushaltstipps usw. Da es zu dieser Zeit noch viele Analphabeten gab, wurden die Nachrichten meist laut vorgelesen.
Das 18. Jahrhundert brachte schließlich gravierende Neuerungen in der Buchproduktion mit sich, die sich auf die Qualität, die Ausstattung und die Produktionstechniken auswirkten.

Auch heute hat sich das Buch noch einmal weiterentwickelt bzw. sich von seinen Wurzeln enthoben – über das digitalisierte Buch bis hin zum E-Book. Doch wie steht es um das E-Book? Wurde mit der Digitalisierung eine weitere „Buchrevolution“ ausgelöst? Das möchte ich gerne in dem nächsten Beitrag genauer untersuchen…