Archiv für die Kategorie ‘Druck’

Die Drucktechniken

Dienstag, 14. März 2017

Die Wahl der Drucktechnik ist abhängig von dem Objekt, das bedruckt werden soll. Generell kann man erstmal zwischen drei Druckprinzipien unterscheiden: Fläche gegen Fläche, Zylinder gegen Fläche (rund gegen flach) und Zylinder gegen Zylinder (rund gegen rund). Es ist also entscheidend, wie die Druckelemente zur Druckform stehen, wie der Flach-, Hoch-, Tief- und Durchdruck. Daraus ergeben sich nach der DIN 16500 folgende Hauptdruckverfahren:

Hochdruck: Bildstellen der Druckform stehen höher als Nichtbildstellen (Buchdruck und Flexodruck)

Flachdruck: Hier liegen Bildstellen und Nichtbildstellen der Druckformen annähernd auf einer Ebene (Offsetdruck)

Tiefdruck: Bildstellen der Druckform liegen tiefer als Nichtbildstellen

Durchdruck: Bildstellen der Druckform bestehen aus den Öffnungen einer Schablone meist auf einem farbdurchlässigen Schablonenträger, einem Sieb aus Kunststoff- oder Metallfäden (Steindruck, Kupferdruck).

Darüber hinaus ist auch die Bearbeitungsart der Druckform entscheidend, zum Beispiel wird ein Holzschnitt manuell bearbeitet, während bei der Lithografie chemische Vorgänge, wie die Radierung, angewendet werden. Beim Lichtdurck wiederum ist es ein fotomechanischer Prozess.
Auch bei dem Übertragungsweg gibt es weitere Unterschiede, die sich auf das indirekte und das direkte Druckverfahren beziehen. Beim direkten Druckverfahren wird das Druckbild direkt von der Druckform auf den Bedruckstoff gebracht. (Rakeltiefdruck, Buchdruck). Dabei ist zu beachten, dass das Druckbild seitenverkehrt auf der Druckform angebracht ist.  Wie es der Name bereits erahnen lässt, wird beim indirekten Druckverfahren das Druckbild vorerst auf einen Zwischenträger angebracht, der flexibel ist und die Farbe an den Bedruckstoff abgibt. (Offsetdruck, Tampondruck). Daher muss das Druckbild bei diesem Verfahren seitenrichtig liegen.

Ein Klischee

Eine Drucktechnik der Zeitungs- und Buchdrucktechnik wird auch als Klischee bezeichnet. Dabei wird eine fotomechanisch oder maschinell hergestellte Druckform für das Hochdruckverfahren angefertigt. Ein Klischee kann aus Zink, Kupfer, Kunststoff oder im modernen Flexodruck aus Photopolymer bestehen.
Bei dieser Technik wurden früher die Metall- oder Kunststoffplatten mit einer lichtempfindlichen Schicht überzogen und das zu druckende Motiv wird mittels Negativfilm aufbelichtet. Der chemische Prozess bewirkt, dass die belichteten Sichtpartien härten, während die unbelichteten Partien wasserlöslich bleiben.
Heutzutage werden die Fototpolymerdruckplatten aus flüssigem Harz gegossen oder als unbelichtete Flexodruckplatte geliefert. Anschließend wird mit einer Rückseitenbelichtung die Unterseite des Klischees ausgehärtet und die druckenden Partien der Druckform mit Hilfe eines Negativfilms auf die Schichtseite der Platte übertragen und durch UV-Belichtung ausgehärtet (polymerisiert). Die nicht druckenden Bereiche wäscht man mit Lösungsmitteln, wie Wasser oder Naptha und Alkohol, aus.

Klischees (Quelle: Wikipedia)

Die Druckfarbe

Samstag, 04. März 2017

Für uns ist es heute ein Standard, Bilder, Videos, Zeitungen etc. in Farbe zu erhalten. Wir sind in einer farbenfrohen Medienwelt zu Hause. Doch ist es noch gar nicht so lange her, dass die Farben ihren Einzug in unseren Alltag erhielten.
Zwar experimentieren die ersten Fotografen bereits im 19. Jahrhundert mit farbempfindlichen Emulsionen und kolorierten Fotografien, doch konnten die Verfahren sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts durchsetzen. Damit einher ging auch die Forderung, dass farbige Reproduktionen von Bildern in Büchern und Zeitschriften verwendet werden sollten. Bis in die 1960er Jahre gab es überwiegend Schwarzweißbilder.

Natürliche und synthetische Farben

Schon seit jeher war die Darstellung von Farbe ein Luxusgut, das teuer bezahlt werden musste. Sie galten auch als Statussymbol. Die Herstellung von nur wenigen Gramm Purpur kostete 12.000 Schnecken das Leben.
Die Farbe wurde damals noch aus natürlichen Gemischen und Pigmenten, wie Erde, Mineralien, Pflanzen oder Blut und Fett, Eiweiß, Alkohol etc., hergestellt.
Erst im 18. Jahrhundert wurde die synthetische Farbe entdeckt und seitdem stetig bis zu dem heutigen, uns vertrautem, Produkt weiterentwickelt.

Herstellung der Druckfarben

Druckfarben bestehen aus Farbmitteln bzw. Farbkörpern, Bindemitteln (Festharze, Alkydharze) und weiteren Hilfsstoffen. Letztere sind für die Einstellung der physikalischen Eigenschaften, also der Beeinflussung von Trocknung, Glanz und Oberflächenhärte usw. notwendig. Für die Herstellung von Druckfarbe wird im ersten Schritt das Bindemittel durch Mischung eines Firnis durch Kochen unter festgelegten Prozessbedingungen in einem Reaktor hergestellt und anschließend gelagert. Das Druckfarbenfirnis wird dann mit pulverförmigen Pigmenten, den Hilfsstoffen und Trockenstoffen vermischt. Im darauffolgenden Schritt werden in einer sogenannten Perlmühle oder einer Dreiwalze die Pigmente vollständig dispergiert.

Die Farben

Der Farbdruck basiert auf den Grundfarben Cyan, Magenta und Gelb, als Kontrastverstärker wird noch Schwarz ergänzt. Daher spricht man auch von dem Vierfarbdruck, in der Fachsprache auch als 4C oder CMYK bezeichnet. Der Vierfarbdruck wird in der normierten Euroskala erstellt.
Mit den Grundfarben können so gut wie alle Farben erzeugt werden. Würde man die Mischmöglichkeiten mit den unterschiedlichen Farbabstufungen veranschaulichen, erhielte man eine Skala mit bis zu 100 Millionen Farbfeldern. Interessant ist jedoch, dass das menschliche Auge „nur“ ca. 5 Millionen Farbnuancen unterscheiden kann.

Der Druckauftrag ist wiederum von den unterschiedlichen Druckverfahren abhängig, die ich im kommenden Beitrag nochmal genau darstellen werde.

Druckpressen und Druckmaschinen

Samstag, 25. Februar 2017

Wie es der Name bereits erahnen lässt, ist die Druckpresse ein mechanisches Gerät, mit dessen Einsatz eine gefärbte Druckform, hauptsächlich Texte, auf einen Bedruckstoff übertragen werden kann. Es entsteht ein Abdruck. Bereits zur Zeit der Renaissance (ab dem 15. Jahrhundert) konnte eine Druckerpresse an einem Tag mehrere hundert Seiten drucken. Zum Vergleich: mit dem Handdruckverfahren konnten vierzig Seiten angefertigt werden. Durch die Mechanisierung der Buchdruckkunst, ausgehend von Johann Gutenberg im Jahr 1410 in Mainz, konnten Bücher als „Massenprodukt“ hergestellt werden. Um 1500 wurden in Westeuropa mithilfe der Druckpressen über 20 Mio. Werke verbreitet, wobei sich die Gesamtproduktion im Laufe des 16. Jahrhunderts auf das Zehnfache ausweitetet, also um die geschätzten 150 bis 200 Mio. Exemplare!

Gutenberg-Presse und die Stanhope-Presse

Die Gutenberg-Presse und die Stanhope-Presse gehören zu den handbetriebenen Pressen. Ihre Leistung fällt noch relativ gering aus. Die Gutenberg-Presse, die um 1600 entwickelt wurde, konnte pro Stunde 240 Seiten herstellen, wozu im Vergleich die Stanhope-Presse (1800) bereits 480 Seiten pro Stunde anfertigen konnte.
Die Gutenberg-Presse war wahrscheinlich eine Weiterentwicklung und Umgestaltung einer Spindelpresse (1442), die bei der Papier- und Weinherstellung eingesetzt wurde. Dabei bewirkte das Drehen der Spindel mit Hilfe des Pressbengels eine Abwärtsbewegung einer senkrechten Metallplatte, die den entstehenden Druck auf die Unterlage mit dem Druckstoß verteilte. Die Unterlage wiederum befand sich auf einem bewegbaren Karren, auf dem das Druckmaterial lag.

Dampfgetriebene Maschinen

Bereits einige Jahre später, wurden die dampfgetriebenen „Koenig & Bauer“-Maschinen weiterentwickelt. Im Jahr 1818 schaffte eine Maschine etwa 2400 Seiten pro Stunde.
Die erste Zylinderdruckmaschine wurde 1811 von Friedrich Koenig (später dann in Zusammenarbeit mit Andreas Friedrich Bauer) erfunden und entwickelt und im Jahr 1814 erstmals bei der Zeitung „The Times“ eingesetzt. Dabei wurde zum Gegendruck ein Zylinder verwendet, wodurch sich diese Pressen von den Tiegeldruckpressen (Fläche gegen Fläche) unterschieden. Die Neuheit lag darin, dass alle Funktionen mechanisch ausgeübt wurden und der Antrieb über eine Transmission durch Dampfkraft erfolgte. Außerdem wurde es möglich, auch Rollenpapier zu bedrucken.
Im Jahr 1845 kam es zu einer erneuten Weiterentwicklung durch Richard March Hoe, der die Rotationspresse (Zylinder gegen Zylinder) entwickelte bis es schließlich weiter von einer Maschine zum Automaten kam.

 

Die Typografie – Teil 9: Die Satztechnik

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die Satztechnik ist ein technisches Verfahren, bei dem eine Vorlage (bspw. Text, Grafik, Bilder) für den Druck vorbereitet wird und somit „drucktauglich“ wird. Auch der Setzvorgang selbst wird als „Satz“ und die dafür benutzte Schrift als  Satzschrift bezeichnet. Dabei gibt es vielfältige Methoden der Satzherstellung, die sich durch traditionelle und modernden Techniken anwenden lassen können.

Handsatz

Der Handsatz wurde bis ins 19. Jahrhundert angewendet, wobei der Bleisatz ausschließlich per Hand ausgeführt wurde. Bei diesem Vorgang entnimmt der Handsetzer einzelne Bleiletter aus dem Setzkasten und setzt diese in einem Winkelhaken zu Zeilen zusammen. Diese werden wiederum auf einem Setzschiff zu einer Kolumne zusammengefügt. Die Kolumne wird anschließend durch eine Kolumnenschnur umbunden, wodurch sie beweglich wird, aber gleichzeitig ihre Anordnung beibehält.

Maschinensatz

Da der Handsatz ein aufwendiger Arbeitsprozess war, versuchte man Lösungen zu finden, um eben diesen zu vereinfachen. Die Entwicklung einer zuverlässig arbeitenden Setzmaschine gehörte zu den wohl am schwierigsten zu lösenden Aufgaben der Technikgeschichte. Weshalb erst  im Jahr 1822 das erste Patent auf eine Setzmaschine erteilt wurde. Man arbeitete zunächst mit den Lettern aus dem Handsatz, doch die Legierung der Typen waren für die maschinelle Bearbeitung zu weich. Schließlich wurden Maschinen eingesetzt, die mittels Matrizen Schriftzeilen setzten und diese jeweils neu gießen konnten. Man unterscheidet zwischen Zeilensetzmaschinen („Typograph“ und „Linotype“) und Einzelbuchstaben-Setzmaschinen.

Fotosatz

Der Fotosatz geht bis ins 19. Jahrhundert zurück, aber erst Mitte des 20. Jahrhunderts wurde er auch im Druckereigewerbe eingesetzt. In Deutschland wurde die erste Fotosatzmaschine 1959 aufgestellt. Der Fotosatz ist eine manuelle und maschinelle Herstellung vom Schriftsatz auf fotografischem Weg, wobei das Endprodukt ein Film oder Fotopapier ist. Diese wurden direkt oder nach erfolgter Filmsatzmontage für die Kopie der Druckformen verwendet. Der genaue technische Vorgang bestand im ersten Schritt aus Strahlen einer Lichtquelle, die durch einen Schriftbildträger fielen. Durch ein optisches System wurden die Strahlen gebündelt, wodurch die negativen Schriftzeichen in einer variablen Größe auf einer lichtempfindlichen Schriftscheibe, einer Typenplatte oder einem Filmstreifen abgebildet wurden.
Der Fotosatz wurde auch als „kalter“ oder „schwereloser Satz“ bezeichnet, weil die Druckvorlage fotomechanisch bzw. fotoelektronisch erzeugt wurde.

Computergestützter Satz

Heutzutage werden die meisten Publikationen am Computer erstellt. Man unterscheidet dafür die Bereiche Desktop-Publishing (Satz und Umbruch am Computer) und Struktursatz. Eingeführt wurde der computergestützte Satz 1985 durch die Firmen Apple, Adobe, Linotype und Aldus. Apple brachte mit dem Macintosh den ersten voll grafikorientierten Rechner auf den Markt.
Durch den computergestützten Satz wurden die bis dahin bestehenden Verfahren weitestgehend abgelöst und verdrängt.
Der Schriftsetzer wurde zum „Layouter“.

Die Typografie – Teil 3: Die Herausbildung der Druckschriften

Freitag, 06. Januar 2017

Die Bedeutung der Typografie geht mit der Erfindung des Buchdrucks und demnach mit den beweglichen Lettern einher. Zurückzuführen ist die Typografie auf das Jahr 1457, wobei der aus Mainz stammende Erfinder, Johannes Gutenberg (um 1400-1468), auch als Prototypograph bezeichnet wird. Das Herausragende an der Technik war die Möglichkeit Gedanken und Wissen maschinell auf ein Vielfaches zu reproduzieren. Die Folgen und Revolution dessen sind uns allen bestens bekannt. Doch wie hat sich die Druckschrift zu dieser Zeit entwickelt?

Die ersten Druckschriften

Gutenberg verwendete für seine ersten Druckwerke die Textura (gotischer Ursprung) in unterschiedlichen Typen, die bereits in biblischen und liturgischen Büchern benutzt wurde.
In Italien bildete sich in den darauffolgenden Jahren die Antiqua heraus, die von der Humanistenhandschrift abgeleitet und für klassische und humanistische Publikationen eingesetzt wurde. In Venezia (auch „Stadt der Typographie“) wurden karolinigischen Minsukel und die Großbuchstaben der römischen Capitalis überarbeitet, wodurch eine Zweialphabetenschrift entstand. Dadurch hob sie sich stark von der gebrochenen Schrift des Mittelalters ab. Die Antiqua gilt als Grundlage für die heute von uns verwendeten Schriften, wobei sie noch vielfach verändert und weiterentwickelt wurde. So waren die Venezianische Renaissance-Antiqua und die Französische Renaissance-Antiqua weitere Vorläufer. Bei erster handelt es sich um eine Ableitung der spätmittelalterlichen Rotunda- und Bastarda-Schrift. Sie gilt als erste vollkommene Druckantiqua von exemplarischer Ausgewogenheit und Deutlichkeit.
Die Schriftklassifikation der Antiqua lässt sich in folgende Hauptgruppen unterteilen: Renaissance-Antiqua, Barock- oder Übergangsantiqua und klassizistische Antiqua. Im Klassizismus (1760-1830) erreichte die Ausführung der Antiqua schließlich ihren vorläufigen Endpunkt.

Die Weiterführung der Schriftarten

Neben der Antiqua entwickelten sich auch weitere Schriftarten, wie beispielsweise die Fraktur zu Beginn des 16. Jahrhunderts in Deutschland. Sie blieb dort bis ins 20. Jahrhundert die dominierende Schrift und wurde zum Inbegriff der „Deutschen Schrift“. Interessant ist auch, dass sich schon früh ein Schriftstreit zwischen der Fraktur und der Antiqua vollzog, der sich bis zum Ende des Dritten Reichs nicht auflöste. Schriften wurden zudem textsortenspezifisch eingesetzt – so wurde die Schriftart Rotunda für lateinische Texte verwendet, die Bastarda auch für deutsche Texte, die Antiqua-Schriften für humanistische Texte und die Fraktur für die Reformationsschriften von Martin Luther.

Das 19. und 20. Jahrhundert 

Anhand der Vielzahl von Schriftarten, die uns heute zur Verfügung stehen, lässt sich gut erkennen, dass die Möglichkeiten von Schrifttypen fast unendlich scheinen. Mit der Weiterentwicklung der Technik, haben sich auch die Schriften verändert. Vor allem im 19. Jahrhundert, zur Zeit der Industrialisierung, nahmen die innovativen und maschinellen Fertigungsprozesse großen Einfluss auf den Druck und die Illustrationsgrafiken.
Anfang des 20. Jahrhunderts rivalisierten drei unterschiedliche Tendenzen in der Typographie: Die traditionelle Buchtypographie (Fraktur, Antiqua-Schrift), die kunstgewerbliche Gebrauchs- und Akzidenztypographie, die sich immer noch am Historismus und am Jugendstil orientierte (Egyptienne, kunstgewerbliche Hybride) und die »Moderne Typographie« bzw. die »Neue Kunst-Typographie« (Grotesk), die durch die Industrie und die Kunst (Futurismus, Dadaismus, Konstruktivismus) inspiriert wurde.

Creative Paper Conference 2016

Freitag, 16. September 2016

Inspiration zum Anfassen – so lautet das diesjährige Motto der Creative Paper Conference in München. Papierinnovationen, hochwertige Druckveredelungen, erstaunliche Printprojekte warten darauf, auf einem großen Messebereich entdeckt und erfühlt zu werden.

In zehn kreativen Vorträgen zeigt sich das ganze Spektrum erfolgreicher Kommunikation – von Editorial über Corporate Design, Buchgestaltung und Produktion, Siebdruck und Typgrafie. Leidenschaftliche Plädoyers, die inspirieren und mitreißen sollen.

Ort: Alte Kongresshalle München (Theresienhöhe 15, 80339 München)

27.10. – 28.10.2016

Weitere Informationen finden Sie hier.

Konferenz: Transformation des Buchdrucks (9.6.-10.6.)

Mittwoch, 18. Mai 2016

Der Buchdruck und seine Techniken des Stempelschneidens, Schriftgießens und Bleisetzens haben unsere Kultur entscheidend verändert – Aufklärung und Demokratisierung sind ohne kostengünstige Reproduktionen kaum vorstellbar. Doch welche Relevanz hat der Buchdruck in einer Zeit, in der mit anderen Techniken schneller, kostengünstiger und dabei qualitativ hochwertig gedruckt werden kann? Haben im Buchdruck hergestellte Druckerzeugnisse spezifische Charakteristika, die es rechtfertigen nicht nur die materiellen Artefakte, sondern auch das implizite Wissen des Handwerks bewahren zu wollen?

Die Konferenz bringt vielfältige Perspektiven aus wissenschaftlichen und praktischen Bereichen zusammen. Der Buchdruck wird dabei nicht als anachronistische Kulturtechnik verstanden, die im Zuge der digitalen Revolution als »veraltet« im historischen Fundus verschwindet. Vielmehr wird der Blick auf seine Transformationen gelenkt und danach gefragt, inwiefern und weshalb die Praktiken und die Ästhetik der Buchdrucktechniken bis heute die Gestaltungspraxis sowohl in analogen wie digitalen Anwendungen prägen.

Veranstaltungsort:
Exzellenzcluster Bild Wissen Gestaltung
Sophienstraße 22a
10117 Berlin
Zentrallabor

Anmeldung:
Eintritt frei, Registrierung notwendig.

Programm


Donnerstag, 9. Juni 2016

13.00 Uhr
Christian Kassung & Jürgen Franssen
Begrüßung und Einführung

13.30 Uhr
Christoph Reske | Buchwissenschaft | Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Buchdruck in der Handpressenzeit

14.30 Uhr
Eckehart SchumacherGebler | Typographie | Buchdruckerei Offizin Haag-Drugulin, Dresden

Der Maschinensatz im frühen 20. Jahrhundert

15.30 Uhr
KAFFEEPAUSE

16.00 Uhr
Katharina Walter | Kulturwissenschaft | Humboldt-Universität zu Berlin
Vom Blei zum Licht – der Fotosatz

17.00 Uhr
Wolfgang Coy | Informatik | Humboldt-Universität zu Berlin

Flexible Satzspiegel, flexibler Satz – 
die digitale Herausforderung

19.30 Uhr Abendvortrag
James Mosley | Typographie | University of Reading

Memories of Type

Freitag, 10. Juni 2016

9.30 Uhr
Oliver Hahn | Materialwissenschaft | Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung
Farbe auf Papier – materialwissenschaftliche Aspekte des Buchdrucks

10.30 Uhr
Nelly Gable | Stempelschnitt | Imprimerie nationale, Paris
Du barreau d’acier au caractère en plomb. La gravure de poinçons typographiques à l’Imprimerie nationale/Vom Stahlstäbchen zur Bleiletter. Der Stempelschnitt in der Imprimerie nationale (Übersetzung: Philipp Rehage, Freiburg)

11.30 Uhr
Fred Smeijers | Type Design | Hochschule für Grafik und Buchkunst, Leipzig
Counterpunch – making type in the sixteenth century, designing typefaces now

12.30 Uhr
MITTAGSPAUSE

13.30 Uhr
Annette Ludwig | Kunstgeschichte | Direktorin des Gutenberg-Museums Mainz
Perspektiven und Strategien musealer Bewahrung und Vermittlung des Buchdrucks

14.30 Uhr
Martin Grunwald | Neuropsychologie | Haptik-Forschungslabor, Universität Leipzig
Das Tastsinnessystem im Kontext digitaler Gestaltungs- und Entwurfsprozesse

15.30 Uhr
KAFFEEPAUSE

15.45 Uhr
Martin Z. Schröder | Typographie | Die Druckerey, Berlin
Bleisatz, Maßanzüge und Platinschmuck. Wie sich traditionelle Satztechnik als Distinktionsmerkmal erhält

16.45 Uhr
Erik Spiekermann | Typographie | Galerie P98a, Berlin
Vom Digitalen zum Analogen – neue Chancen für den Buchdruck?

17.45 Uhr
Abschlussdiskussion

Über einen der letzten Bleisatz-Drucker Deutschlands

Samstag, 26. Dezember 2015

Katharina Borchardt von Deutschlandradio Kultur hat Martin Z. Schröder in seiner Druckerei in Berlin-Weißensee besucht, hat sich von ihm erklären lassen, warum er bei der Arbeit eine Krawatte trägt, und hat einen kompletten Satz- und Druckvorgang miterlebt. Eine spannende Innenansicht!

Zum Beitrag von Deutschlandradio Kultur geht es hier entlang.

 

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten – ein Gespräch über Buchkunst

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Das grafisch schönste Buch des Jahres – so urteilten Kritiker über J.J. Abrams und Doug Dorsts „S. – Das Schiff des Theseus“. Der Drucker Martin Z. Schröder widerspricht: Durch „technisches Brimborium“ und schrille Effekte entstehe keine Buchkunst.

Zum Beitrag von Deutschlandradio Kultur geht es hier entlang.

 

In der Box: Kartoffeldruckschrift

Donnerstag, 08. Oktober 2015
Aus rund 14,5 kg Kartoffeln hat NEW CAT ORANGE eine handgeschnittene, digitale Kartoffeldruckschrift gestaltet. Das entstandene Schriftenset ist in einer handlichen Box erhältlich.

Die Ursprungszeichen zu dieser Schrift sind nicht auf Papier geschibbelt oder am Computer entstanden, sondern wurden von Hand fein säuberlich aus Kartoffeln geschnitzt. Mit diesen echten Kartoffeldruckstempeln wurden die Zeichen ganz klassisch mehrfach auf Papier gedruckt, die besten ausgewählt und anschließend aufwändig digitalisiert.

So besteht das Schriftenset aus der NCO-Potatoe Clean, die feine, saubere, mit den typischen, markanten Schnitzkanten, aus der NCO-Potatoe Rough, mit den typischen Löchern und Unsauberkeiten und letztendlich der NCO-Potaoe Extra. Diese eignet sich u.a. dazu, um sie „unter“ die Rough zu legen und ihr einen anderen Tonwert zuzuordnen. Auf diese Weise entstehen typische Ränder, wie man sie vom Kartoffeldruck kennt. Ergänzend dazu gibt es die NCO-Potatoe-Symbols. Hierbei handelt es sich um komplett geschnitzte Begriffe und Symbole, inspiriert aus der Imbissbudenwelt: von der Ketchupflasche bis zur Pommesgabel und diversen Pfeilen.

In Erinnerung an die gute alte (analoge) Zeit gibt es das Schriftenset in einem kleinen Kistchen. Die Kartonage aus Buchbinderpappe wurde im Buchdruck vom Druckatelier Letterjazz produziert. Sie ist banderoliert und versiegelt mit ein Bierdeckel. Innendrin findet man eine CD mit den Schriften sowie ein A2 Poster und eine 16seitige Broschüre, beides im Offset gedruckt sowie einen weiteren Bierdeckel. Bis auf das Logo wurde alles mit den Mitteln der Schrift gestaltet und illustriert.

Die Font Box ist auf 111 Exemplare limitiert und kann für 49,50 Euro inkl MwSt. und Versand auf der Website zur Kartoffeldruckschrift erworben werden.