Archiv für den Monat September 2018

Georgien – ein Land mit einer turbulenten Vergangenheit

Sonntag, 30. September 2018

Georgien ist ein kleines Land an der Grenze zwischen Europa und Asien. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung der rund 3,7 Millionen Einwohner leben in der Hauptstadt Tiflis, in der auch eine wachsende Literaturszene aufblüht. Vor allem, weil Georgien das Gastland auf der Frankfurter Messe ist und Verlage eine Vielzahl von Neuerscheinungen veröffentlichen. Hinzu kommen viele Übersetzungen von Büchern in die deutsche Sprache. Die Romanklassiker, Reisereportagen und Lyriksammlungen erzählen von dem Herkunftsland und lassen einen neuen Blick auf Georgien zu. Zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse wurden hundert Neuübersetzungen veröffentlicht.

Ein kurzer Einblick in die Literaturgeschichte des Landes:

Das älteste erhaltene Buch ist eine Hagiographie mit dem Titel Martyrium der Heiligen Schuschanik und stammt aus dem 5. Jahrhundert. Da das Werk einen hohen Anspruch an Stil und sprachlicher Vollendung aufzeigt, geht man davon aus, dass Georgien bereits zu dieser Zeit eine literarische Tradition hatte. Trotz der zahlreichen Kriege sind mehr als 30.000 georgische Handschriften bis heute erhalten.

Ihre Blütezeit erlebt die georgische Literatur im 11. und 12. Jahrhundert, allerdings wurde erst 1709 in Georgien die erste Druckerei durch den König Wachtang VI. errichtet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine Strömung um die Gruppe Blaue Hörner, die vom Symbolismus beeinflusst wurde. Die Avantgarde konnte jedoch nicht lange ihre Werke an die Öffentlichkeit tragen. Durch die kommunistische Machtübernahme wurden die Mitglieder dieser Gruppe verfolgt und auch zum Tode gefoltert, wie etwa der Autor Tizian Tabidse (1893-1937). Das Land blieb nicht von weiteren Konfrontationen verschont. Georgien zählte einst zu den reichsten Ländern der Sowjetunion. Doch durch den Krieg in den 1990er Jahren entwickelte sich das Land zum ärmsten Mitglied der GUS. Menschen fürchteten um ihre Existenz und die Kriminalität nahm Überhand. Davon betroffen waren auch der Buchhandel und das Verlagswesen – man hatte Angst, dass das Buch aussterben könnte. Mit den Jahren konnte der Buchmarkt und das Land sich erfreulicherweise erholen. Dennoch ist die georgische Literatur in Europa weitestgehend unbekannt, was auch durch die wirtschaftliche Lage des Landes und die Sprache zu begründen ist.

„Jeder Bauer in Georgien hat Bücher, die er liest und liebt und auswendig kann. Die Georgier lieben Gedichte. Ich kann mich nicht erinnern, bei einem deutschen oder österreichischen Bauern prall gefüllte Bücherregale gesehen zu haben, mit Werken der Weltliteratur.“
Clemens Eich, österreichischer Schriftsteller, 1996

Namenhafte Gegenwartsautoren sind zum Beispiel Aka Mortschiladse, Dawit Turaschwii oder Nino Haratischwili. Nino Haratischwili wurde in Tiflis geboren und lebt heute als Autorin und Regisseurin in Hamburg. Mit ihrem Roman Die Katze und der General schaffte sie es auf die diesjährige Shortlist des Deutschen Buchpreises.

Reclam-Museum eröffnet in Leipzig

Dienstag, 25. September 2018

Am 24. Oktober 2018 wird in Leipzig das erste Reclam-Museum eröffnet, wie der Verein Literarisches Museum am Dienstag bekannt gab. Im Jahr 1828 wurde der Verlag von Anton Philipp Reclam in Leipzig gegründet – so ist es naheliegend, dass auch in dieser Stadt das Museum seinen Standort findet. Doch sollen nicht nur Ausstellungen das Museumwesen bestimmen, auch Lesungen und Gesprächsrunden sollen Teil des Programms werden. Besucher erwarten verschiedene Raritäten, wie etwa die Reclam-Bücherautomaten oder tragbare Feldbüchereien aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Das Reclam-Museum wird ebenfalls eine Bibliothek beinhalten, in der um die 10.000 Hefte der Leipziger und Stuttgarter Produktion seit 1867 ausgestellt werden.

Die Zukunft unserer Bibliotheken

Mittwoch, 19. September 2018

Die Ansprüche an neue Bibliotheken wachsen: unter dem Druck der Digitalisierung entwickeln sie sich stetig neben Lern- und Leseorten auch zu sozialen Treffpunkten. Barbara Lison, die Präsidentin des Dachverbands „Bibliothek und Information Deutschland“, stellt in einem Interview mit Deutschlandfunk fest, dass durch die Digitalisierung eine „Entmaterialisierung der Inhalte“ stattfände. Sie fordert ein neues Bibliotheksgesetz für Kommunen, das diese zu Unterhaltung von öffentlichen Bibliotheken verpflichtet. Bisher ist diese Entscheidung den Kommunen überlassen.

Doch wie sieht die Bibliothek der Zukunft aus? Darüber hat sich unter anderem der Bibliotheksbaumeister Max Dudler Gedanken gemacht. Bisher hat er sieben Bibliotheken entworfen, unter anderem auch die neue Universitätsbibliothek der Berliner Humboldt-Universität. Auch Dudler spricht davon, dass das Buch im Zuge der Digitalisierung mehr Beachtung geschenkt werden müsse und man diese Wichtigkeit auch schon in dem Gebäude selbst zum Ausdruck bringen kann, indem man es zum Beispiel erhöhe. So hat das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum in Berlin eine Überhöhung von 50 Meter.

Darüber hinaus sind Bibliotheken vermehrt zu sozialen Treffpunkten geworden. Die Humboldt-Universitätsbibliothek besuchen täglich etwa 7000 bis 9000 Menschen. Cafés, separate Räume, großzügige Lesesäle oder auch Medienzentren sorgen für besondere Raumerlebnisse. Vor allem der Lesesaal hat eine wichtige Funktion in einer Bibliothek, denn er hatte bereits in den alten Zentralbibliotheken einen repräsentativen Charakter. So hat auch Dudler sich bei seinen Bauten auf die Architektur der Antike, der Renaissance und der frühen Moderne bezogen. Er selbst möchte damit die Vergangenheit in die Zukunft transformieren.

Fest steht: Bibliotheken wird es auch in Zukunft noch geben. Waren Bibliotheken früher nur Privilegierten zur Wissensaneignung zugänglich, ist sie heute für Jedermann offen. Daher steht auch verstärkt der Mensch im Zentrum. Bibliotheken bestehen nicht nur mehr aus Büchersammlungen, die in pompösen Lesesälen vorzufinden sind, sondern sie sind Orte des Zusammenkommens, des Austauschs und des multimedialen Lernens und Lesens.

Lesungen in Marburg

Sonntag, 16. September 2018

Uhrzeit: 19:30 – 22:30 Uhr
Ort: Kaufhaus Ahrens
Eintritt: 10,00 € / erm. 8,00 €
Mitveranstalter: Kaufhaus Ahrens

Elisabeth Herrmann wurde 1959 in Marburg/Lahn geboren. Sie machte Abitur auf dem Frankfurter Abendgymnasium und arbeitete nach ihrem Studium als Fernsehjournalistin beim RBB, bevor sie mit ihrem Roman »Das Kindermädchen« ihren Durchbruch erlebte. Fast alle ihre Bücher wurden oder werden derzeit verfilmt: Die Reihe um den Berliner Anwalt Vernau sehr erfolgreich mit Jan Josef Liefers vom ZDF. Elisabeth Herrmann erhielt den Radio-Bremen-Krimipreis und den Deutschen Krimipreis 2012. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Zum Buch: Judith Kepler ist Tatortreinigerin. Sie wird gerufen, wenn der Tod Spuren hinterlässt, die niemand sonst beseitigen kann. In einem großen Berliner Bankhaus ist ein Mann in die Tiefe gestürzt. Unfall oder Selbstmord? Judith entdeckt Hinweise, die Zweifel wecken. Als sie die Polizei informiert, ahnt sie nicht, welche Lawine sie damit lostritt: Sie gerät ins Visier einer Gruppe von Verschwörern, die planen, die Bank zu hacken. Ihr Anführer ist Bastide Larcan, ein ebenso mächtiger wie geheimnisvoller Mann, der Judith zur Zusammenarbeit zwingt. Denn er kennt Details aus ihrer Vergangenheit, die für sie selbst bis heute im Dunklen liegen. Und in Judith keimt ein furchtbarer Verdacht – kann es sein, dass Larcan in die Ermordung ihres Vaters verstrickt war? Sie weiß, sie wird nicht ruhen, bis sie endlich die Wahrheit erfährt, was als Kind mit ihr wirklich geschah …

 

Uhrzeit: 17:00 – 20:00 Uhr
Ort: KFZ Marburg
Eintritt: 4,00 € (+ VVK-Geb.)
Mitveranstalter: KFZ Marburg / Kinder-& Jugendbuchhandlung Lesezeichen

Margit Ruile wurde 1967 in Augsburg geboren. Sie studierte an der Münchner Filmhochschule, wo sie nach ihrem Abschluss mehr als zehn Jahre in der Lehre tätig war, drehte Dokumentationen und arbeitete als Drehbuchlektorin.
Auch das Geschichtenerzählen lernte sie zuerst beim Film. Später fand sie dann heraus, dass Schreiben sich anfühlt, wie im Schneideraum zu sitzen – mit dem riesengroßen Vorteil, dass man die fehlenden Szenen nicht nachdrehen muss, sondern einfach erfinden kann. Margit Ruile lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in München.

Zum Buch: Chi sieht aus wie ein Kind. Blass und schmal. Die Züge so bleich. Die Haut zart und durchscheinend. Lange Wimpern an den Lidern der mandelförmigen Augen. Fast echt.
Denn Chi ist ein Roboter, an dessen Programmierung die 19jährige Celine während ihres Praktikums am Institut für neuronale Informatik mitarbeiten soll. Obwohl Celine weiß, dass Chi nur eine Maschine ist, baut sie eine Beziehung zu ihr auf. Aber als es zu ungeklärten Todesfällen am Institut kommt, ist klar, dass das Projekt gestoppt werden muss. Ein atmosphärischer Thriller über künstliche Intelligenz, computerdatenbasierte Zukunftsprognosenversehen mit einem Schuss Westworld.

Uhrzeit: 20:00 – 22:00 Uhr
Ort: Stadthalle Stadtallendorf
Eintritt: VVK 8,00 € / AK 10,00 €
Mitveranstalter: Stadt Stadtallendorf

Dietrich Faber wurde 1969 geboren. Bekannt wurde er als ein Teil des mehrfach preisgekrönten Kabarett-Duos FaberhaftGuth. Bereits sein erster Roman »Toter geht´s nicht« schaffte es auf Anhieb auf die Bestsellerliste. Seine Lesungen und Buchshows zu seinen Romanen um den wenig charismatischen Kommissar Bröhmann wurden zu Bühnenereignissen. Der Autor lebt mit seiner Familie in der Mittelhessenmetropole Gießen.

Zum Buch:  Wuthessen gegen Guthessen: Das gibt Tote!
Ex-Kommissar Henning Bröhmann ist mit Bekannten im Vogelsberg wandern, da erzählt ihm sein Vermieter Rüdi von seinem Engagement in der neuen Protestpartei »HESSEN ZUERST!«. Seit Rüdi arbeitslos wurde, hat er sich große Ziele gesetzt: unter anderem ein Landtagsmandat. Nun macht er Wahlkampf mit Slogans wie »Kartoffelworscht statt Döner« oder »Make Oberhessen great again«.
Henning wird schnell klar, dass diese neue Protestpartei nicht allein auf Wahlplakate und Sonntagsreden setzt. Die haben irgendwas vor mit dem Flüchtlingsheim im Ort! Und tatsächlich fließt bald Blut. Doch je genauer Henning hinschaut, desto rätselhafter wird das Bild. Kleinkriminelle Asylbewerber hier, eine unappetitliche Bürgerwehr dort, bei der auch ein alter Bekannter mitmischt. Und mittendrin eine unermüdliche Guthessin, die die weltweite Flüchtlingskrise alleine meistern will, und Hennings Mutter, deren Witwensitz in Flammen steht, seitdem bei der Aqua-Gymnastik der Blitz der Liebe eingeschlagen hat.
Ein so komischer wie ernstgemeinter Roman von Hessens Krimistar Dietrich Faber.

 

Uhrzeit: 20:00 – 22:00 Uhr
Ort: TTZ Marburg
Eintritt: 7,00 €
Mitveranstalter: Freundeskreis Frauen helfen Frauen e.V.

Katja Brandis ist das Pseudonym von Sylvia Englert. Sie wurde 1970 geboren und wuchs im Rhein-Main-Gebiet auf. Sie studierte Amerikanistik, Germanistik und Anglistik in Frankfurt. Während ihres Studiums trat sie dem Frankfurter Schriftstellerkreis bei. Unter ihrem richtigen Namen schrieb sie zudem zahlreiche Sachbücher. Als weiteres Pseudonym benutzt sie den Namen Siri Lindberg. Katja Brandis arbeitet als Journalistin und Autorin und lebt in München.

Benefizveranstaltung zugunsten des Freundeskreises Frauen helfen Frauen e.V.

Zum Buch: Gute Freunde, ein schönes Zuhause und den tollsten Jungen der Welt zum Freund: Nach Jahren der Angst ist Maja endlich glücklich. Bis zu dem Tag, als der Mann aus dem Gefängnis entlassen wird, der Majas Familie einst brutal terrorisiert hatte. Er schreckt auch jetzt vor nichts zurück. Die Familie muss untertauchen: neue Stadt, neue Identität, alles auf Null. Nicht mal zu Lorenzo, ihrem Freund, darf Maja, die nun Alissa heißt, Kontakt haben. Ein neuer Albtraum beginnt: Wie soll sie Freunde finden, wenn sie nur Lügen erzählen darf und schon das kleinste Partybild auf Facebook ihr Leben in Gefahr bringen kann? Und wie könnte sie Lorenzo je vergessen? Einsam, voller Wut und Sehnsucht trifft Maja eine verhängnisvolle Entscheidung…

 

Diese und weitere Veranstaltungen finden Sie auf der Internetseite www.stroeumungen.de, von der auch die Texte übernommen wurden.

Ihre Stimme zählt! 

Donnerstag, 13. September 2018

Wählen Sie jetzt den Gewinner des Börsenblatt-Young Excellence Award

Bereits seit fünf Jahren wird der Börsenblatt-Young-Excellence Award vom Börsenblatt in Kooperation mit dem Börsenverein, der Frankfurter Buchmesse, dem mediacampus frankfurt und der future!publish verliehen. Mit dem Preis werden „herausragende junge Macher und Macherinnen in der Buchbranche“ geehrt, die etwas durch ihre Arbeit bewegen. Die Nominierten dürfen dabei das Alter von 39 Jahren nicht überschreiten und sollten noch keinen Chefposten in einem Verlag oder einer Buchhandlung innehaben.

In den kommenden zwei Wochen können nun Sie bei der Wahl des Gewinners mitbestimmen. Die Auszeichnung erhält der- oder diejenige im Rahmen der Frankfurter Buchmesse. Dotiert ist der Börsenblatt-Young Excellence Award mit einem Bildungsgutschein in Höhe von 1.000€ für Fort- und Weiterbildungen auf dem mediacampus frankfurt. Außerdem bekommt der Gewinner eine Eintrittskarte für die future!publish 2019 inklusive Anreise und Hotelunterkunft.

Im Vorfeld wurden 10 Nominierte festgelegt, zwischen denen Sie nun abstimmen können.

 

Durch Lesen die Umwelt schützen

Samstag, 08. September 2018

Es gibt mittlerweile in vielen Städten die öffentlichen Bücherschränke. Das Prinzip ist ganz einfach: jeder kann ausgelesene Bücher hinbringen und sich dafür ein anderes herausnehmen. Egal ob Sachbücher, Romane oder Krimis – es ist häufig für jeden ein interessantes Buch dabei.

Wer zu Hause also Bücher vor dem Einstauben bewahren möchte, oder sogar vor dem Wegschmeißen, hat mit der Benutzung von Bücherschränken die Möglichkeit eine nachhaltige Entscheidung zu treffen. Damit tut man gleichzeitig etwas Gutes für die Umwelt. Zu mal viele gebrauchte Bücher auch zu schade für die Altpapiertonne sind.

Laut einer Studie, die von WWF veröffentlicht wurde, verbrauchen die Deutschen so viel Papier wie die Kontinente Afrika und Südamerika zusammen, wodurch auch kaum ein Land mehr Altpapier verbraucht als Deutschland. Lediglich China, die USA und Japan haben einen höheren Papierverbrauch als wir, der im Durchschnitt bei 250kg pro Person liegt. Aber selbst bei dem Pro-Kopf-Verbrauch toppen die Deutschen noch die Chinesen, die etwa 69kg Papier pro Person verbrauchen.

Manchmal sind die Bücherschränke in alten Telefonzellen untergebracht, aber auch in Vogelhäusern. Wer einen Bücherschrank in seiner Umgebung sucht, kann dies ganz einfach im Internet tun. In Marburg wurde der Bücherschrank durch das Projekt Kultur und Kulturen aufgestellt und steht im Damaschkeweg.

 

Bücherschrank in Hanau. Foto: Stefan Horn

Literarische Veranstaltungen in Frankfurt: September

Dienstag, 04. September 2018

Eine kleine Auswahl des literarischen Veranstaltungskalender in Frankfurt mit Lesungen, Vorträgen und vielem mehr….

6. – 16.9.: Goethe Festwoche 2018

„Goethe und die Musik“

Auch wenn Goethe nicht zu jenen Dichtern der klassisch-romantischen Epoche gehörte, die mit ihren theoretischen Äußerungen zur Entwicklung der Musikästhetik beigetragen haben: Goethe war ein intensiv und reflektiert Hörender, der in regem Kontakt zu Musikern seiner Zeit stand und mit diesen musikästhetische Fragen diskutierte. Die Veranstaltungen im Goethe-Haus zu Felix Mendelssohn Bartholdy, Carl Friedrich Zelter und Ludwig van Beethoven zeichnen diese Verbindungen nach. Als Dichter widmete sich Goethe immer wieder mit geradezu experimentellem Anspruch dem deutschen Singspiel und recherchierte dafür die verschiedenen Gattungen der italienischen und französischen Oper. Das Spektrum seiner eigenen Arbeiten reicht vom norddeutschen empfindsamen Singspiel (Erwin und Elmire) über die Opera buffa (Scherz, List und Rache) bis zum süddeutschen Singspiel mit Elementen des Wunderbaren: Der Zauberflöte Zweiter Theil. Goethes Traum, Wolfgang Amadeus Mozart oder zumindest einer der zeitgenössischen Wiener Singspielkomponisten möge eines dieser Libretti vertonen, blieb unerfüllt. Dafür schuf Johann André, der Offenbacher Komponist und Musikverleger, eine qualitativ hochwertige Singspielkomposition nach Erwin und Elmire, die anlässlich der Goethe-Festwoche in einer von Olaf Joksch arrangierten Version in Offenbach und Bad Homburg erklingt. Die Oper und das Schauspiel Frankfurt widmen sich Goethes Zauberflöten-Fragment mit einer literarisch-musikalischen Soirée. Der Einsatz von beschriebener Musik in Goethes Werken umfasst empfindsame Topoi im Werther – mit einem Helden, der seinen Gefühlen am Pianoforte Ausdruck verleiht – ebenso wie musikalische Evokationen in den Faust-Dramen. „Musik“ in Faust I und Faust II – das ist ein komplexes Geflecht aus Liedern, Melodramen, Chören und eher atmosphärisch oder signalhaft eingesetzten Klängen. Zudem gehört Faust I zu den meist-rezipierten Musiktheaterstoffen des 19. und 20. Jahrhunderts; die theatralen Projekte des Theater Willy Praml und des Studio Naxos tragen dem Rechnung. Goethe kann heute als der meistvertonte Dichter der Musikgeschichte gelten, seine Lyrik bildet den Vorwurf für mehr als 700 Kunstlieder. Überdies haben seine Werke viele große Orchester- und Opernkompositionen angeregt: Einige dieser Vertonungen werden in mehreren Liedprogrammen aufgeführt, andere werden ausschnittweise von Dieter Borchmeyer und Gerold Huber vorgestellt. Zwei Komponisten sind eigens im Auftrag der Goethe-Festwoche tätig geworden: Gordon Kampe mit einem Kammermusikwerk für die Eröffnung der Festwoche mit dem Ensemble Modern, in dem er die Besetzung von Beethovens Septett Es-Dur aufgreift und Patrick Bishay mit einem mehrteiligen Programm zum Thema „Goethe und Brentano“, das sowohl eine Installation mit Text und Musik als auch ein Liedprogramm umfasst – zu hören in Oestrich-Winkel. Ein Stadtspaziergang durch Wiesbaden und eine theatrale Wanderung von und mit Jugendlichen durch den Main-Taunus-Kreis folgen den historischen Spuren Goethes. Einige Formate der Goethe-Festwoche überführen das Festivalthema „Goethe und die Musik“ ins 21. Jahrhundert: Heinz Drügh und Studierende der Goethe-Universität zeigen den Dichter als Anreger für die Popkultur, der Poetry Slammer Dalibor Marković und der Darmstädter Förderverein Jazz katapultieren den „Kreis der Darmstädter Empfindsamen“ ins Heute, und die Junge Deutsche Philharmonie hat Poetry Slammerinnen und Slammer, Komponistinnen und Komponisten zu einem gemeinsamen Projekt eingeladen – aufgeführt wird es in Frankfurt und Hanau.

7.9., 19.30 Uhr: „Hanna Bekker vom Rath – Handelnde für Kunst und Künstler“

Buchpremiere zum 125. Geburtstag von Hanna Bekker vom Rath
Marian Stein-Steinfeld „Hanna Bekker vom Rath – Handelnde für Kunst und Künstler“
Ort: Frankfurter Bürgerstiftung im Holzhausenschlösschen
Eintritt : 12,- / 11,- / 10,- / 8,-

Die Beschreibung des Wirkens von Hanna Bekker vom Rath (1893-1983) geht von ihrem familiären und gesellschaftlichen Hintergrund aus. Sie folgt den Stationen ihrer persönlichen und künstlerischen Entwicklung sowie ihren Begegnungen in der Welt der Künste. Seit den Jahren wirtschaftlicher Not nach dem Ersten Weltkrieg über die Zeit der nationalsozialistischen Diktatur bis in die Dekaden nach der Befreiung setzte sie sich kontinuierlich ein für zeitgenössische Künstlerfreunde. In die Öffentlichkeit trat sie seit 1947, als sie das Frankfurter Kunstkabinett Hanna Bekker vom Rath gründete. Mit der Galerie setzte sie ihre Vermittlungsarbeit fort. Schon bald erweiterte sie ihr Betätigungsfeld über Deutschlands Grenzen hinaus. Als Botschafterin der Kunst stellte sie deutsche Künstler weltweit vor und brachte Vertreter internationaler Kunst nach Frankfurt. Das Museum Wiesbaden beherbergt heute einen großen Teil der Sammlung Hanna Bekker vom Rath. Es war der letzte Wille der Sammlerin und Vermittlerin, die Werke dem interessierten Publikum zugänglich zu machen. In einem Vortrag, der am 7. September 2018 um 19:30 Uhr im Holzhausenschlösschen stattfindet, gibt die Autorin Marian Stein-Steinfeld einen Einblick in die Biografie Hanna Bekker vom Raths, eine Neuerscheinung in der Reihe „Mäzene, Stifter, Stadtkultur“, herausgegeben von der Frankfurter Bürgerstiftung.

Begleitet von einer kleinen Ausstellung im Foyer.

7.9., 20 Uhr: Philosophisches Café

Catalin Dorian Florescu „Die Freiheit ist möglich“
Moderation und Gespräch: Ruthard Stäblein und Michael Hohmann
Ort: Romanfabrik
Eintritt: frei

Der in der Schweiz lebende und arbeitende Psychologe Catalin Dorian Florescu, geboren 1967 in Timisiora (Rumänien), hat ein Buch vorgelegt über die Freiheit in der Postmoderne (Die Freiheit ist möglich. Über Verantwortung, Lebenssinn und Glück in unserer Zeit, Residenz Verlag). Er kritisiert bekannte Philosophen unserer Zeit (Lyotard, Žižek), weil sie entweder mit ihren Ideen zur Leistungssteigerung oder zum reinen Denken aufrufen. Angesichts der digitalen Informationsflut und der dadurch ausgelösten Dauerspannung, die uns vom Gegenüber oder dem unmittelbaren Geschehen ablenken, plädiert er für feste Ideale und Glaubenssätze. Seine Kapitelüberschriften faßt er als Lehrsätze der Postmoderne, wie zum Beispiel „Du sollst dich nicht von anderen unterscheiden, auf dass du geliebt wirst“. Diese Sätze kritisiert er in der Folge und weist zum Schluß seines Buches darauf hin, daß Freiheit sowohl Erziehung als auch Verantwortung braucht.

17.9., 20 Uhr: Georgien – Neue Literatur einer alten Kultur

Mit Zaal Andronikashvili und Ruthard Stäblein
Ort: autorenbuchhandlung marx & co

Georgien, Ehrengast der Buchmesse 2018, erstreckt sich vom Kaukasus bis ans Schwarze Meer. Das mythologische Land der Kolchis ist Heimat der Medea und kann auf eine 1500-jährige Literaturgeschichte zurückblicken. Dennoch ist georgische Literatur hierzulande weitgehend unbekannt. Zu Recht? Ist es die kleine Literatur einer kleinen Nation oder doch Weltliteratur? Wie beeinflusst war die georgische Literatur von der russischen? Was bestimmt die Romane seit der Unabhängigkeit Georgiens 1991? Welche Gegenwartsromane machen in Tiflis Furore? Um über die spannendsten Neuerscheinungen zu diskutieren, haben wir den Literaturwissenschaftler Zaal Andronikashvili und den Moderator Ruthard Stäblein eingeladen, zwei herausragende Kenner der georgischen Literatur, Kultur und Politik. Besprochen werden unter anderem Archil Kikodzes Südelefant, Tamta Melaschwilis Abzählen und Nino Haratischwilis neuer Roman Die Katze und der General.

Dr. Zaal Andronikashvili studierte Germanistik, Geschichte und Archäologie in Georgien und Deutschland und beendete sein Studium mit der Dissertation über Die Erzeugung des dramatischen Textes, ein Beitrag zur Theorie des Sujets an der Universität Göttingen. Seit 2006 forscht er am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung (ZfL) in Berlin mit einem Arbeitsschwerpunkt zur Kulturgeschichte Georgiens, des Kaukasus, des Schwarzmeerraumes und der Sowjetunion.
Ruthard Stäblein studierte in Deutschland und Frankreich Germanistik, Romanistik, Komparatistik und Philosophie und beendete sein Studium mit einer Arbeit über Benjamin und Baudelaire an der Sorbonne. Seit 1998 ist er Redakteur für Literatur beim Hessischen Rundfunk und ist u.a. für eine Vielzahl an Hörbuchfassungen verantwortlich – zuletzt für Nino Haratischwilis neuen Roman Die Katze und der General.

23.9., 18 Uhr: Deutscher Buchpreis 2018

Die Autoren der Shortlist. Deutscher Buchpreis 2018
Moderation: Sandra Kegel (F.A.Z.), Alf Mentzer (hr2-kultur) und Insa Wilke (freie Kritikerin)
Ort: Literaturhaus Frankfurt im Schauspiel Frankfurt
Eintritt: 18,- / 12, (Karten ab 10.08. unter www.schauspielfrankfurt.de / Es gelten die dortigen Ermäßigungsberechtigungen.)

Die sechs nominierten Autoren für den Deutschen Buchpreis 2018 lesen in Frankfurt.
Kurz vor Eröffnung der Buchmesse wird in Frankfurt am Main der Roman des Jahres in deutscher Sprache gekürt. Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung stellvertretend für alle wichtigen literarischen Titel den besten Roman des Jahres aus. Aufgrund des Erfolgs dieser Veranstaltung und des Medien- und Publikumsinteresses in den letzten Jahren lesen die Autoren der Shortlist knapp drei Wochen vor der Verkündung des diesjährigen Preisträgers erstmals im Schauspiel Frankfurt. Am 11. September erfahren Sie, wer die sechs sind.

Eine gemeinsame Veranstaltung von Literaturhaus Frankfurt und Kulturamt Frankfurt am Main in Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt. Partner ist die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung. Medienpartner ist hr2-kultur. Zu hören sind die einzelnen Lesungen dort vom 01.10. bis 06.10 um 09.30 und 15.00 Uhr.

Die Texte, Informationen und weitere Veranstaltungen finden Sie hier.