Literarische Veranstaltungen in Frankfurt: November

Eine kleine Auswahl des literarischen Veranstaltungskalender in Frankfurt mit Lesungen, Vorträgen und vielem mehr….

1.11., 19 Uhr: Was ist Romantik? Der Roman des Freiherrn von Vieren

Prof. Dr. Markus Bernauer im Gespräch mit Dr. Konrad Heumann
Katharina Bach liest ausgewählte Auszüge aus dem Roman-Fragment
Ort: Frankfurter Goethe-Museum / Freies Deutsches Hochstift
Eintritt: 8,- / 4,-

„Vielleicht würde eine ganz neue Epoche der Wissenschaften und Künste beginnen, wenn die Symphilosophie und Sympoesie so allgemein und so innig würde, daß es nichts Seltenes mehr wäre, wenn mehrere sich gegenseitig ergänzende Naturen gemeinschaftliche Werke bildeten“, heißt es bei Schlegel im Athenäums-Fragment 125. Der Wunsch nach autonomer Abgrenzung geht also einher mit dem ebenso leidenschaftlichen Verlangen nach dem Du, dem es sich mitteilen kann. Der ‚Roman des Freiherrn von Vieren’ ist das Gemeinschaftswerk einer Dichtergruppe um E. T. A. Hoffmann, Adelbert von Chamisso, Karl Wilhelm Salice-Contessa und Friedrich de la Motte Fouqué. 1815 begonnen und Fragment geblieben, erzählt dieses amüsant-romantische Experiment die Geschichte des Malers Georg Haberland, der wie seine beiden Doppelgänger auf der Suche nach der idealen Mädchengestalt ist. Ein paar Jahre später veröffentlichte E.T.A. Hoffmann das von ihm zurückgezogene fünfte Kapitel des Viererromans als umgearbeitete eigenständige Erzählung ‚Die Doppelgänger’ und Karl Wilhelm Salice-Contessa seine Erzählung ‚Das Bild der Mutter.’ Der Berliner Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Markus Bernauer hat den fragmentarischen Text neu ediert und um zwei Novellen und ein Nachwort ergänzt, das die so spannende wie müßige Frage aufwirft: Was wäre wenn … Sein Gesprächspartner ist an diesem Abend Dr. Konrad Heumann, Leiter der Handschriften-Abteilung im Freien Deutschen Hochstift. Auszüge aus ‚Der Roman des Freiherrn von Vieren‘ werden von der Schauspielerin Katharina Bach vorgetragen.

„WAS IST ROMANTIK?“ – DIE NEUE GESPRÄCHSREIHE AM FREIEN DEUTSCHEN HOCHSTIFT
Was ist Romantik? Die auf den ersten Blick einfach anmutende Frage hat es in sich. Was gilt als „romantisch” in Kunst und Literatur, was als die „Epoche der Romantik”? Wergehört dazu? Wer nicht? Diesen Fragen geht die neue Reihe des Freien Deutschen Hochstifts in Vorträgen, Gesprächen und Lesungen nach. Dabei wird sich zunächst dem Phänomen von seinen Rändern herangenähert: In diesem Jahrstehen verschiedene „Grenzgängern“ im Fokus. Vor dem Hintergrund des derzeit entstehenden Deutschen Romantik-Museums wird die Veranstaltungsreihe in den nächsten Jahren mit wechselnden Schwerpunkten fortgesetzt.

4.11., 15 Uhr: „Edison“

Kinderbuch-Sonntag ab 4 Jahren
Torben Kuhlmann „Edison“
Ort: Literaturhaus Frankfurt
Eintritt: 5,-

Wer einmal ein Buch von Torben Kuhlmann aufgeblättert hat, der will es nicht mehr hergeben. Nach „Lindbergh“ und „Armstrong“ geht es in seinem neuen, prächtig illustrierten Mäuseabenteuer „Edison“ (Nord-Süd Verlag) tief hinunter ins Meer. Torben Kuhlmann verortet seine Geschichten in wahren Wunderwelten. Er verleiht einer kleinen Maus Ingenieursgeschick und Mut zu historischen Pioniertaten. Und das ist so spannend und rundum gelungen, dass man es gerne glauben will: Mäuse haben den Menschen doch etwas voraus. Torben Kuhlmann stellt „Edison“ in einer Lesung mit Bilderbuch-Kino vor und zeichnet für sein Publikum live.

Das Junge Literaturhaus wird unterstützt von der Cronstett- und Hynspergischen evangelischen Stiftung.

7.11., 20 Uhr: Lesung Anke Stelling

Anke Stelling: „Schäfchen im Trockenen“
Moderation: Björn Jager
Ort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 8,- / 7,- / 5,- / 4,-

„Nur ganz zart“ habe sie die Klassenfrage bisher angerissen, meinte Anke Stelling vor drei Jahren gegenüber der taz. „Ich glaube“, fügte sie an, „ich muss sie noch einmal brachialer stellen“. Gesagt, getan: „Schäfchen im Trockenen“ handelt von der Illusion sozialer Aufstiege, von der Erfahrung, dass die eigene Herkunft einen langen Schatten wirft. So erscheint es der Schriftstellerin Resi, die mehr schlecht als recht über die Runden kommt. Zu allem Überfluss wird die Wohnung, in der sie mit ihrer Familie lebt, gekündigt. Der Hauptmieter, einst enger Freund, will die Familie heraushaben. Resis alte Clique – Linke wie sie, aber aus gutem Hause – bricht den Kontakt ab: Man lebt in einem Gemeinschaftshaus im Prenzlauer Berg und ist beleidigt. Denn Resi hat über das Projekt, an dem sie sich nicht beteiligen wollte, geschrieben, zuerst nur in einem Zeitungsartikel, dann aber auch in einem „bösen Buch“. Während die einen eine vanillefarbene Fassade und begehbare Kleiderschränke haben, müssen die anderen schauen, wo sie in Zukunft bleiben.
Nachdem sie in „Bodentiefe Fenster“ ein Berliner Hausprojekt und das entsprechende Milieu aus einer Binnenperspektive sezierte, wählt Anke Stelling in ihrem neuen Roman den Blick einer Ausgeschlossenen, die glaubte, dazuzugehören. Das so ins Spiel kommende soziale Gefälle eröffnet bittere Einsichten, denen Resi nur mit ebenso bitterem Humor begegnen kann.

Anke Stelling, geboren 1971, aufgewachsen in Stuttgart, ging mit dem Abitur in der Tasche nach Berlin, wo sie, unterbrochen von einem erfolgreichen Intermezzo am Leipziger Literaturinstitut, lebt und als freie Autorin arbeitet. 2004 wurde ihr gemeinsam mit Robby Dannenberg verfasster Roman „Gisela“ verfilmt, 2010 die Erzählung „Glückliche Fügung“. Ihr Roman „Bodentiefe Fenster“ (2015) stand sowohl auf der Longlist des Deutschen Buchpreises als auch auf der Hotlist der unabhängigen Verlage und wurde mit dem Melusine-Huss-Preis ausgezeichnet.

14.11., 20 Uhr: Neue Gedichte aus Dänemark

Hier habt ihr mich. Neue Gedichte aus Dänemark
Mit Sten Kaalø, Cecilie Lind und Rasmus Nikolajsen
Moderation (dän./dt.): Sarah Fengler & Justus Karl
Ort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 8,- / 7,- / 5,- / 4,-

Wie viele dänische Lyrikerinnen und Lyriker kennen Sie? Nicht ganz so viele? Dann sollte sich das ändern! Dänische Gegenwartslyrik dem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen, das haben sich nämlich sieben Frankfurter Studentinnen und Studenten der Skandinavistik auf die Fahne geschrieben. Unter dem Titel Hier habt ihr mich präsentieren sie eine von ihnen selbst übersetzte und bei der Parasitenpresse erschienene zweisprachige Anthologie, die Gedichte von zehn Dichter*innen aus Dänemark versammelt. Drei von ihnen – Sten Kaalø, Cecilie Lind und Rasmus Nikolajsen – sind an diesem Abend zu Gast, um aus ihren Texten zu lesen und über sie zu sprechen.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Skandinavistik der Goethe-Universität Frankfurt und mit freundlicher Unterstützung des Statens Kunstfond

 

24.11., 20 Uhr: 100 Jahre „Betrachtungen eines Unpolitischen“ von Thomas Mann

Es diskutieren die Thomas-Mann-Kennerin Irmela von der Lühe und der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert
Lesung: Matthias Brandt
Moderation: Insa Wilke
Ort: Schauspiel Frankfurt
Eintritt: 30,- / 22,- / 16,-

„Denn so war die Zeit geartet, daß kein Unterschied mehr kenntlich war zwischen dem, was den einzelnen anging und nicht anging, alles war aufgeregt, aufgewühlt, die Probleme brausten ineinander und waren nicht mehr zu trennen“, schrieb Thomas Mann 1918 in seiner Vorrede zu seinem umstrittensten Werk: dem Essay „Betrachtungen eines Unpolitischen“. Die „Frage des Menschen selbst stand da“, meinte Mann im Rückblick auf die Zeit des Ersten Weltkriegs. Heute, hundert Jahre später, scheint sich dieses Zeitgefühl zu wiederholen und erneut werden politische Stellungnahmen und Willensentschließungen von verschiedenen Seiten gefordert. Wie lässt sich vor diesem Hintergrund über Thomas Manns Betrachtungen sprechen? Welche Vorstellung von Deutschland und Europa wird hier entworfen? Und was lässt sich im Jahr 2018 lernen aus seinem „Gedankendienst“ im Ersten Weltkrieg? Diese Fragen diskutieren die Thomas-Mann-Kennerin und Erika-Mann-Biographin Irmela von der Lühe und der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert. Nicht zuletzt soll es aber auch darum gehen, diesen wichtigen, viel gescholtenen und im Wortsinne fragwürdigen Text im Werk von Thomas Mann zu verorten und neu lesbar zu machen.

Eine Veranstaltung von YOUROPEAN in Kooperation mit dem Schauspiel Frankfurt, hr2 kultur und dem S. Fischer Verlag.

30.11., 20 Uhr: 15 Jahre kookbooks

Mit Yevgeniy Breyger, Martina Hefter, Hendrik Jackson, Tristan Marquardt, Rike Scheffler, Daniela Seel, Farhad Showghi und Uljana Wolf
Moderation: Michael Braun
Ort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm
Eintritt: 8,- / 7,- / 5,- / 4,-

Lasst die Sektkorken knallen: kookbooks feiert seinen 15. Geburtstag. Während der eine oder die andere in diesem Alter zum ersten Mal abstürzt, setzt der von Daniela Seel gegründete und geführte Independent-Verlag mit traumwandlerischer Sicherheit fort, was ihn seit jeher auszeichnet: avancierte Lyrik zu entdecken und ästhetisch ansprechend herauszugeben. Denn wenn es um deutsche Gegenwartslyrik geht, kommt man an diesem Verlag schon seit Langem nicht mehr vorbei. Wenn das kein guter Grund zum Anstoßen ist! Mit Yevgeniy Breyger, Martina Hefter, Hendrik Jackson, Tristan Marquardt, Rike Scheffler, Daniela Seel, Farhad Showghi und Uljana Wolf ist kookbooks gleich in Mannschaftsstärke zu Gast bei uns. Nichts, wirklich nichts steht einer langen Nacht der Lyrik mehr im Wege.

Die Texte, Informationen und weitere Veranstaltungen finden Sie hier.

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