Georgien – ein Land mit einer turbulenten Vergangenheit

Georgien ist ein kleines Land an der Grenze zwischen Europa und Asien. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung der rund 3,7 Millionen Einwohner leben in der Hauptstadt Tiflis, in der auch eine wachsende Literaturszene aufblüht. Vor allem, weil Georgien das Gastland auf der Frankfurter Messe ist und Verlage eine Vielzahl von Neuerscheinungen veröffentlichen. Hinzu kommen viele Übersetzungen von Büchern in die deutsche Sprache. Die Romanklassiker, Reisereportagen und Lyriksammlungen erzählen von dem Herkunftsland und lassen einen neuen Blick auf Georgien zu. Zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse wurden hundert Neuübersetzungen veröffentlicht.

Ein kurzer Einblick in die Literaturgeschichte des Landes:

Das älteste erhaltene Buch ist eine Hagiographie mit dem Titel Martyrium der Heiligen Schuschanik und stammt aus dem 5. Jahrhundert. Da das Werk einen hohen Anspruch an Stil und sprachlicher Vollendung aufzeigt, geht man davon aus, dass Georgien bereits zu dieser Zeit eine literarische Tradition hatte. Trotz der zahlreichen Kriege sind mehr als 30.000 georgische Handschriften bis heute erhalten.

Ihre Blütezeit erlebt die georgische Literatur im 11. und 12. Jahrhundert, allerdings wurde erst 1709 in Georgien die erste Druckerei durch den König Wachtang VI. errichtet.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte sich eine Strömung um die Gruppe Blaue Hörner, die vom Symbolismus beeinflusst wurde. Die Avantgarde konnte jedoch nicht lange ihre Werke an die Öffentlichkeit tragen. Durch die kommunistische Machtübernahme wurden die Mitglieder dieser Gruppe verfolgt und auch zum Tode gefoltert, wie etwa der Autor Tizian Tabidse (1893-1937). Das Land blieb nicht von weiteren Konfrontationen verschont. Georgien zählte einst zu den reichsten Ländern der Sowjetunion. Doch durch den Krieg in den 1990er Jahren entwickelte sich das Land zum ärmsten Mitglied der GUS. Menschen fürchteten um ihre Existenz und die Kriminalität nahm Überhand. Davon betroffen waren auch der Buchhandel und das Verlagswesen – man hatte Angst, dass das Buch aussterben könnte. Mit den Jahren konnte der Buchmarkt und das Land sich erfreulicherweise erholen. Dennoch ist die georgische Literatur in Europa weitestgehend unbekannt, was auch durch die wirtschaftliche Lage des Landes und die Sprache zu begründen ist.

„Jeder Bauer in Georgien hat Bücher, die er liest und liebt und auswendig kann. Die Georgier lieben Gedichte. Ich kann mich nicht erinnern, bei einem deutschen oder österreichischen Bauern prall gefüllte Bücherregale gesehen zu haben, mit Werken der Weltliteratur.“
Clemens Eich, österreichischer Schriftsteller, 1996

Namenhafte Gegenwartsautoren sind zum Beispiel Aka Mortschiladse, Dawit Turaschwii oder Nino Haratischwili. Nino Haratischwili wurde in Tiflis geboren und lebt heute als Autorin und Regisseurin in Hamburg. Mit ihrem Roman Die Katze und der General schaffte sie es auf die diesjährige Shortlist des Deutschen Buchpreises.

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