Steinmeier eröffnet Thomas-Mann-Haus in Kalifornien

Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist nach Los Angeles gereist, um dort das Thomas-Mann-Haus zu eröffnen, in dem der Schriftsteller Thomas Mann während des NS-Regimes im Exil lebte. Die Villa soll ein Zentrum des Dialogs werden. Mann bezog die Villa im Jahr 1942 und damals schon wurde sie zum Treffpunkt vieler Intellektueller, wie der Philosoph Theodor Ardorno, der Wissenschaftler Albert Einstein und der Schriftsteller Bertolt Brecht.

Thomas Mann als Schriftsteller

Thomas Mann wurde 1875 in Lübeck geboren und zählt zu den bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Sein erster Roman Buddenbrooks erschien im Jahr 1901 und erzählt von dem Verfall einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, der sich über vier Generationen hinweg vollzieht.
1929 erhält mann für seinen ersten Roman den Literaturnobelpreis. Es folgen weitere Novellen und Erzählungen wie Tristan, Der Zauberberg oder Doktor Faustus.
Neben dem Veröffentlichen von Büchern, beschäftigt sich Thomas Mann auch mit aktuellen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Er war ein überzeugter Verteidiger der Weimarer Republik und emigrierte bereits 1933 in die Schweiz, bevor er 1938 in die USA floh.

„Appell an die Vernunft“

Mann beobachtete den Stimmenzuwachs der NSDAP bei der Reichtagswahl 1930 mit Skepsis. Seine Rede Appell an die Vernunft vom 17. Oktober 1930 in Berlin ging als „Deutsche Ansprache“ in die Geschichte ein. Er nannte den Nationalsozialismus „eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit“ mit „Massenkrampf, Budengeläut, Halleluja und derwischmäßigem Wiederholen monotoner Schlagworte, bis alles Schaum vor dem Munde hat“. Er fragte, ob das deutsch sei und ob „das Wunschbild einer primitiven, blutreinen, herzens- und verstandesschlichten, hackenzusammenschlagenden, blauäugig gehorsamen und strammen Biederkeit, diese vollkommene nationale Simplizität in einem reifen, vielerfahrenen Kulturvolk wie dem deutschen“ überhaupt verwirklicht werden könne. Thomas Mann gilt als einer der wichtigsten prominenten Gegnern des Nationalsozialismus.

Auch im Exil kämpfte er, als späterer Freund der Demokratie, weiter für eine demokratische Gesellschaft, gegen das von Adolf Hitler verbreitete Gedankengut und für die Erhaltung der deutschen Kulturnation.
Nachdem er im Jahr 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, kehrte er 1952 in die Schweiz zurück, wo er 1955 verstarb.

Thomas-Mann-Haus als Begegnungsstätte

Im Jahr 2016 kaufte die Bundesregierung das Haus und rettete es damit vor dem womöglichen Abriss. Für Steinmeier soll es ein alternatives Weißes Haus sein, in dem vorausgedacht und diskutiert wird. In ihm werden Fellows wohnen und arbeiten, die das Haus zu einer Begegnungsstätte werden lassen sollen. Die ersten vier sind der Schauspieler Burghart Klaussner, der Literaturwissenschaftler und große Thomas-Mann-Kenner Heinrich Detering, die Soziologin Jutta Allmendinger und ein Professor für Mikroelektronik namens Yiannos Manoli.

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