Archiv für den Monat August 2017

Literarische Veranstaltungen in Frankfurt: September

Montag, 28. August 2017

Eine kleine Auswahl des literarischen Veranstaltungskalender aus Frankfurt mit Lesungen, Vorträgen und vielem mehr….

5.9., 19.30 Uhr: Buchpremiere Mirko Bonné

Buchpremiere
Moderation: Henning Ahrens
Ort: Literaturhaus Frankfurt
Eintritt: 7,- / 4,-

Mirko Bonné hat beachtete Romane wie „Nie mehr Nacht“, der auf der Shortlist zum Deutschen Buchpreis 2013 stand, Gedichte wie die aus dem Band „Traklpark“ oder auch Essays und Reiseberichte wie in „Ausflug mit Zerberus“ verfasst. Er ist als Übersetzer tätig und übertrug keine geringeren Poeten als Creeley, Dickensen, Yeats. Eine Verwandtschaftlichkeit mit seinem Gesprächspartner für diesen Abend, dem Lyriker, Übersetzer und Romancier Henning Ahrens. Mit ihm spricht Bonné über seinen neuen Roman „Lichter als der Tag“ (Schöffling & Co.). Ein Roman der Liebe, in dem er das Wahlverwandtschaften-Thema überträgt in die heutige Zeit. Bonné fragt nach Gründen von Entzweiung und Entfremdung und zeichnet dabei das Porträt eines Mannes, der die Kraft findet, aus dem Schatten über seinem Dasein hinauszutreten.

7.9., 20 Uhr: „Den Koffer trag ich selber. Erinnerungen“

Buchpremiere
Eva Demski 
Moderation: Björn Jager
Ort: Studio 1 im Mousonturm
Eintritt: 10,- / 6,- (Der Vorverkauf läuft über den Mousonturm)

„Der Tod war für uns Kinder ein guter Bekannter“ heißt es an einer Stelle in Eva Demskis Erinnerungen. Und es hätte schlechtere Entscheidungen geben können als jene, ausgerechnet ihn in den Kreis der Vertrauten aufzunehmen: Im Laufe ihres Lebens kreuzt der Tod den Weg der Autorin mit Regelmäßigkeit und wird zum roten Faden. Eva Demski schreibt vom Sterben ihrer Eltern, ihres Mannes, von Abschieden von Freunden und Wegbegleitern, berührend und mit der ihr eigenen spöttischen Zärtlichkeit. Am Ende hält man ein Totenbuch in der Hand, das gleichzeitig viel mehr als das ist, nämlich eine Chronik der letzten siebzig Jahre zwischen Kriegsende, dem Deutschen Herbst und der Wiedervereinigung bis hinein in eine Gegenwart, in der sie sich alle tummeln, die Geister eines ganzen Lebens.

Eva Demski, geb. 1944 in Regensburg, lebt seit 1977 in Frankfurt und arbeitet dort als freie Schriftstellerin. Für ihre Arbeit wurde sie vielfach ausgezeichnet, u.a. mit der Goetheplakette des Landes Hessen, dem Kulturpreis Regensburg sowie beim Bachmannwettbewerb. Neben zahlreichen Romanen hat sie immer wieder Essaybände veröffentlicht.

12.9., 20 Uhr: Francfort en francais – Frankfurt auf Französisch

Noëlle Revaz „Das unendliche Buch“
Ort: Romanfabrik
Eintritt: 7,- / 4,-

Die Schweizer Autorin Noëlle Revaz begibt sich in ihrem jüngsten Roman in den Medien- und Literaturzirkus. Der Hauptakteur ist allerdings das Fernsehen mit seinen Öffentlichkeit und Privatheit suggerierenden Gesprächsrunden, die dennoch nur vorgegebene Klischees von Schauspielern und Romanciers abbilden. Nun entwickelt sich dank der Nebenrollen, die von zwei attraktiven Schriftstellerinnen besetzt sind, eine burleske Komödie. Jenna Fortuni und Joanna Fortaggi galten schon als Zwillingsautorinnen, bis die Idee umgesetzt wurde, aus beiden eine fiktive Schriftstellerin namens Joanna Fortunaggi zu schaffen. Ihr gemeinsamer Roman schließlich wird aus Algorithmen automatisch generiert. Eine groteske Aussicht in die nahe Zukunft.

Für ihren dritten Roman „Das unendliche Buch“ (Wallstein Verlag, Orig. ‚L’infini livre’) erhielt sie 2015 den Schweizer Literaturpreis. Lesung in deutscher und französischer Sprache.

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia.

13.9., 19.30 Uhr: Lesung Ingo Schulze

„Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst“
Moderation: Alf Mentzer (hr2-kultur)
Ort: Literaturhaus Frankfurt
Eintritt: 9,- / 6,-

Das ist womöglich bekannt von diesem Autor: 1962 in Dresden geboren. In Berlin wohnhaft. Klassische Philologie superklassisch in Jena studiert. Zunächst auch Schauspieldramaturg und Zeitungsredakteur. Das erste Buch „33 Augenblicke des Glücks“. Das zweite ein Riesenerfolg, „Simple Storys“ aus dem Jahr 1995. Heute Schullektüre. Dann das Großwerk „Neue Leben“. Folgend Erzählungen, Essays, Romane. Vieles in 30 Sprachen übersetzt. Jetzt kommt mit „Peter Holtz“ eine neue Romanfigur in die deutsche Literatur. Der S. Fischer Verlag verlegt sie. Ingo Schulze hat sie erfunden. Holtz will das Glück für alle. Schon als Kind praktiziert er die Abschaffung des Geldes, er findet den Punk aus dem Geist des Arbeiterliedes und bekehrt sich zum Christentum. Als CDU-Mitglied (Ost) kämpft er für eine christlich-kommunistische Demokratie. Doch er wundert sich: Der Lauf der Welt widerspricht aller Logik. Seine Selbstlosigkeit belohnt die Marktwirtschaft mit Reichtum. Es moderiert der hr2-kultur-Redakteur Alf Mentzer.

Der Abend wird unterstützt vom Journal Frankfurt.

20.9., 21 Uhr: Lesung Édouard Louis

„Im Herzen der Gewalt“
Moderation, Übersetzung und Lesung der dt. Texte: Hinrich Schmidt-Henkel
Ort: Studio 1 im Mousonturm
Eintritt: 10,- / 5,- (Der Vorverkauf läuft über den Mousonturm)

Auf dem Rückweg von einer Weihnachtsfeier wird Édouard Louis vor seiner Wohnung von Reda angesprochen. Er fühlt sich zu dem jungen Mann hingezogen und verbringt die Nacht mit ihm. Was ein harmloser Flirt hätte sein können, mündet jedoch in einen Albtraum: Édouard wird von Reda überfallen und vergewaltigt. Gleich mehrfach gebrochen erzählt Édouard Louis in seinem zweiten, autobiographischen Roman von der Gewalt, die in dieser Nacht über ihn hereinbricht. Er rekapituliert Gespräche mit Ärzten und der Polizei, mit seinen Freunden, seiner Schwester, kommentiert deren Reaktionen, um das Geschehene selbst einordnen zu können. Wie schon in seinem Weltbestseller Das Ende von Eddy geht er dabei weit über die bloße Wiedergabe des persönlich Erlebten hinaus. Anhand der eigenen Biographie schildert er vielmehr die sichtbare und unsichtbare Gewalt in der von tiefen Gräben durchzogenen französischen Gesellschaft.

Édouard Louis wurde 1992 im französischen Hallencourt geboren. Sein erster autobiographischer Roman Das Ende von Eddy thematisiert seine Jugend als Homosexueller in der rechtskonservativen Provinz und wurde ein Bestseller. Gemeinsam mit Didier Eribon gehört er zu den meistgefragten Kommentatoren der französischen Politik.

In Kooperation mit dem S. Fischer Verlag und mit freundlicher Unterstützung des Institut Français Frankfurt.

23.9., 18 Uhr: Deutscher Buchpreis 2017

Die Autoren der Shortlist – Deutscher Buchpreis 2017
Moderation: Sandra Kegel (F.A.Z.), Gert Scobel (3sat) und Alf Mentzer (hr2-kultur)
Ort: Literaturhaus Frankfurt
Eintritt: 12,- / 8,- (Karten ab 15.09., 14.00 Uhr unter www.literaturhaus-frankfurt.de)

Die sechs nominierten Autoren für den Deutschen Buchpreis 2017 lesen im Literaturhaus Frankfurt: Kurz vor Eröffnung der Buchmesse wird in Frankfurt am Main der Roman des Jahres in deutscher Sprache gekürt. Mit dem Deutschen Buchpreis zeichnet die Börsenverein des Deutschen Buchhandels Stiftung einen Roman stellvertretend für alle wichtigen Romane des Jahres aus. Eine Auszeichnung, die Aufmerksamkeit schafft für deutschsprachige Autoren über alle Grenzen hinweg. Knapp drei Wochen vor der Verkündung des diesjährigen Preisträgers lesen einmalig die sechs Autoren der Shortlist gemeinsam im Literaturhaus Frankfurt. Welche es in diesem Jahr sind, wird am 12.09. um 10.00 Uhr bekannt gegeben.

Eine Kooperation des Kulturamtes Frankfurt am Main und des Literaturhauses Frankfurt. Partner ist der Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Medienpartner ist hr2-kultur. Zu hören sind die einzelnen Lesungen dort vom 02.10. bis 07.10 um 09.30 und 15.00 Uhr.

 

Die Texte, Informationen und weitere Veranstaltungen finden Sie hier.

Marburger Krimifestival 2017

Sonntag, 20. August 2017

Es ist wieder so weit! Vom 8. September bis zum 6. Oktober findet in Marburg das Krimifestival statt. Die kleine Stadt wird zum Zentrum für Schriftsteller und Drehbuchautoren, die etwas zu dem literarischen Thema „Mord und Totschlag“ beitragen.
Es werden sowohl Lesungen für Erwachsene, als auch für Kinder angeboten.

Betreut wird das Krimifestival von Mariella Terzo (Terzo PR) und Manfred Paulsen (Kulturelle Aktion Marburg – Strömungen e.V.) sowie von dem Schriftsteller und Drehbuchautoren Friedrich Ani. Der Münchner wird ebenfalls das Festival mit einer Lesung eröffnen.

Das Programm und alle weiteren Informationen finden Sie hier.

Die Nominierten für den Deutschen Buchpreis stehen fest

Mittwoch, 16. August 2017

Die siebenköpfige Jury hat sich entschieden: insgesamt 20 Autoren und Autorinnen können sich auf die Chance freuen, den Deutschen Buchpreis zu erhalten. Mit dem Deutschen Buchpreis wird seit 2005 der beste deutschsprachige Roman des Jahres gekürt. Vergeben wird der Preis vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Der Sieger wird am Vorabend der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben.

Nach der Longlist mit den 20 Nominierten folgt noch die Shortlist, die auf sechs Titel reduziert wird. Doch hier erstmal die Auserwählten der Longlist, auch für diejenigen, die eventuell noch eine schöne Lektüre für den Sommer suchen:

▪Mirko Bonné: Lichter als der Tag (Schöffling & Co., Juli 2017)

▪Gerhard Falkner: Romeo oder Julia (Berlin Verlag, September 2017)

▪Franzobel: Das Floß der Medusa (Paul Zsolnay, Januar 2017)

▪Monika Helfer: Schau mich an, wenn ich mit dir rede! (Jung und Jung, März 2017)

▪Christoph Höhtker: Das Jahr der Frauen (Weissbooks, August 2017)

▪Thomas Lehr: Schlafende Sonne (Carl Hanser, August 2017)

▪Jonas Lüscher: Kraft (C.H. Beck, März 2017)

▪Robert Menasse: Die Hauptstadt (Suhrkamp, September 2017)

▪Birgit Müller-Wieland: Flugschnee (Otto Müller, Februar 2017)

▪Jakob Nolte: Schreckliche Gewalten (Matthes & Seitz Berlin, März 2017)

▪Marion Poschmann: Die Kieferninseln (Suhrkamp, September 2017)

▪Kerstin Preiwuß: Nach Onkalo (Berlin Verlag, März 2017)

▪Robert Prosser: Phantome (Ullstein fünf, September 2017)

▪Sven Regener: Wiener Straße (Galiani Berlin, September 2017)

▪Sasha Marianna Salzmann: Außer sich (Suhrkamp, September 2017)

▪Ingo Schulze: Peter Holtz (S. Fischer, September 2017)

▪Michael Wildenhain: Das Singen der Sirenen (Klett-Cotta, September 2017)

▪Julia Wolf: Walter Nowak bleibt liegen (Frankfurter Verlagsanstalt, März 2017)

▪Christine Wunnicke: Katie (Berenberg, März 2017)

▪Feridun Zaimoglu: Evangelio (Kiepenheuer & Witsch, März 2017)

„Buch und Buchhandel in Zahlen 2017“: Zahlen, Fakten und Analysen zum deutschen Buchmarkt

Montag, 14. August 2017

Wer sich für den Wandel und die Entwicklung des deutschen Buchhandels interessiert, kann seit dem 3. August das entsprechende Nachschlagewerk  „Buch und Buchhandel in Zahlen“ (BuBiZ) erwerben. Auf insgesamt 156 Seiten, inklusive 100 Tabellen und Diagrammen, präsentiert das Werk Daten und Fakten zur Titelproduktion, dem Lizenzgeschäft und dem Außenhandel sowie zum E-Book-Markt. Außerdem dokumentiert das Kompendium aktuelle Erkenntnisse über Buchleser und -käufer.

Herausgegeben werden die Zahlen zur Buchbranche vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels und es ist als gedrucktes Buch und als E-Book im PDF-Format erhältlich.

Buch und Buchhandel in Zahlen 2017, Herausgeber: Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V., Frankfurt am Main 2017, 156 Seiten, ISBN Print: 978-3-7657-3304-8, E-Book (PDF): 978-3-7657-3305-5 / Preis: je 39,50 Euro (brutto, zzgl. Versand).

Ingo Schulze gewinnt den Rheingau Literatur Preis 2017

Donnerstag, 10. August 2017

Im Rahmen des Rheingau Literatur Festivals wird seit 1994 der Rheingau Literatur Preis verliehen. Dieses Jahr konnte der Autor Ingo Schulze mit dem Roman „Peter Holtz. Sein glückliches Leben erzählt von ihm selbst.“ die Jury überzeugen: „Er schreibt mit kühlem Blick für die Komiken und Absurditäten der menschlichen Existenz. Er berichtet mit bestechender Genauigkeit und in unterschiedlicher Manier vorwiegend von einfachen Leuten, so dass jeder von ihnen einen Sonderweg zu gehen scheint. Mit Peter Holtz, dem hartnäckig-einfältigen Helden seines neuen Romans, schickt er einen Schelm auf Ost- und West-Passage, durch jäh wechselnde Zeiten, durch die Landeskunde der Ideologien.“ Die Preisverleihung findet am 24. September auf Burg Schwarzenstein in Geisenheim-Johannisberg statt. Dotiert ist der Preis mit 11.111€ und 111 Flaschen Rheingauer Riesling.

Es ist nicht das erste Mal, dass Ingo Schulze etwas zu feiern hat. Der gebürtige Dresdner hat bereits internationale Preise gewonnen und Werke von ihm wurden in 30 Sprachen übersetzt. Sein neuester Roman handelt von dem Protagonisten Peter Holtz, der als Kind für die Abschaffung von Geld und später für eine christlich-kommunistische Demokratie kämpft – und das, obwohl er inzwischen zum Millionär geworden ist. Das Buch wird im September erscheinen.

FAZ: Krimibestenliste im August

Montag, 07. August 2017

Die FAZ hat gemeinsam mit Deutschlandfunk Kultur eine Krimibestenliste für den August zusammengestellt. Das Ergebnis ist eine Auflistung von 10 Büchern, die nicht nur aus Deutschland kommen:

 

1. Zoë Beck – Die Lieferantin

London, Edinburgh, nahe Zukunft. Die Regierung will den Drexit, Null Toleranz für Drogen. Die Lieferantin ist dagegen. Sie versendet Stoff wie aus der Apotheke, geschickt per Drohne. Doch der saubere Trip für autonome Menschen stört das althergebrachte Machtgefüge. Und schon wird die Lieferantin gejagt..
Suhrkamp, 326 Seiten, 14,95 Euro.

2. Antonin Varenne – Die Treibjagd

Limousin. Zwei Außenseiter gegen die beiden herrschenden Familien einer sterbenden Region: der verküppelte Revierjäger Rémi, und die gefallen Dorfschöne Michèle. Schlägereien, tote Förster, aufbrodelnde Gewalt. Als Western inszeniert, wilde Natur, archaische Triebe im Kern- und Hinterland Frankreichs.
Aus dem Französischen von Susanne Röckel. Penguin, 304 Seiten, 10 Euro.

3. Larry Brown – Fay 

Oxford, Biloxi. Die 17-jährige Fay ist aus einem Loch von Elternhaus abgehauen, sucht Zuneigung, Schutz, Liebe. Und findet Männer, gute väterliche, und weniger gute. Country-Noir-Variante der Endstation Sehnsucht: Tumbe Törin lernt Südstaaten. Späte Entdeckung eines starken Autors.
Aus dem Englischen von Thomas Gunkel.Heyne, 656 Seiten, 24 Euro.

4. George Pelecanos – Hard Revolution

Washington, D.C. 1968. Als Kinder spielten sie in den Armenvierteln DCs, Rasse hatte kaum Bedeutung. Sie schwärmten für Autos, Musik, Freiheit. Mit dem Krieg wurden sie groß. Jetzt jagt der schwarze Polizist Derek Strange den Mörder seines Bruders. Fein gezeichnetes Sozialpanorama einer rebellischen Zeit.
Aus dem Englischen von Gottfried Röckelein. ars vivendi, 420 Seiten, 24 Euro.

5. Simone Buchholz – Beton Rouge

Hamburg, Biesendorf. Gefolterte Verlagsmanager ächzen in Käfigen vor ihrem Stammhaus. Ein Mädchen totgefahren. Chastitys Kumpel im Streit. Im siebten Riley-Fall steuert Buchholz ganz ins Dunkle. Ihr Beitrag zur Internats- und Racheliteratur. Astra, saubere Sprüche, Melancholia, und ein neuer Mann.Blindtext.
Suhrkamp, 230 Seiten, 14,95 Euro.

6. Monika Geier – Alles so hell da vorn 

Rheinland-Pfalz. Manga, verlorene 18, Prostituierte seit sie denken kann, erschießt einen Freier in Polizeiuniform. Halbtags-Kriminalkommissarin Boll nimmt SoKos oder Vorgesetzte nur am Rande wahr, aber das, was wichtig ist. Rätselhaft, sehr straight, irre gut. Geier ist Spitze.
Ariadne im Argument Verlag, 416 Seiten, 13 Euro.

7. Carsten Jensen – Der erste Stein

Afghanistan. Zug 3, dänische Infanterie, in Friedensmission. Der Zugführer verrät sie, die Krieger schalten in Rachemodus. Und stolpern in alle Fallen: die der Taliban, die der Entmenschlichung. In fettloser Prosa, mit genauer Lagekenntnis, reißt Jensen uns in einen Malstrom aus Krieg und Kriegsverbrechen…
Aus dem Dänischen von Ulrich Sonnenberg. Knaus, 640 Seiten, 26 Euro.

8. Graeme Macrae Burnet – Das Verschwinden der Adèle Bedeau

St. Louis, Haut-Rhin. Adèle, Kellnerin im Restaurant La Cloche, ist weg. Aufruhr am Bridge-Tisch der Honoratioren, in der kleinen Stadt: Hatte der seltsame Herr Baumann mit ihrem Verschwinden zu tun? Baumann glaubt es manchmal selbst. Simenon ähnliche subtile Erforschung eines Einzelgängers in Krise.
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann.Europaverlag, 288 Seiten, 17,90 Euro.

9. Donato Carrisi – Der Nebelmann

„Avechot“, italienische Alpen. Ein 16-jähriges Mädchen ist verschwunden, das Dorf empört. Sonderermittler Vogel, ein Star der Kriminalistik, weiß, wie man die Medien bedient. Und wann man wie Verdächtige präsentiert. Twistreiches Spiel um Medienmacht, Dorfenge und Gewaltkitzel, mit Mastermind im Hintergrund.
Aus dem Italienischen von Karin Diemerling. Atrium, 336 Seiten, 20 Euro.

10. Robert Hültner: Lazare und der tote Mann am Strand

„St. Pierre d’Elze“, Sète. Hültners neuer Ermittler Commandant Lazare aus Montpellier hat mehr als genug zu tun. Ein toter Sinto, ein renitenter Bauer im Weidezaun, ein deutscher Polizistenmörder. Und eine korrupte Polizeistation. Hültner im neuen Milieu: souverän, mit skeptischem Humor.
btb, 384 Seiten, 20 Euro.

Die Begegnung von Kunst und Text. Das Künstlerbuch.

Donnerstag, 03. August 2017

Es gibt viele verschiedene Arten von Büchern. Jede bringt seine individuellen Eigenschaften und Voraussetzungen mit sich. Das Künstlerbuch erhebt dabei einen besonderen Anspruch. Es bewegt sich an der Grenze ein Buch als Objekt, aber gleichzeitig auch Kunst zu sein. Deshalb werden sie auch als eigenständige Kunstwerke angesehen. Das Künstlerbuch ist demnach ein Experiment mit dem Medium Buch, weshalb sie vielschichtig und vielsprachig sein können. Es gibt keine klare Richtlinie, die Individualität steht im Vordergrund.

Die Entstehungsgeschichte beginnt im ausgehenden 19. Jahrhundert und es ist somit ein Kind der Avantgarden der Moderne. Vorreiter dieses Ausdrucksmittel sind beispielsweise Stéphane Mallamés „Le coup des dés…“ oder die typografischen Arbeiten von Marinetti oder Kurt Switters.  Auch namenhaften Künstler wie Salvador Dali, Marcel Duchamp oder Pablo Picasso machten sich das Buch als Kommunikationsträger zu Eigen. In den 60ern war es schließlich die Konzeptkunst unter den Ansätzen der Fluxusbewegung, die dem Künstlerbuch seine weitere Form brachte.

Mit den Künstlerbüchern wird die traditionelle Form des Buches ebenso in Frage gestellt und ihre Produzenten ergründen die Tiefe und Weite des Mediums.