Archiv für den Monat Januar 2014

Kunst der Typografie

Donnerstag, 30. Januar 2014

„Heute kann eine Drucksache nur dann angenehm wirken, wenn sie zeigt, daß ihre Herausgeber nicht wie so viele andere den Verstand verloren haben, wenn sie statt zu schreien mit normaler Stimme redet, statt zu erschrecken sich gesittet aufführt, statt ‚anders‘ zu sein Kinderstube verrät, Sinn für Ordnung zeigt, ihre Mitteilungen in wohlgeordneter Gestalt vorträgt. Eine geschickte Wahl der Schriftgrößen, Zwischenräume und Betonungen vermögen eine Ordnung zu schaffen, die Übersicht gewährt. Viel mehr kann man nicht tun. Es ist ein lächerlicher Irrtum, daß man schneller lesen lernen könne. Es sei denn, man denkt nicht dabei.“

 (Jan Tschichold in „Erfreuliche Drucksachen durch gute Typographie. Eine Fibel für jedermann“, Maro Verlag: Augsburg 1996. Die Originalausgabe erschien 1960 im Ravensburger Buchverlag.)

Der Bücherwurm

Freitag, 17. Januar 2014

Es gibt da einen biss’gen Wurm
der gegen jedes Buch läuft Sturm,
Es auffrisst und durchlöchert;
Jedes Blatt macht er zu Brei,
Was drin steht, ist ihm einerlei,
Wenn er drin bohrt und stöchert.

Sein Zahn macht ihn zum Idiot,
Ob Heil’ger, Weiser, Patriot,
Er liest nicht, nein, er isst nur.
Er hat dafür auch einen Grund,
Doch nennt er ihn nicht, dieser Hund:
Ein Opfer seiner Bissspur.

Ob Pfeffer, Drogen, Wanddekor,
Nicht jedes Ding kommt ins Labor,
Da kann die Wissenschaft nur lachen.
Warum erforschen dieses Wesen?
Um hinfort jedes Buch zu lesen,

Muss man dem Wurm den Garaus machen.

(J. Doraston, zitiert nach: William Blades: Bücherfeinde. Hrsg. von H. Haarkötter. Darmstadt 2012. Originalausgabe 1888.)

Zeichen. Sprache. Bilder. Schrift in der Kunst seit 1960

Samstag, 11. Januar 2014

Ausstellung in der Städtischen Galerie Karlsruhe

9. November 2013 bis 23. Februar 2014

Buchstaben, Worte und Texte in Kombination mit Bildern begegnen uns täglich in vielfältigen Ausprägungen. Spätestens seit den Avantgarde-Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts ist Schrift auch für unzählige Kunstschaffende ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit. Die Städtische Galerie Karlsruhe widmet sich diesem vielseitigen Thema mit einer eigenen Ausstellung, die noch bis 23. Februar 2014 zu sehen ist.

Gezeigt werden rund 90 Werke aus den Bereichen Malerei, Grafik, Collage, Skulptur, Objekt und Installation von über 40 größtenteils international renommierten Künstlern und Künstlerinnen. Im Fokus der Präsentation steht der Zeitraum von den 1960er Jahren bis heute. Zu sehen sind u. a. Arbeiten von Franz Ackermann, Saâdane Afif, Richard Artschwager, Robert Barry, Jean-Michel Basquiat, Joseph Beuys, Matthias Bitzer, Jenny Holzer, Roni Horn, Martin Kippenberger, Harald Klingelhöller, Joseph Kosuth, Jonathan Monk, Tobias Rehberger, Kay Rosen, Ed Ruscha, Kurt Schwitters, Rémy Zaugg oder Heimo Zobernig. Von den Künstlern Alexandre Singh, David Godbold und Lawrence Weiner sind eigens für diese Schau realisierte Wandarbeiten zu sehen. Ziel der Ausstellung ist es aufzuzeigen, wie facettenreich und differenziert Sprache und Schrift heute als künstlerisches Material genutzt werden.