Archiv für den Monat November 2013

SCHRIFTFILME. Schrift als Bild in Bewegung

Samstag, 30. November 2013

Ausstellung im ZKM | Museum für Neue Kunst, Karlsruhe

16. November 2013 bis 12. Januar 2014

Die schon seit Gutenberg beweglichen Lettern sind weiter gewandert zu den Screens, auf denen sich völlig neue Spielräume eröffnen, die in den Kulturen des Buchdrucks kaum zu erahnen waren. Die Ausstellung macht Schrift in ihrer Materialität und Medialität sichtbar. Schriftfilme ermöglichen uns die Wahrnehmung der Wahrnehmung.

„Nicht der Verlust der guten alten Schrift durch die neuen audiovisuellen Bilder/Bildmedien soll beklagt werden, sondern im Gegenteil: Gezeigt werden soll das, was unsere gegenwärtige Kultur auszeichnet – die faszinierende Gleichwertigkeit und Gleichzeitigkeit der analogen UND digitalen Kommunikationsmedien Schrift UND Bild.“ (Bernd Scheffer)

Die Ausstellung SCHRIFTFILME präsentiert mehrere hundert herausragende Beispiele von Schriftfilmen, insbesondere künstlerische Schriftfilme. Als Schriftfilme werden jene analog oder digital basierten Filme oder Filmteile bezeichnet, in denen bewegte, animierte, grafisch auffällig gestaltete und vor allem auch vertonte Schrift die Hauptrolle spielt. (Vollständige Ausstellungsankündigung des Museums siehe http://on1.zkm.de/zkm/ausstellungen/).

 

Dellbrügge & de Moll, „Video-Theorie II“  Deutschland 1992  Videokunst  [Videostill © Dellbrügge & de Moll]

Ausstellung
SCHRIFTFILME. SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG
Dellbrügge & de Moll, „Video-Theorie II“
Deutschland 1992
Videokunst
[Videostill © Dellbrügge & de Moll]

Johannes Vogt, „Bitterschön“ Deutschland 2008 Poetry Clip  [Videostill © Johannes Vogt]

Ausstellung
SCHRIFTFILME. SCHRIFT ALS BILD IN BEWEGUNG
Johannes Vogt, „Bitterschön“
Deutschland 2008
Poetry Clip
[Videostill © Johannes Vogt]

Im Reich der Interpunktionen

Montag, 25. November 2013

Illustration von S. Tavenrath

Im Reich der Interpunktionen
nicht fürder goldner Friede prunkt:

Die Semikolons werden Drohnen
genannt von Beistrich und von Punkt.

Es bildet sich zur selben Stund
ein Antisemikolonbund.

Die einzigen, die stumm entweichen
(wie immer), sind die Fragezeichen.

Die Semikolons, die sehr jammern,
umstellt man mit geschwungnen Klammern

Illustration von S. Tavenrath

und setzt die so gefangnen Wesen
noch obendrein in Parenthesen.

Das Minuszeichen naht, und – schwapp!
da zieht es sie vom Leben ab.

Kopfschüttelnd blicken auf die Leichen
die heimgekehrten Fragezeichen.

Doch, wehe! neuer Kampf sich schürzt:
Gedankenstrich auf Komma stürzt –

und fährt ihm schneidend durch den Hals,
bis dieser gleich – und ebenfalls‘

(wie jener mörderisch bezweckt)
als Strichpunkt das Gefild bedeckt! …

Stumm trägt man auf den Totengarten
die Semikolons beider Arten.

Was übrig von Gedankenstrichen,
kommt schwarz und schweigsam nachgeschlichen.

Illustration von S. Tavenrath

Das Ausrufszeichen hält die Predigt;
das Kolon dient ihm als Adjunkt.

Dann, jeder Kommaform entledigt,
stapft heimwärts man, Strich, Punkt, Strich, Punkt …

(Christian Morgenstern, 1871–1914)

STANLEY MORISON und die Times New Roman

Mittwoch, 20. November 2013

Erster Teil der Serie „Die Typen hinter den Typen“

Die Lebensgeschichte von Stanley Morison füllt dicke Bücher – wie die 1972 bei Macmillan erschienene Biografie von Nicolas Barker:

Stanley_Morison_Biography

Nichtsdestotrotz ist er heute hierzulande eher unbekannt – obwohl er die wohl erfolgreichste und meistgenutzte Schrift des 20. Jahrhunderts entworfen hat: die Times New Roman. Weitreichende Berühmtheit erlang die Barock-Antiqua-Schrift als Computerschrift diverser Software, etwa von Microsoft. Die Unauffälligkeit und Zeitlosigkeit ihrer Erscheinung war wohl ein Grund dafür, dass viele die vorinstallierte Auswahl unverändert verwendeten – mit dem Resultat, dass noch heute ein Großteil aller Dokumente und Publikationen weltweit in Times New Roman gesetzt sind. Diese Schrift habe, so sagte Morison selbst einmal, „das Verdienst, nicht so auszusehen, als hätte sie irgend jemand besonders entworfen“.

Doch das Gegenteil ist der Fall: die Times New Roman wurde durchaus für einen bedeutenden Zweck und von einem überragenden Schriftgestalter mit großer Sorgfalt und hohem Kostenaufwand entworfen. Dabei verrät ihr Name schon einen wichtigen Teil der Geschichte.

TimesNewRoman_Schriftzug

Stanley Morison (1889–1967), englischer Typograf und Schriftentwerfer, Essayist und Gelehrter, kam über berufliche Umwege als Bürogehilfe und Bankangestellter zur Typografie und gilt heute als einer der wichtigsten Protagonisten der Druckkunst. Anfang der 1920er Jahre ernannte ihn der Setzmaschinenhersteller Monotype zum typografischen Berater. Das Schriftprogramm, das er in den folgenden Jahrzehnten für die Monotype-Setzmaschine auswählte und entwickelte, umfasste viele der wichtigsten Druckschriften der vergangenen Jahrhunderte (zum Beispiel Garamond, Baskerville und Walbaum) und hatte großen Einfluss auf die Typografie des 20. Jahrhunderts.

1929 wurde Morison von der britischen Tageszeitung „The Times“ beauftragt, das Erscheinungsbild dieser altehrwürdigen Institution zu erneuern. In Zusammenarbeit mit Victor Lardent entwarf er eine spezielle Zeitungsschrift: die Times New Roman. Nach drei Jahren und 7000 von Monotype geschnittenen Stempeln erschien am 3. Oktober 1932 die erste Ausgabe der typografisch überarbeiteten Zeitung „The Times“. Zu diesem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, dass sich die als Zeitungsschrift konzipierte Times New Roman zur der Universalschrift des 20. Jahrhunderts entwickeln sollte. Verantwortlich für den Erfolg und die Beliebtheit der Schrift war wohl nicht nur ihre unaufdringliche Vielseitigkeit, sondern vor allem auch ihr ausgezeichneter Lesekomfort.

DIE TYPEN HINTER DEN TYPEN

Mittwoch, 20. November 2013

Schriften begegnen uns im Alltag überall – in Büchern, im Internet, auf Gebäuden, Autos und vielen anderen Gegenständen. Jeder, der beruflich oder privat ein Textverarbeitungsprogramm benutzt, kennt heute einige von ihnen mit Namen: Courier, Arial, Garamond, Helvetica oder Times. Sie erscheinen auf dem Bildschirm als Industrieprodukt, das technisch, anonym und modern wirkt und nicht weiter auffällt, solange es funktioniert und nicht stört. Wir lesen unbemerkt Texte in Schriften, die mitunter 500 Jahre alt sind. Während Gemälde und literarische Werke namhafter Künstler und Autoren als wertvoll gelten, bleiben die Urheber der Schriftkunst außerhalb von Fachkreisen zumeist unbekannt.

Den Gestaltern dieser ebenso kostbaren wie zeitlosen Kunst, den Typografen und Schreibmeistern, Stempelschneidern und Graphikern soll deshalb in einer kleinen Serie Aufmerksamkeit geschenkt werden. Im ersten Teil gilt die Frage „Wer sind die Typen hinter den Typen?“ der wohl bekanntesten Schrift des 20. Jahrhunderts, der Times New Roman.

 

Screenshot_Times_New_Roman

Teil I der Serie „Die Typen hinter den Typen“ wird die Hintergründe einer Voreinstellung beleuchten:
STANLEY MORISON und die Times New Roman

Unauffällig, lautlos, geschmeidig

Dienstag, 19. November 2013

„Gute Typographie ist so, wie ein guter Diener gewesen sein mag: da und doch nicht bemerkbar; unauffällig, aber eine Voraussetzung des Wohlbefindens, lautlos, geschmeidig“.

 (Jan Tschichold, 1902–1974)

ECHT HESSISCH? Ausstellung im Marburger Schloss

Freitag, 15. November 2013

Vor gut 200 Jahren, 1812 und 1815, erschienen die beiden Bände der Grimm’schen „Kinder- und Hausmärchen“. Hessen ist seither eng mit den bekannten Erzählungen verknüpft. Die Grimms selbst betonten den hessischen Ursprung der Märchen, Otto Ubbelohdes weltbekannte Illustrationen verorteten die Märchen später in hessischen Landschaften und festigten die Vorstellung, die Märchen seien „ächt hessisch“. Doch woher stammen die Märchen eigentlich, und wer hat sie den Brüdern Grimm zugetragen? Welche Verbindungen bestehen zwischen den Erzählungen und der tatsächlichen Lebenswirklichkeit der hessischen Landbevölkerung im 19. Jahrhundert? Oft geben die Märchen Auskunft über Alltagsleben, Moralvorstellungen und wichtige Stationen des Lebensweges.

 

Ausstellung „Echt Hessisch? Land Leben Märchen“ im Marburger Landgrafenschloss

Blick in die Ausstellung
„Echt Hessisch? Land Leben Märchen“
im Marburger Landgrafenschloss
[Foto: S. Tavenrath, Marburg]

Die Ausstellung „Echt hessisch?“ wurde am 7. Dezember 2012 im Marburger Landgrafenschloss eröffnet und ist dort noch bis Dezember 2014 zu sehen.

Ein Begleitband zur Ausstellung ist im Buchhandel und im Marburger Schloss erhältlich (ISBN 978-3-89445-482-1).

 

Schwer im Trend: Steinpapier

Samstag, 09. November 2013

Seit wenigen Jahren gibt es auf dem deutschen Papiermarkt eine interessante Neuentdeckung: das Steinpapier. Hergestellt wird diese Papiersorte aus ca. 80 % Kalkstein (Kalziumkarbonat) und ca. 20 % Bio-Polyethylen, das wiederum aus organischen Abfällen (z.B. aus Zuckerrohr) besteht. Die Ökobilanz klingt vielversprechend: Für die Herstellung wird weder Holz noch Wasser benötigt, die freigesetzte Menge an Kohlendioxid und der Energieverbrauch sind laut Hersteller wesentlich geringer als bei herkömmlichem Papier. Steinpapier hat noch weitere besondere Eigenschaften aufzuweisen: es ist öl- und wasserabweisend, schwer entflammbar, lebensmittelecht, leicht zu schneiden und zu beschreiben – jedoch sehr schwer zu zerreißen. Aufgrund der wesentlich höheren Dichte des Steinpapiers und einer Grammatur von 490 g/m² ist ein Stapel des Papiers annähernd so schwer wie ein Stein, die Oberfläche aber fühlt sich samtartig an. Bedruckbar ist das Papier aus Kalkstein im Offset-Druck, Digital-Druck und UV-Druck, wobei es weniger Farbeinsatz erfordert als herkömmliches Papier. Laserdruck hingegen ist problematisch, da es sich bei etwa 65 Grad Celsius zu verformen beginnt.

Stein statt Holz?

Stein statt Holz?
[Foto: S. Tavenrath, Marburg]

Die Idee, aus mineralischen Werkstoffen Papier herzustellen, ist jedoch nicht neu. Bereits 1819 erhielt der Erfinder der Lithografie, Alois Senefelder, ein Patent für ein Papier, das zum Teil aus Gips- und Kalkmehl bestand, sich allerdings als wenig brauchbar erwies. Ende des 19. Jahrhunderts folgten weitere Patente für verschiedenartige Steinpapiere, die zum Teil als Umdruck- oder Lithografie-Platten Verwendung fanden.

Geistige Konserven

Samstag, 09. November 2013

„Der Buchbinder ist der älteste Konservenfabrikant der Erde: seine geistigen Konserven bewegen die Menschheit und haben alle ihren Fortschritt verursacht.“

(Johann Wolfgang von Goethe, 1749–1832)

„Man sieht auch mit den Händen gut!“

Dienstag, 05. November 2013

 

Cover: Die schönsten deutschen Bücher

ISBN 978-3-9814291-2-1
[Foto: U. Dettmar, Frankfurt/Main]

„Man sieht auch mit den Händen gut!“

(Karin Schmidt-Friderichs, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Buchkunst)

Der Katalog „Die Schönsten Deutschen Bücher – The Best German Book Design“, der jedes Jahr von einem anderen Gestalter konzipiert wird, dokumentiert die Wettbewerbs­ergebnisse des aktuellen Jahrgangs. Er enthält neben dem „Preis der Stiftung Buchkunst“ und den drei Förderpreisen für junge Buch­gestaltung die nach Kategorien ausgezeichneten „schönsten deutschen Bücher“. Ein Katalog, den man immer wieder gerne in die Hand nimmt – und ein Augenschmaus für alle, die schöne Bücher lieben.