Archiv für den Monat April 2013

Samisdat

Montag, 29. April 2013

Dieser Begriff bedeutet eigentlich die spontane Selbstvervielfältigung von nicht erlaubter Literatur, seit den 1960er Jahren ist er aber gebräuchlich für die Verbreitung von Literatur, jenseits der von der Zensur genehmigten Literatur und somit zu einer Art eigenem Genre. Der Samisdat wurde zu dem zu einer im gesamten sozialistischen Osteuropa vertretenen gesellschaftlichen Erscheinung. In den UdSSR, Polen, Ungarn und der Tschechoslowakei gab es regelrechte Samisdat-Verlage mit bis zu 300 Publikationen.

Hier die deutschen Titel einiger der wichtigsten russischen Samisdat-Zeitschriften und –Sammlungen:

Der Sämann, Das russische Wort, die Glocke, Das 20. Jahrhundert, Die Metropole, Moskauer Sammlung, …

Man of the Millennium

Sonntag, 21. April 2013

1999 wurde Johannes Gutenberg von amerikanischen Wissenschaftlern zum Mann des Jahrtausends gewählt. Was macht diesen Mann und seine Erfindung so besonders, dass noch heute jeder seinen Namen und seine Errungenschaften kennt?

Johannes Gutenberg wurde vermutlich am 24. Juni (Johannistag) in Mainz geboren. Über den jungen Johannes Gensfleisch, so sein ursprünglicher Familienname, ist nicht viel bekannt. 1428 verlässt die Familie aufgrund von politischen Unruhen ihre Heimatstadt. Erst aus einem Dokument von 1434 wird deutlich, dass zumindest Johannes mittlerweile in Straßburg angekommen sein muss. In diesem Dokument ist verzeichnet, dass der Flüchtling und Neubürger der Stadt den Mainzer Stadtschreiber Nikolaus von Wörrstadt in Schuldhaft setzen ließ, um seine Rentenzahlungen der Stadt Mainz zu erzwingen. Wer war dieser Mann, der hier in Straßburg nicht einmal einer Zunft richtig angehörte und dennoch so viel Befugnis hatte, einen Amtsmann festhalten zu lassen? 1439 taucht in Gerichtsunterlagen eine geheime Kunst Gutenbergs auf und einige Darlehen später, die Gutenberg in Straßburg und später auch zurück in Mainz aufnimmt, druckt Johannes Gutenberg zwischen 1452 und 1454 die berühmte 42-zeilige Bibel in lateinischer Sprache.

Wer war Johannes Gesfleisch, genannt Gutenberg, dessen Leben nur lückenhaft und vorwiegend von Gerichtsakten erschlossen werden kann und dessen Experimente mit ölhaltigen Tinten verschiedenen Legierungn den vermutlichen Goldschmied Lehrmeister zwar nie zu Reichtum brachten, aber seinen Namen bis in die heutige Zeit nicht nur unsterblich werden ließen, sondern 1962 Marshall McLuhan sogar zur Prägung des Begriffs der Gutenberg-Galaxis führten.

Nicht alles, aber doch einiges über diesen Mann, der sogar vor Gericht gebracht werden musste, um sein Eheversprechen einzuhalten (im Übrigen ist auch von dieser nicht mit Sicherheit geschlossenen Ehe außer dieser Gerichtunterlagen ebenfalls nichts überliefert), ist im Mainzer Gutenbergmuseum zu erfahren und natürlich einige berühmte und prächtige Exemplare seiner nicht nur die damalige Gesellschaft revolutionierenden Erfindung sind in anschaulichen Vorführungen zu begutachten.

Ein Artikel von Prof. Jochen Hörisch zum Begriff der Gutenberg-Galaxis ist hier nachzulesen: http://www.gutenberg.de/medienze.htm

Nicht bemerkter merkwürdiger Lexikoneintrag

Samstag, 13. April 2013

Im dtv-Brockhaus-Lexikon von 1966 (Band 19, Seite 197) ist in dem Eintrag zu „verschlafen“ Folgendes zu lesen: lat. abgek. morb. lex., Niedergangsseuche in Spätkulturen, besonders im westlichen Abendland verbreitet. Gilt als unheilbar.

Nicht, dass dieser Artikel in späteren Ausgaben widerrufen wurde. Die Rückständigkeit dieses Beitrags ist den Redakteuren dennoch aufgefallen und so wurde dieser in der Ausgabe von 1992 wie folgt ergänzt: Galt als unheilbar; durch Einsatz des Zeiterfassungsgerätes lokal überwunden; zeitweise bestritten.

 

Viel Spaß beim Nachlesen.

Redewendung: „Wie es im Buche steht“

Donnerstag, 04. April 2013

Heute meint man damit, etwas ist tadellos, oder etwas ist genau so, wie es sein sollte. Ihren Ursprung haben diese geflügelten Worte in der Bibel. David sagt in Psalm 40.8 von sich selbst: „Siehe, ich komme; im Buche ist von mir geschrieben …“. Etwas ist also genau so geschehen, wie es sein sollte.