Archiv für den Monat November 2012

Lesungen & Co im Dezember

Sonntag, 25. November 2012

Den Auftakt macht am Samstag den 8. Dezember der nicht-studierte Kommunikationswissenschaftler Wiglaf Droste – ein Exempel dafür, dass man auch ohne ein beendetes Studium zum erfolgreichen Publizisten werden kann. Der Redakteur, Buchautor und Publizist hat schon für Zeitungen wie die taz, die junge Welt, für Satire-Magazine wie Titanic, die Wahrheit und andere geschreiben. Außerdem schauspielerisch tätig, vertont er erfolgreich nicht nur eigene Bücher.
Sprichst du noch, oder kommunizierst du schon? lautet der Titel der Lesung, die ab 20 Uhr in der Waggonhalle Marburg zu hören ist. Auf dem Weg durch einen nicht ganz alltäglichen Alltag, auf der Suche nach alltäglich möglichen Worteigenheiten spielt der Autor mit der deutschen Sprache. Wer beim Eindringen in die „Schnittstellenkultur“ mit Wiglaf Droste dabei sein möchte, kann Karten schon ab  12 € ergattern.

Für die nun folgende Veranstaltung passt eher die Genrezuteilung “ & Co“ denn „Lesung“. Präsentiert wird zwar Sherlock Holmes, aber einfach nur zuhören, ist am 6. Dezember nicht angesagt. Der Detektiv und sein Begleiter rechnen mit der Unterstützung der Anwesenden, um das Rätsel der tanzenden Männchen schnell zu lösen. Bleibt nur zu hoffen, dass einem vor lauter Tatkraft und Spannung nicht der Appetit vergeht. Das wäre bei dem Menü wirklich zu bedauern!

Tea-Time: geheimnisvolle Blatterteigtäschchen & Good-evening-Sandwiches
zum Aufwärmen: Pumpkinsoup with Surprise
zum Hauptgang: Brust und Keule von der Gans an Orangensoße mit köstlichenBeilagen nach Holmes – Art
des Rätsels Lösung: tanzende Männchen auf Lemonbread and Pudding

Zu erleben am 6. Dezember und am 16. Dezember im TurmCafe des Spiegelslustturms in Marburg.

Liebesrat vom überzeugten Junggesellen.

Dienstag, 20. November 2012

Kant weicht nicht nur zu Lebzeiten der Beantwortung des Briefes aus.

„Cant lasse grüßen, obligierte (verpflichtete) er mich zu schreiben“, bezieht sich der Erzähler des Einbriefromans Brandstetters auf seinen Auftraggeber. Die junge Maria von Herbert bittet Kant in gleich zwei Briefen um Rat. Sie klagt ausgerechnet dem Aufklärer und überzeugten Junggesellen ihr Leid über die Liebe. Ihr Verlobter hat sie verlassen, so scheint es, nachdem er von Marias Untreue erfahren hatte. Das junge Mädchen ist hilflos überfordert und zieht sogar den Freitod in Betracht. Doch sie besinnt sich eines Besseren und setzt ihre Hoffnung in den Philosophen.

Die Briefe der jungen Maria sind historisch belegt. Aus Kants Feder ist jedoch nur ein unvollendeter Antwortbrief überliefert. So lässt auch der Autor und Altgermanist Alois Brandstetter den Philosophen nicht „manu propri“ schreiben, sondern erfindet zu Beantwortung des Briefes den eifrigen Gehilfen Kants.

Zuerst erklärt der Amanuensis, so wird der Gehilfe genannt, sich selbst als Korrespondenten, der an Stelle des um Rat Gebetenen schreibt. Daraufhin erläutert er einige Eigenheiten Kants, die Grund für sein langes Schweigen sind und darlegen, weshalb Kant zu guter Letzt einen so persönlichen Brief zur Beantwortung seinem Gehilfen überlässt. Der stellvertretende Briefschreiber will seinen Herrn nicht etwa entschuldigen. Vielmehr gewinnt man bereits hier den Eindruck eines stolzen Gelehrten, der gute Gründe anzuführen weiß, weshalb es, auch im Sinne der Hilfesuchenden, ratsamer sei, die Beantwortung des Briefes der jüngeren, rechten Hand des Philosophen zu überlassen. Ganz allmählich geht der Amanuensis auf den Brief des jungen Mädchens ein. Einen tatsächlichen Rat erteilt er der Hilfe suchenden allerdings noch lange nicht.

Der Autor führt den Leser mittels weitläufiger Ausschweifungen durch das 18. Jahrhundert. Der Amanuensis berichtet vom zeitgenössischen Carl Leonhard Reinhold, hebt seinen Herrn deutlich von Dichtern wie Goethe ab und plaudert über wichtige Rezensionsorgane wie Christoph Martin Wieland und dessen „Teutschen Merkur“. Napoléon der Militarist, der in Österreich und Süddeutschland sein Unwesen treibt, wird u.A. als das Problem des „Freiin Maria von Herbert in Clagenfurth“ vermutet. Natürlich findet sich auch Gelegenheit auf den Diskurs zwischen Kant und Katholizismus einzugehen. Kant lässt versichern „Die Philosophie habe sich emancipirt (mündig gemacht) und sey der Theologie ledig!“

Auch die Orthographie hat der Altgermanist in seinem Roman streng dem 18. Jahrhundert angepasst. Diese scheint zunächst etwas befremdlich. Man könnte davon ausgehen sie diene dazu, dem Leser diese Zeit etwas näher zu bringen. Doch auch andere rhetorische Mittel wie die Fremdworterläuterungen, die der Briefschreibende Amanuensis im Auftrag Kants beifügt, scheinen aufgrund deren Auswahl eher irritierend. Aussprüche wie: „…, um es frivol zu pointiren (auf den Punct bringen).“ oder „…imaginären und virtuellen Raume der Phantasie (Annahme)…“, lassen die Frage offen, nach welchen Kriterien der Autor erläuterungsbedürftige Begriffe auswählt. Vielleicht wollte Brandstetter ein möglicherweise ungebildetes Publikum nicht der Blöße aussetzen, seinen Roman nicht verfolgen zu können. Aufgrund der mangelnden eigenständigen Handlung wird aber wohl auch dieses Werk eher von einem kleinen, treuen Lesepublikum angenommen werden, bei dem dieses Wissen durchaus vorausgesetzt werden darf. Mit Kants Aufklärung kann die Annahme eines solch unmündigen Lesers ebenso wenig konform gehen, wie mit der zu erwartenden Leserschaft.

Auch von dem jungen Mädchen erwartet Kant sich des eigenen Verstandes zu bedienen, indem er auf die Suicidandeutungen in seinem historisch überlieferten Briefentwurf nicht einging. Auch dem Amanuensis sind übermäßige Erläuterungen untersagt. Keine Antwort sei in diesem Fall die beste Antwort. Der Schreiber selbst verweist aber doch auf Kants „Metaphysik der Sitten“ und dessen Ausspruch „vom Tode als der ultimativen Gedankenlosigkeit“. Der Roman endet nach 235 Seiten ohne ausdrücklichen Rat mit den Worten: „Der Freitod stehet nicht zur Debatte!…Füget Euch ins Leben! Lebet wohl! Cant läßt grüßen!

 

Alois Brandstetter. Cant läßt grüßen. Residenzverlag 2009

Vorlesetag

Donnerstag, 15. November 2012

Morgen, am 16. November,  findet der 9. bundesweite Vorlesetag statt. Dass Vorlesen wichtig ist für die Entwicklung der Kinder, kann man auf der Homepage der Initiative begründet finden. Es ist aber auch für Erwachsene schön, einfach mal einer netten Stimme zu lauschen, die uns in fremde Länder und Phantasiewelten mitnimmt. Gelegnheit sich etwas vorlesen zu lassen, bietet in Marburg im Rahmen des bundesweiten Vorlesetages die Buchhandlung „Lesezeiche“.
Weitere Infos zu der Initiative und Veranstaltungshinweise für ganz Deutschland unter: www.vorlesetag.de

 

F. M. Dostojewski

Sonntag, 11. November 2012

Einer der bedeutendsten und einflussreichsten Autoren des 19. Jahrhunderts wurde am 11. November 1821 in Moskau geboren. Bekannt ist er für seine biographischen Romane wie „Der Spieler“ oder „Der ewige Gatte“. Seine Werke werden gelegentlich auch als Beleg für den angeblichen Missbrauch einer Minderjährigen herangezogen, den er begangen haben soll. Anders als für seine Erkrankung an Epilepsie, gibt es für den Missbrauch keine weiteren Belege. Die Epilepsie ist auch durch einen Brief seines Arztes belegt. Als Schriftsteller ging er in die Geschichte ein, als Philosoph und Psychologe wurde er von einigen seiner Zeitgenossen geschätzt.