Archiv für den Monat April 2010

Verbannung von Kinder- und Jugendbüchern aus dem Feuilleton?!

Sonntag, 25. April 2010

Am 8. April hatte DIE ZEIT angekündigt, dass Rezensionen von Kinder- und Jugendbüchern sowie der Kritikerpreis LUCHS vom Feuilleton in die Nachbarschaft der KinderZEIT „umziehen“ würden. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) bittet die Verantwortlichen in einem offenen Brief, diese Entscheidung rückgängig zu machen. Auch die Autorin Jutta Richter hat einen von vielen Kollegen mitunterzeichneten Brief an DIE ZEIT geschrieben und gebeten, diesen Schritt rückgängig zu machen.

Welttag des Buches

Sonntag, 25. April 2010

Das zentrale Event der Stiftung Lesen am gestrigen 23. April, dem Welttag des Buches, fand in Mainz statt und stand unter dem Motto Bücher im Wind
Etwa 3000 Kinder und Jugendliche kamen zur Veranstaltung in den Park am Römerwall. Hier hingen 175.876 Buchcover zwischen den Bäumen, eine Idee von Heinrich Kreibich, Geschäftsführer der Stiftung Lesen. 10.205 Schulklassen aus ganz Deutschland haben sich beteiligt, ihre Lieblingsbuchumschläge gestaltet und Lesetipps aufgeschrieben. So ist ein Freundschaftsband mit einer Länge von insgesamt 39,1 Kilometern entstanden.

Deutscher Erzählerpreis 2010

Montag, 19. April 2010

Lutz Seiler erhält in diesem Jahr den „Deutschen Erzählerpreis“ für seinen Erzählungsband „Die Zeitwaage“ (Suhrkamp).
Die Verleihung des „Deutschen Erzählerpreises 2010“ findet am 4. September im Hotel Dellavalle in Locarno statt. Im Anschluss der offiziellen Preisverleihung liest Lutz Seiler eine noch unveröffentlichte Erzählung.
Initiator des Preises ist der Literaturredakteur Gerwig Epkes, der erste Preisträger war 2008 Wolfgang Herrndorf mit seinem Erzählungsband „Diesseits des Van-Allen-Gürtels“. Der Jury gehören an: Sigrid Löffler, Helmut Böttiger, Roman Bucheli, Jens Jessen, Richard Kämmerlings und Elmar Krekeler.

 

Goethe und Schiller bei Facebook

Mittwoch, 14. April 2010

Facebook: Dort redet die Jugend miteinander, dort sucht man Freunde, dort wird man ein Fan von allem Möglichen.

Zum Beispiel von Goethe. Der hätte das Soziale Netzwerk vermutlich gerne gemocht. Da hätte er mit Schiller fetzige Xenien auf Pinnwände gedichtet. 23.070 Nutzer sind auf Facebook Anhänger des Geheimrats. Schiller hingegen kommt auf nur 1368. Ach, du lieber Himmel! Hölderlin 1472, Kleist 951, Herder 46, Wieland: gar keine! Hat die Weimarer Klassik das Internet verpasst? Wie steht’s um Thomas Mann? Solide 10.502, immerhin. Hermann Hesse ist besser: 38.203. Bayern München hat weit weniger.

Und da wir schon vergleichen: Nietzsche (148.681) liegt vor Cioran (5425), Sartre (57.033) vor Camus (37.227), Astrid Lindgren (77.291) vor Joanne K. Rowling (30.374), Grass (1848) vor Böll (714), Böll aber vor Handke (324), Enzensberger (251) und Walser, den die Suchmaschine gar nicht findet.

Max Frischs Entwürfe zum Tagebuch

Sonntag, 11. April 2010

Immer spärlicher wurden Max Frischs Werke im Alter. Dass sein Tagebuch aus den Jahren 1982/83 nun als Zufallsfund veröffentlicht wird, hat angesichts dieser Tendenz zum allmählichen Verstummen und Verschwinden eine gewisse Logik. Der Autor hatte den aufgegebenen Text, weil er ihn für vernichtet hielt, für Nachlassverfügungen überhaupt nicht mehr in Betracht gezogen; vor einiger Zeit wurde in den Unterlagen seiner damaligen Sekretärin eine Abschrift gefunden. Ob Frisch der Publikation des Tagebuchs zugestimmt hätte, ist eine müßige Frage. Niemand kann im Ernst fordern, neuentdeckte Texte eines Klassikers des zwanzigsten Jahrhunderts unter Verschluss zu halten oder irgendwo als Marginalie zu verstecken.

Buchhandelsketten zerstören kleine Verlage

Sonntag, 04. April 2010

Bis vor wenigen Jahren schien es, als wäre der deutsche Buchhandel gefährdet. Jetzt zeigt sich: Gefährdet sind die kleinen Verlage, die Nischenunternehmen. Der Konzernbuchhandel ignoriert nicht nur, ja er bekämpft geradezu ihre Programme und damit deren Verankerung in der Gesellschaft, das Wissen, die Vielfalt der Arten.

Die Auswahl wird auf Minimum gefahren, die zeitgenössischen Autoren, die Neuerscheinungen, die Klassiker; von Geistes- und Sozialwissenschaften, von Kunst- und Kinderbuch nur noch Relikte, das, was Medienspekulanten für gängig halten. Der Konzernbuchhandel macht sich breit, auch in mittleren Städten.

Die Verlage erreichen von ihrem potentiellen Publikum nur mehr einen Teil. Die Programme, und darunter die besten, sind in Gefahr. Die deutschsprachigen Literatur- und Sachbuchverlage sollten sich zusammentun. Schließlich sind manche Verlage – einst Cotta, Wasmuth, Heckenauer, zuletzt Liebeskind – aus Buchhandlungen gewachsen, „Verlagsbuchhandlungen“. Verlage wie Suhrkamp oder dtv oder Diogenes könnten allein aus ihrer Backlist eigene „flagship stores“ bestücken.

Drei Modelle bieten sich an für die Verlagsbuchhandlungen der Zukunft. Erstens der flagship store; zweitens das privat geführte Geschäft mit Ketten-Signet; drittens das Buchkaufhaus. Alle sollten im gleichen System aufgehen, ähnliche Privilegien genießen, die Gegenmacht zu den Konzernbuchläden bilden. Das darf nicht still und leise vor sich gehen, sondern muss mit großer Bestimmtheit durchgeführt werden. Die Leserinnen und Leser werden den Unterschied zu schätzen wissen.