Archiv für den Monat Februar 2010

Kritzeleien am Seitenrand

Sonntag, 28. Februar 2010

Jeder kennt sie, die kleinen Bildchen die während Zeiten der Langeweile oder des Nachdenkens am Seitenrand einer schriftlichen Arbeit entstehen. 

Die kleine, überaus anregende Marbacher Ausstellung „Randzeichen“ leistet mit bislang nie gezeigten Manuskripten Pionierarbeit auf diesem recht unbeackerten Feld. Wenn Paul Celan zu seinem Gedicht „Von Dunkel zu Dunkel“ Frauengesichter mit einer wie eine Prothese klaffenden Augenpartie skizziert oder Hermann Hesse zu seinem vitalistisch-präpotenten Versen „O wilde Nächte“ eine grinsende Fratze schneidet, hat dies eindeutig den Charakter von Hilfszeichnungen. Der Wechsel des Mediums dient zur Lösung eines Problems oder auch zur Selbstanfeuerung der Dichterglut. Doch schon bei Rilke bewegt sich der Deutungswille auf das rutschige Eis der Textoberfläche. Denn worauf bezieht sich das merkwürdige Flügelwesen, das er in einer Notiz zur achten „Duineser Elegie“ hingehaucht hat? Auf das „Glück der Mücke, die noch innen hüpft“, auf „die halbe Sicherheit des Vogels, der beinah beides weiß aus seinem Ursprung“ oder auf „die Spur der Fledermaus?“ Dumm für die Philologen, dass Rilke kein so guter Zeichner ist.

Verwirrung durch Überangebot

Sonntag, 21. Februar 2010

Vor lauter Büchern weiß man schon gar nicht mehr was man lesen soll und was davon überhaupt gut ist.

“ Einst war die Seltenheit der Bücher den fortschritten der Wissenschaft nachteilig, jetzt ist es deren Überzahl, die verwirrt und eigenes Denken verhindert.“ (K.J. Weber, Demokritos)

Trotz Plagiatsvorwürfe: Hegemann für Buchpreis nominiert

Montag, 15. Februar 2010

Die 17jährigeHelene Hegemann hat in ihrem Roman „Axolotl Roadkill“, den alle überregionalen Zeitungen emphatisch lobten, Passagen aus einem anderen Buch übernommen. Zum Teil unverändert, zum Teil nur leicht variiert. Sie hat darauf nicht hingewiesen. Als es bekannt wurde, hat sie sich bei Airen, dem anonymen Blogger, aus dessen Werk „Strobo“ sie Passagen übernommen hatte, entschuldigt.

Trotz dieser negativen Schlagzeilen ist das `Literaturwunderkind` jetzt für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Autor: Ja Verlag: Nein

Freitag, 12. Februar 2010

Wenn Autoren keine Verlage mehr brauchen….

Markus Albers ist der erste Autor, der sein Sachbuch nicht gedruckt, sondern ausschließlich als iPhone-App und Ebook veröffentlicht – ganz ohne Mitwirkung eines Verlages. Was bedeutet das für den Buchmarkt?

Mit seinem zweiten Buch „Meconomy“ bleibt Albers seinen Thesen nicht nur inhaltlich treu, sondern geht noch einen Schritt weiter. Weil sein Verlag den Erscheinungstermin immer weiter verzögerte, zog er die Rechte zurück und entwickelte eine innovative Vertriebsstrategie: Als erstes deutsches Sachbuch erscheint sein Werk jetzt nicht in gedruckter Form, sondern exklusiv als Ebook und iPhone-App. 

Der Autor beauftragte einen freien Lektor, einen Korrektor sowie eine Kreativdirektorin, die das Buchcover gestaltete. Als problematisch erwies sich der Vertrieb: „Ursprünglich wollte ich nur eine Website machen, wo man das Buch als Pdf-Datei runterladen könnte“, sagt Albers. Fündig wurde er schließlich bei Textunes in Berlin, einem Unternehmen, das auf die Veröffentlichung von Verlagsinhalten auf mobilen Endgeräten – insbesondere iPhone und iPod – spezialisiert ist. Die Agentur tritt eigentlich nicht als Verlag in Erscheinung, aber weil die Berliner an Albers‘ Buch glauben, steht „Meconomy“ seit heute als App bereit. Doch diese Strategie, die so revolutionär klingt, bedarf großer Eigeninitiative. Nicht jeder Laie könne solch Projekt starten, sagt Marlies Hebler von Textunes. Dafür brauche es einen bereits etablierten Autor, der die Bereitschaft mitbringe, sich selbst zu vermarkten – am besten schon mit einer eigenen Internet-Community. Finanziell muss es für Albers kein Nachteil sein, dass sein Buch nur elektronisch vertrieben wird. Zwar kostet es mit 9,99 Euro nur halb so viel wie sein erstes, gedrucktes Buch. Dafür bleibt wegen der geringeren Herstellungskosten mehr für den Autor übrig: Ganze 40 Prozent vom Verkaufspreis, also knapp vier Euro, verdient Albers an jedem Download. Bei gedruckten Büchern gehen meist nur zehn Prozent an den Schriftsteller.

Bestseller und/oder anspruchsvolle Literatur?!

Dienstag, 09. Februar 2010

Können Bestseller auch gleichzeitig anspruchsvolle Literatur sein, oder wiederspricht sich dies, wenn man einen Blick auf die doch arg vampirlastig aktuelle Bestsellerliste wirft?

Fakt ist, die anspruchsvolle Literatur von heute war oft auch Bestseller von gestern, wie zum Beispiel Goethes „Werther“, dem absoluten Kultbuch seiner Zeit.

Trotzdem hoffe ich, dass Werken wie der Twilight-Saga der Zugang zu einem allgemeinen Literaturkanon verwehrt bleibt.

Oscar Wilde über Bücher

Sonntag, 07. Februar 2010

„Es gibt weder moralische noch unmoralische Bücher. Bücher sind gut oder schlecht geschrieben, nichts sonst.“

Oscar Wilde in „Das Bildnis des Dorian Gray

Walsers Neue

Donnerstag, 04. Februar 2010

Martin Walser veröffentlich eine neue Novell, „Mein Jenseits“ heißt sie und behandelt nicht geringeres als das Verhältnis von Glauben und Wissen zueinander.

Leseproben gibt es seit dieser Woche in der FAZ.