Eine Sonderform: Der Hülleneinband

Der Hülleneinband ist eine Erscheinung der Buchkunst die nur im Mittelalter auftrat. Sie bezeichnet ein Buch, dessen Bezugsleder an den Kanten nicht umgeschlagen und befestigt, sondern über sie hinaus verlängert wurde, so dass das gesamte Buch darin eingeschlagen werden konnte, wie in eine zusätzliche Hülle. Zuweilen wurde sogar noch eine Hülle, quasi zum Schutz der ersten, hinzugegeben. Um ein das nochmalige Einschlagen überhaupt zu ermöglichen, war das Bezugsmaterial der Hülleneinbände in der meist sehr weiches Leder, manchmal aber auch Stoff oder Samt.

Der mittelalterliche Hülleneinband war zunächst nur für kleine Gebrauchsbücher gedacht, die der Besitzer ständig bei sich trug. Die Umhüllung diente dabei dem Schutz der empfindlichen Bücher auf der Reise. Später jedoch, im 15. und 16. Jahrhundert wurden vergleichbare Einbände auch für den Schutz großer Folianten angewandt. Hier verblieb das Buch zwar meist am selben Ort, konnte aber auf diese Weise ebenfalls vor einer Beschädigung der geschützt werden.

Ebenso wie bei den Beutelbüchern, die sich insofern von den Hülleneinbänden unterscheiden, dass der Bezugsstoff nur am Unterschnitt verlängert wurde, sind nur sehr wenige Exemplare erhalten geblieben. Da viele mittelalterliche Darstellungen auf eine größere Verbreitung hindeuten, geht man davon aus, dass später, als die Bücher nicht mehr in ständigem Gebrauch waren und eine platzsparende Lagerung wichtiger wurde als die ursprüngliche Funktion des Hülleneinbandes, der überstehende Stoff vielfach einfach abgeschnitten wurde.

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