Der Bucheinband in der Geschichte: Der Prachteinband des Mittelalters

Zu jeder Zeit gab es, neben den einfachen gebrauchsorientierten Einbänden für Bücher, prunkvollere, reich verzierte Prachteinbände. Das Mittelalter mit seiner enormen Bedeutung sakraler und religiösen Literatur brachte in dieser Hinsicht ganz besonders hervorstechende Beispiele hervor.

Kirchliche Prachteinbände waren Spiegel der christlichen Macht und wurden deshalb mit den edelsten Materialien, wie beispielsweise Elfenbein, Email, Edelmetallen, Edelsteinen und kostbaren Stoffen geschmückt. Der Buchbinder selbst übernahm meist nur den technischen Teil der Arbeit mit Heftung des Buchblocks und Befestigung der Buchdeckel. Die weiteren Arbeiten wurden je nachdem von speziell ausgebildeten Goldschmieden und Emailleuren, Metallarbeitern und Schnitzern oder auch Malern übernommen.

Eine der ältesten Techniken der eigenständigen Verzierung hingegen waren Goldschmiedarbeiten. Teilweise wurden sogar Holzdeckel ganz mit Goldblech verkleidet. Mittelalterliche Prachteinbände lassen sich in mehrere große Gruppen einteilen, die sich nach den unterschiedlichen Gestaltungselement richten. Die Kreuzform spielte in vielen Fällen der Verzierung eine entscheidende Rolle.

Während sich die Einbände der karolingischen Zeit oft noch durch auftragende Verzierungen auszeichnen, ging man im 11. und 12. Jahrhundert zu einem eher flächenhaften Stil der Gestaltung über. Gravierte oder durchbrochene Metallplatten lösten die plastischeren Treibarbeiten ab. Oft verwendete man dafür Kupfer, das nachträglich vergoldet wurde. Auch Holzschnitzereien sind aus dieser Zeit überliefert.

Die Prachteinbände der Gotik waren weniger geistlich und mehr weltlich bestimmt. Zwar wurden weiter Gebets- und Erbauungsbücher prunkvoll verziert, doch anders als zuvor waren sie nicht ausschließlich für die Kirche und Gottesdienste, sondern für den privaten Gebrauch bestimmt. Bewegt durch die drei Kreuzzüge, entstand eine große Zahl an Einbänden mit Darstellungen von Kreuzigungsszenen. Zunehmend verwendete man Bezüge aus edlen Stoffen, wie Samt, Brokat oder Seide.

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