Archiv für den Monat November 2009

Warten und immer wieder warten

Donnerstag, 26. November 2009

Die Mühlen des Gesetzes mahlen mal wieder sehr langsam und so muss sich die Buchbranche noch bis zum 18. Februar gedulden, um ein Ergebnis Im Google-Buch-Disput zu erhalten.

Im amerikanischen Gerichtsverfahren findet am 18. Februar 2010 die entscheidende Anhörung statt. Diesen Termin gab der United States District Court in New York vor wenigen Tagen bekannt, als der zuständige Richter die am 13. November eingereichte Neufassung des Google-Buchsuche-Vergleichs vorläufig annahm. Der Vergleich regelt rechtliche Fragen des bereits Millionen Bücher umfassenden Digitalisierungsvorhabens, das der Konzern in den vergangenen fünf Jahren beschleunigt vorangetrieben hat.

Nach weltweiten Protesten aus der Buchbranche fallen unter die Neufassung nun nur noch solche Werke, die entweder in das amerikanische Copyright-Register eingetragen sind oder in Großbritannien, Kanada oder Australien verlegt wurden. Allerdings standen in den Vereinigten Staaten bis 1978 Bücher generell erst dann unter Urheberschutz, wenn sie in das Register eingetragen wurden, so dass ältere deutschsprachige Veröffentlichungen auch von dem überarbeiteten Vergleich betroffen sind. Für Einwände gegen die Neufassung bleibt eine Frist bis 28. Januar 2010.

Suhrkamp: Ein Ende in Sicht?

Sonntag, 22. November 2009

Dem Umzug des Suhrkamp-Verlags nach Berlin steht anscheinend nichts mehr im Weg: Joachim Unseld hat seine Anteile an die „Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung“ verkauft und ist somit als Gesellschafter des Unternehmens ausgeschieden. Dies wurde am Donnerstagabend von einer Sprecherin der Firma bestätigt. Damit sind sämtliche gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen dem bisher als Umzugsgegner hervorgetretenen Unseld und dem von seiner Stiefmutter Ulla Unseld-Berkéwicz geleiteten Verlagshaus hinfällig. Die Veräußerung der Anteile tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. Über den Preis wurde nichts bekannt.

Der Sohn des früheren Suhrkamp-Verlegers Siegfried Unseld hatte erst vor einer Woche beim Landgericht Frankfurt eine Unterlassungsklage gegen die Verlagsleitung eingereicht, um den für Dezember geplanten Beginn des Umzugs zu verhindern und die Einberufung einer Gesellschafterversammlung zu erwirken.

Literatur im Netz

Donnerstag, 19. November 2009

Der Siegeszug der Technik und des Internets macht auch vor der Literatur nicht halt, wie wir aller wissen. Nun veröffentlicht ein New Yorker Magazin Prosa im Netz, unter Strom sozusagen.

Electric Literature ist leichter, schlichter, sonniger. Eine Zeitschrift, auffällig gestaltet und mit vereinfachtem Konzept: zwei New Yorker Nachwuchs-Verleger, 26 und 38 Jahre alt, veröffentlichen fünf starke Erzählungen. Als Print-Ausgabe als Internet-Abo und als Hörbuch. Und via Facebook und iPhone. Ab und zu sind sogar Texte auf Twitter geplant. Dort Electric Literature entwirft  große Utopien über die Zukunft des Lesens und die digitale Revolution der Verlagswelt.

„Unsere Mission ist es, der Kurzgeschichte zu einer starken Stellung in der Popkultur zurückzuverhelfen, mithilfe neuer Medien und innovativer Vertriebswege“, heißt es auf der Website. „Innovativ“ bedeutet hier: sämtliche Möglichkeiten des Internets durchprobieren, Erzählungen aus allen medialen Kanälen feuern, möglichst offen und für jeden zugänglich.  Electric Literature entwirft mit großem medialen Schwung und ebenso großer Leidenschaft eine verlegerische Zukunft für Literatur im Kindle- und E-Book-Zeitalter. Zwei junge Männer reißen sich die Beine aus, um gute Texte an den Leser zu bringen. Und dabei ist das digitale, Papier-freie Abo nur halb so teuer wie die Print-Ausgabe – und „umweltschonend“, schwärmt der PR-Text auf Facebook. Gedruckt wird nur on demand, auch das spart Geld. Nur an den Autoren wird nicht gespart, sogar in Pulitzer-Preisträger ist unter ihnen.

Autorin verlässt Suhrkamp Verlag

Sonntag, 15. November 2009

Katharina Hacker, eine der bekanntesten deutschen Autorinnen der Gegenwart beendet ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Suhrkamp Verlag. Diese Woche erschien dort ihr letztes Buch „Alix, Anton und die anderen“ und das schon nicht ganz freiwillig. Eigentlich wollte Hacker dieses Buch nicht mehr bei Suhrkamp veröffentlichen, aber da es schon in der Verlagsvorschau erschien, einigte man sich schließlich doch noch. Weiterhin kritisiert Hacker den Verlag, da nie ein Lektorat an ihrem aktuellsten Werk vorgenommen wurde.

Der Suhrkamp Verlag scheint momentan nicht aus den negativ Schlagzeilen heraus zu kommen.

Schiller in Marbach

Donnerstag, 12. November 2009

Fast siebenhundert Briefe und etwa 150 Manuskriptfragmente Schillers sowie 158 Gegenstände aus seinem Haushalt zählen zum Inventar des Deutschen Literaturarchivs in Marbach und bilden den Kernbestand des Schiller-Nationalmuseums, das 1903 eröffnet wurde.

Nach der Außensanierung des Gebäudes folgte dann in den beiden letzten Jahren für 5,6 Millionen Euro die aufwendige Innensanierung durch Alexander Schwarz vom Architekturbüro David Chipperfields, der bereits den Neubau des benachbarten Literaturmuseums der Moderne verantwortete. Als am letzten Dienstag das Schiller-Nationalmuseum durch den Bundespräsidenten feierlich wiedereröffnet wurde, zeigt sich das Haus so modern wie nie zuvor und so schön wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Prunkstück ist der leergeräumte Schillersal mit den umlaufenden Stuckfriesen zu elf Gedichten Schillers.

Nie zuvor waren in Marbach so viele Handschriften des Dichters zu sehen, der seine Manuskripte zu vernichten pflegte, sobald das Werk im Druck erschienen war. Was sich erhalten hat, sind deshalb vor allem Fragmente oder Entwürfe nicht vollendeter Werke, die nun der Öffentlichkeit gegänglich gemacht wurden.

Urteil wird erwartet

Montag, 09. November 2009

Nächste Woche Montag  soll in New York das Urteil über die Google Bücher-Scannung fallen.

Man darf gespannt sein, denn in jedem Fall beeinflusst das Urteil die Zukunft der gesamten Branche.

Spracherziehung

Freitag, 06. November 2009

„Man wird, was man liest“ diese These vertritt die Dutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Daher lautet die neue Losung des Präsidenten„Spracherziehung“. Künftig will die Akademie regelmäßig einen „Bericht zur Sprache der Nation“ vorlegen. Zudem will sie sich der Sprache in den Schulen, zumal in den Schulbüchern, widmen, um die „Literalität als Fundament der Identitätsbildung“ zu stärken. Wie man indes gerade in diesem, von den schwer belehrbaren Kultusministerien der Länder besetzten Bereich darauf einwirken will, dass an den Schulen wieder Texte gelesen werden, die sich nicht bloß pädagogisch, sondern durch ihre literarische Qualität empfehlen, blieb offen.

Aber notwendig scheint ein solches Eingreifen in die Schulliteratur zu sein, man höre sich nur einmal die Gespräche unter Jugendlichen an: Dort fehlen meist völlig Artikel, Nebensätze und anderes. Die Spracherziehung sollte ein dringendes Anliegen sein, auch der Kulturminister.

Einfach aussortiert

Montag, 02. November 2009

Als im Sommer 1996 die Einzelheiten der geplanten Rechtschreibreform bekannt wurden, glaubten besonders die Jugendbuchverlage, ihre Produkte möglichst rasch auf die neuen Schreibweisen umstellen zu müssen. Neue Schulbücher wurden ohnehin nur noch in Reformorthographie genehmigt, aber auch bei privater Lektüre sollten die Kinder sich nicht mehr an herkömmlichen Schreibweisen die Augen verderben.

Im Rechtschreibwortschatz der Grundschulen betraf die Reform zwar nach amtlicher Zählung nur 24 Wörter (alle wegen der ss-Schreibung). Gleichwohl wurden von Anfang an auch Schul- und Leihbibliotheken durchforstet und von Büchern in „alter“ Rechtschreibung gereinigt. Typische Vollzugsmeldung: „Alle Bücher in alter Rechtschreibung wurden ausgemistet.“ Die Dunkelziffer dürfte enorm sein; wahrscheinlich sind Millionen Bände vernichtet worden.

Warum nochmal gab es eine Rechtschreibreform? Ich weiß es jedenfalls nicht!