Archiv für den Monat Oktober 2009

Suhrkamp Archiv hat neue Heimat gefunden

Freitag, 30. Oktober 2009

Frankfurt verliert wieder ein Stück Suhrkamp: Der Verlag gibt seine Archive an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach. Noch dieses Jahr sollen die Manuskripte und Korrespondenzen berühmter Autoren umziehen. Der Verkaufspreis ist dem Vernehmen nach eine hohe einstellige Millionensumme. Vielleicht lässt sich ja so der kostspielige Umzug nach Berlin und die dadurch entstandenen Gerichtskosten finanzieren.

Ziemlich wertvoll

Mittwoch, 28. Oktober 2009

Als wertvollstes gilt wohl der Codex Manesse, die berühmte Heidelberger Liederhandschrift in mittelhochdeutscher Sprache. Als das Buch 2006 zum Zwecke einer Ausstellung (die erste seit 15 Jahren) auf Reisen ging, musste es für 50 Millionen Euro versichert werden.

Der Codex Manesse  ist die umfangreichste und berühmteste deutsche Liederhandschrift des Mittelalters. Heute wird sie in der Universitätsbibliothek Heidelberg aufbewahrt. Sie besteht aus 426 Pergamentblättern im Format 35,5 x 25 cm, die von späterer Hand paginiert wurden. Insgesamt befinden sich in ihr 140 leere und zahlreiche nur zum Teil beschriebene Seiten. Die Germanistik nennt die Sammlung auch kurz C.

Die „Manessische Liederhandschrift“ enthält ausschließlich dichterische Werke in mittelhochdeutscher Sprache. Ihr Grundstock entstand um 1300 in Zürich, wahrscheinlich im Zusammenhang mit der Sammeltätigkeit der Zürcher Patrizierfamilie Manesse, nach der sie auch ihren heutigen Beinamen trägt. Mehrere Nachtragsschichten kamen bis ca. 1340 hinzu. Der Kodex gilt als repräsentative Summe des mittelalterlichen Laienliedes und bildet für den „nachklassischen“ Minnesang die Haupt- und weithin die einzige Quelle. Die insgesamt 138 Miniaturen, welche die Dichter der Werke in idealisierter Form bei höfischen Aktivitäten darstellen, gelten als bedeutendes Dokument der Buchmalerei.

466px-Codex_Manesse_Johann_von_Brabant (Small)

Mal ein paar Zahlen…

Donnerstag, 22. Oktober 2009

In Deutschland gibt es rund 22.000 Verlage und Istitutionen, von denen mehr als 2000 verlegerisch auch aktiv sind und regelmäßig Literatur produzieren. Aus diesen Verlagen erscheinen rund 300 Bücher PRO TAG allein in Deutschland. Etwa ein Drittel davon sind Neuauflagen.

Wer soll das bloß alles lesen????

Buchmesse 2009: ein Fazit

Montag, 19. Oktober 2009

Fünf Messetage, rund 3.000 Veranstaltungen und mit 290.469 Besuchern das zweitbeste Besucher-Ergebnis in sechzig Jahren Buchmessen-Geschichte. Doch den bitteren Beigeschmack, den die Kontroverse rund um Gastland China ausgelöst hatte, konnten viele besucher nicht abschütteln: man fragt sich sogar danach, ob inmitten der massiven Präsenz des Pekinger Staatsapparats und dessen Öffentlichkeitsabteilungen überhaupt etwas von der Wirklichkeit des Gastlandes durchdringen konnte. Oder ob diese PR-Arbeit des Landes überhaupt durch die negative Berichterstattung nach außen dringen konnte.

Insgesamt war es aber eine gelunge Buchmesse, die den Bucherrekord vom Vorjahr zwar nicht einstellen konnte, aber der Messe von 2008 in nichts nach steht. Und mal ganz ehrlich, wer an den Besuchertagen auf der Messe war, konnte sich glücklich schätzen, dass nicht noch mehr Menschen da waren.

Deutscher Buchpreis für Kathrin Schmidt

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Nicht die frischgekürte Nobelpreisträgerin Herta Müller, sondern Kathrin Schmidt hat den Deutschen Buchpreis 2009 erhalten. Die Jury ehrte die in der DDR aufgewachsene 51-Jährige mit der begehrten Trophäe. Schmidt erhält den Preis für ihren Roman „Du stirbst nicht“ – eine „Geschichte von der Wiedergewinnung der Welt“.

In ihrem stark autobiografisch geprägten Roman erzählt Schmidt die Geschichte einer Frau, die nach einer Hirnblutung im Krankenhaus aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Langsam erobert sie sich die Welt zurück. In den Kritiken war in den vergangenen Monaten die Präzision und die Geduld gerühmt worden, mit der Schmidt die Geschichte der Wiedergenesung und der Wiedergewinnung der Sprache beschreibt. Schmidt hatte dafür jüngst auch den renommierten „Preis der SWR- Bestenliste 2009“ erhalten.

Die Autorin, 1958 im thüringischen Gotha geboren, hatte 2002 selbst eine Hirnblutung erlitten und war lange Zeit unfähig zu sprechen.

Kurz vorgestellt: Grenzgang

Montag, 12. Oktober 2009

Die Shortlist des Deutschen Buchpreis mal kurz vorgestellt. Heute: Stephan Thome, Grenzgang

Suhrkamp, Frankfurt

Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei, nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer ans Gymnasium Bergenstadt zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Vor sieben Jahren beim letzten Grenzgang sind sich die beiden schon einmal begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sich die beiden auch noch bei diesem Fest nur mit gemischten Gefühlen erinnern.

Literaturnobelpreis für Herta Müller

Freitag, 09. Oktober 2009

Den Literaturnobelpreis des Jahres 2009 erhält die Berliner Autorin Herta Müller, die mit ihrem Buch „Atemschaukel“ auch gerade für den Deutschen Buchpreis nominiert ist. Die Jury würdigte ihre „Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa“, mit der sie „Landschaften der Heimatlosigkeit“ schaffe. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet rund 1.000.000 Euro dotiert und wird am 10. Dezember in Stockholm verliehen.

Herta Müller gilt als „Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur“, die ihre Kindheit in Rumänien als Schule der Angst durchlebt hat und davon in ihren Werken beredt und bedrückend Zeugnis ablegt. Seit Anfang der neunziger Jahre und der Übersetzung ihrer Werke in mehr als 20 Sprachen gehört Müller mit Büchern wie „Der Fuchs war damals schon ein Jäger“, „Herztier“ und „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“ zu den wichtigen Autoren im internationalen Literaturbetrieb. Das Lebenswerk der heute 56 Jahre alten deutsch-rumänischen Autorin zeugt von schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Regime ihrer Heimat, dem sie erst 1987 entkommen konnte, als sie zusammen mit ihrem damaligen Mann Richard Wagner die Ausreise beantragte und nach Deutschland zog.

Nach Elfriede Jelinek 2004 und Günther Grass 1999 ist dies schon der dritte Literaturnobelpreis für Deutschland innerhalb der letzten 10 Jahre.

Kurz vorgestellt: Lichtjahre entfernt

Donnerstag, 08. Oktober 2009

Die Shortlist des Deutschen Buchpreis mal kurz vorgestellt. Heute: Rainer Merkel, Lichtjahre entfernt

S. Fischer Verlag, Frankfurt

Der Familientherapeut Thomas Kaszinski wird vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt. Er muss sein Leben in Ordnung bringen. Auf einer Reise nach New York trifft er seine langjährige Freundin. Doch die Beziehung scheint am Ende zu sein. In immer neuen Anläufen und in dem ständigen Bemühen um noch intensivere Erlebnisse nähert er sich dem Zentrum der Katastrophe und erinnert sich an die dramatischen Ereignisse der letzten Monate, die, wie seine Liebe, Lichtjahre entfernt sind. Er verliert sich in der Vergangenheit. Eine gemeinsame Reise in die Wüste wird zu einer Grenz-Erfahrung. Kurz vor seinem Rückflug erkennt er plötzlich, dass es noch eine Möglichkeit auf Rettung gibt.

Sparprogramm auf der Buchmesse

Dienstag, 06. Oktober 2009

Wie setzt die Krise dem Buchmarkt zu?  Einige populäre Verlage sparen sich beispielsweise ihre traditionellen Messepartys.

Der große Spielverderber ist in diesem Jahr Random House. Vergangenes Jahr noch Gastgeber der teuersten Buchmessenparty, veranstaltet der Verlagsriese in diesem Jahr keine Feier. Außerdem lädt er weniger Autoren ein, schickt weniger Mitarbeiter nach Frankfurt, die sich zudem wohl paarweise, im günstigen Doppelzimmer, einquartieren lassen müssen. Seine Botschaft lautet stattdessen: Statt Zeit und Geld in einen Empfang zu investieren, wolle man das durch die Wirtschaftslage knappe Geld lieber in Bücher stecken, teilt ein Verlagssprecher mit. Auch andere große Verlage haben ihre Empfänge abgesagt.

Bei anderen Verlagen, dem Vernehmen nach beispielsweise bei DuMont, standen die Partys und Empfänge zwar zur Disposition, wurden aber zuletzt dann doch beschlossen und auch bei Ullstein, Rowohlt, Fischer, Eichborn und C. H. Beck, bei Suhrkamp sowie beim Aufbau-Verlag wird gefeiert. 

Auf der Messe selbst werden ebenfalls viele Stände kleiner sein als gewohnt und die Programme kürzer gehalten.

 

Kurz vorgestellt: Atemschaukel

Dienstag, 06. Oktober 2009

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises mal kurz vorgestellt. Heute: Herta Müller, Atemschaukel.

Hanser Verlag, München 2009

Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. „Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C.“ So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.