Archiv für den Monat September 2009

Was lesen die Chinesen?

Mittwoch, 30. September 2009

Wie sieht eigentlich der Buchmarkt des diesjährigen Gastlandes des Frankfurter Buchmesse aus:

Die chinesische Literatur kommt generell nicht so recht an auf dem Weltmarkt. Allein aus Deutschland werden achtmal mehr Titel importiert, als man dorthin exportiert. Ökonomisch reicht der Verlagsbranche allerdings der enorme heimische Markt, denn Chinesen lesen, was das Zeug hält, stimuliert nicht nur durch bezahlte Rezensionen in Zeitungen (zehn Zeichen kosten die Verlage immerhin einen Euro), sondern vor allem durch Internet-Empfehlungen. Hochklassische Literatur aber ist selten darunter. Ein Buch-Anbieter etwa schaltet täglich achttausend lange, von Amateuren verfasste Romane auf seiner Internetseite frei. Zehn Millionen Leser lockt das an – wohlgemerkt pro Tag. Einen anhaltenden E-Book-Boom erwarten viele Wissenschaftler dort sowieso, einen Boom, der bei uns noch nicht einmal begonnen hat. Den Preis für elektronische Bücher ist in China mit nur zehn Prozent des Preises der Papierausgabe (der seinerseits nur zehn Prozent hiesiger Buchpreise beträgt) veranschlagt: Undenkbar in Deutschland, aber in einem Markt, wo es allein dreihundert Millionen Internetnutzer gibt – samt Smartphone-Nutzern dürfte die Milliarde in naher Zukunft erreicht werden -, rechnet sich ein Zwanzig-Cent-Buch eben doch.

In China ist die Digitalisierung des Buchmarktes schon sehr weit fortgeschritten. In Deutschland ist es noch lange nicht so weit. Und ehrlich gesagt, ich bin ganz froh darüber.

Der Leiter der Buchmesse äußert sich

Montag, 28. September 2009

Anlässlich der Diskussionen um Ehrengast China, äußert sich der Direktor der Buchmesse, Jürgen Boos, erstmals selbst in einem offenen Brief auf der Homepage der Buchmesse.

Dort schreibt er:

Der Kompromiss unseres Projektleiters, mit den Autoren Dai Qing und Bei Ling zu sprechen und ihnen eine Alternative zum öffentlichen Auftritt auf dem Symposium nahe zu legen, war falsch. Dafür habe ich mich bei den Autoren und der Öffentlichkeit entschuldigt. Kompromisse zu Lasten der Meinungsfreiheit gibt es mit der Frankfurter Buchmesse nicht.

Den Dialog zu ermöglichen ist nicht einfach. Das war uns immer bewusst. Das Symposium hat dies bestätigt. Der Dialog ist jedoch der richtige und einzige Weg.



China auf der Buchmesse

Freitag, 25. September 2009

Die Meldungen über China als Gastland der Buchmesse überschlagen sich in den letzten Wochen.

Mal dürfen regimekritische Autoren kommen, mal nicht. Mal äußert sich die Buchmesseleitung dazu, mal nicht. Jetzt scheint es sogar so weit, dass China, den auf der Buchmesse nicht gern gesehenen, Autoren die Ausreise verweigert. Ich glaube ich habe so langsam den Überblick verloren, wie vermutlich viele andere auch.

Dann stellt sich nur die Frage:

Aber eigentlich ging es doch hier um die Literatur, oder?!

Internationaler Einspruch gegen Google-Projekt

Mittwoch, 23. September 2009

Am Ende waren es mehr als siebenhundert Einwände und „amicus curiae“-Briefe aus aller Welt, die das, für den Google-Prozess zuständige Bezirksgericht im New York zu prüfen hatte. Aber der gewichtigste kam aus der Hauptstadt: „Statement of Interest of the United States of America“. Das Justizministerium der USA hat Einwände, und zwar ziemlich deutliche. Eigentlich sei das Ziel, Millionen von teilweise vergriffenen Büchern online zugänglich zu machen, begrüßenswert – der Weg dahin, so wie ihn die Vergleichspartner Google und die amerikanischen Verlage und Autorenverbände planten, aber nicht begehbar. Deshalb wird dem Gericht dringend empfohlen, das Google Book Settlement in der vorliegenden Form abzuweisen. Falls nicht, winkt das Ministerium mit dem Kartellrecht, ein Zaunpfahl, den Google nicht übersehen kann.

Mal schauen, ob sich Google jetzt eine neue Möglichkeit ausdenkt, sein Millionen/Milliarden-Projekt doch noch zu verwirklichen. Erstmal scheint es dem Anschein nach, gestoppt zu sein.

 

Brown bricht alle Rekorde

Sonntag, 20. September 2009

Ansturm auf den neuen Dan Brown

Der neue Thriller des amerikanischen Bestsellerautors Dan Brown hat in den Buchgeschäften der englischsprachigen Welt einen Ansturm von Lesern ausgelöst. Seit Erscheinen von „The Lost Symbol“ am vergangenen Dienstag sei das Buch mehr als eine Million mal verkauft worden, wie der Verlag Transworld am Donnerstag in London mitteilte.

Allein in Großbritannien ging der Thriller in den ersten 36 Stunden nach seiner Veröffentlichung mehr als 300.000 Mal über den Ladentisch. Damit verkauften sich in dieser Zeit schon mehr Exemplare des Buches, als bei jeglichen anderen Hardcover-Romanen für Erwachsene auf der Insel. Bislang war der bestverkaufte gebundene Roman für Erwachsene in Großbritannien „Hannibal“ von Thomas Harris, der seit seinem Erscheinen 1999 insgesamt 298.000 Mal verkauft wurde.

Aber irendwie war das ja auch zu erwarten, oder?

Deutscher Buchpreis: Die Finalisten

Donnerstag, 17. September 2009

Die Finalisten für den deutschen Buchpreis stehen nun fest. Nach einer langen Beratung hat die siebenköpfige Jury ihre Longlist auf sechs Romane reduziert. Erstmals ist auch ein Roman aus dem Hause Ch.Beck im Finale dabei.

Die nominierten Romane:

· Rainer Merkel: Lichtjahre entfernt (S. Fischer, März 2009) 

· Herta Müller: Atemschaukel (Hanser, August 2009) 

· Norbert Scheuer: Überm Rauschen (C. H. Beck, Juni 2009)

· Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2009)

· Clemens J. Setz: Die Frequenzen (Residenz, Februar 2009)

· Stephan Thome: Grenzgang (Suhrkamp, August 2009)

Browns neues „Zeichen-Wirrwarr“

Dienstag, 15. September 2009

Fünf Jahre nach dem Bestseller „The Da Vinci Code“ kommt am Dienstag, den 15. September, die Folgegeschichte „The Lost Symbol“ auf den Markt. Über den Inhalt hielten sich Autor und Verlag bisher bedeckt, wohl auch um die Verkaufszahlen anzukurbeln.

Bis zur letzten Minute wollen die Verantwortlichen das Buch unter Verschluss halten. Medien bekamen kein Vorab-Exemplar, um eine Besprechung vorzubereiten. Selbst die rund 50 Verlage im Ausland, die die Übersetzungsrechte erworben haben, müssen sich bis zum Stichtag gedulden. Angeblich durften weltweit bisher erst sechs Menschen das ganze Manuskript lesen – und das auch nur, nachdem sie einen entsprechenden Geheimhaltungsvertrag unterschrieben hatten.

Durchgesickert ist bisher lediglich, dass es – wie in „Sakrileg“ (2003) und zuvor in „Illuminati“ (2000) – erneut um den Harvard-Professor Robert Langdon geht. Die Geschichte soll einen Zeitraum von nur zwölf Stunden umfassen, in Washington angesiedelt sein und sich vor allem um die Freimaurer drehen.

In Deutschland erscheint Dan Browns neues Buch pünktlich zur Buchmesse Mitte Oktober.

Bücher verleihen

Freitag, 11. September 2009

Ich verleihe meine Bücher nur selten, eben aus dem Grund, dass sie meist nur schwerlich und nach häufigem Nachfragen den Weg zu mir zurück finden. Das folgende  Zitat, unbekannter Herkunft bestätigt dies:

Als man einen Gelehrten fragte, warum man wohl geliehene Bücher so selten zurückbekäme, antwortete er: „Weil es leichter ist, die Bücher zu behalten, als das, was drin steht.“ 

Die Legende: Der Kindler

Mittwoch, 09. September 2009

Ein schwerer Brocken: Der neue Kindler, DAS Lexikon der Weltliteratur, erscheint in diesen Tagen in seiner dritten, völlig neu bearbeiteten Auflage. Er wiegt 32,5 Kilogramm. 1500 Mitarbeiter haben insgesamt 21.564 Artikel geschrieben. 13.000 Werke aus 231 Sprachen, von Abchasisch bis Zulu, werden behandelt. Das Lexikon umfasst 18 Bände mit insgesamt 14.760 Seiten. Fünf Jahre wurde daran gearbeitet, jetzt ist es fertig, und man steht davor und staunt. Staunt vor allem darüber, dass es so etwas in Zeiten des Internets noch gibt, und dass der Metzler-Verlag ein solches Unternehmen mit all seinen finanziellen Risiken noch einmal gewagt hat.

Der Kindler ist eine Legende, jeder Literatur-Interessierte kennt ihn, hat darin gelesen. Es ist DAS Buch der Bücher, ein beinahe unendliches Literatrwissen, manche Artikel waren so gut, dass man das besprochene Buch gar nicht mehr lesen musste oder enttäuscht war, wenn man es doch las. Der Verleger Helmut Kindler hatte zwischen 1965 und 1974 die erste Auflage, damals in sieben Bänden, herausgebracht, 1988 folgte die von Walter Jens herausgegebene, völlig überarbeitete zweite Auflage – „der neue Kindler“. Und jetzt also: der ganz neue und hoffentlich nicht letzte Kindler.

Ich selbst besitze die Studienausgabe von 1996 (siehe Bild) und möchte dieses Lexikon in meinem Bücherschrank nicht mehr missen. Auch wenn es schwerwiegendes Wissen ist: Als es beispielsweise per Post geliefert wurde, fragte mich der Bote, ob ich denn Backsteine bestellt hätte.

Kindler

Mit Serife oder ohne?

Samstag, 05. September 2009

Es wird allgemein angenommen, dass Serifen die Leserlichkeit eines (gedruckten) Textes verbessern, daher werden längere Texte üblicherweise in einer Serifenschrift gedruckt. Die bessere Leserlichkeit soll dabei vor allem durch die Betonung der  Grundlinie und Mittellinie einer Schrift durch die Serifen zustandekommen. Serifenlose Schriften werden dagegen eher für kurze Texte und  Überschriften eingesetzt. Eine bekannte Serifen-Schrift ist Times. Eine bekannte serifenlose (sans serife, franz. ohne Füßchen) Schrift ist Helvetica.