Von Esels- und Hundeohren

 

Ein Eselsohr, das ist die eingeknickte Ecke einer Buchseite.

Entweder wurde die Ecke absichtlich eingeknickt und dient so als eine Art Lesezeichen und Markierung, oder sie stammt von einer ungewollten Beschädigung des Buches.

Aber wo kommt diese Bezeichnung her und was hat ein Esel eigentlich mit dem Knick einer Buchseite zu tun?

Der Begriff Eselsohr ist schon ungefähr 350 Jahre alt, er stammt aus dem 17. Jahrhundert und geht auf den Dichter Andreas Gryphius (1616-1664) zurück, der ihn erstmals in einem seiner Verse benutzte und neben anderen Lesezeichen aufzählte.

Der Name kommt wohl von der Form des Knickes, die generell einem Ohr ähnelt, aber komischerweise nicht einem richtigen Eselsohr: Das Ohr eines Esels hat in der Regel überhaupt keinen Knick.

Also warum dann ausgerechnet Eselsohr?

Eigentlich ganz einfach: Der Esel hat hier die Bedeutung eines Schimpfwortes.

Ein Knick in einem vor 350 Jahren noch sehr wertvollem Buch war nämlich zu dieser Zeit verständlicherweise schonmal etwas, über das man schimpfen konnte.

 

In England heißt so ein Knick in der Seite übrigens dog-ear (Hundeohr).

Franziska

2 Antworten zu “Von Esels- und Hundeohren”

  1. Peter sagt:

    Eine Buchseite bewußt so zu malträtieren ist eh ein Frevel.

  2. Franziska sagt:

    Dazu gibt es wohl unterschiedliche Meinungen:

    „Nicht diejenigen haben die Bücher recht lieb, welche sie unberührt in ihren Schränken aufheben, sondern sie Tag und Nacht in den Händen haben, und daher beschmutzet sind, welche Eselsohren darein machen, sie abnutzen und mit Anmerkungen bedecken.“
    Erasmus von Rotterdam

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