Steinmeier eröffnet Thomas-Mann-Haus in Kalifornien

20. Juni 2018

Der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist nach Los Angeles gereist, um dort das Thomas-Mann-Haus zu eröffnen, in dem der Schriftsteller Thomas Mann während des NS-Regimes im Exil lebte. Die Villa soll ein Zentrum des Dialogs werden. Mann bezog die Villa im Jahr 1942 und damals schon wurde sie zum Treffpunkt vieler Intellektueller, wie der Philosoph Theodor Ardorno, der Wissenschaftler Albert Einstein und der Schriftsteller Bertolt Brecht.

Thomas Mann als Schriftsteller

Thomas Mann wurde 1875 in Lübeck geboren und zählt zu den bedeutendsten Erzähler des 20. Jahrhunderts. Sein erster Roman Buddenbrooks erschien im Jahr 1901 und erzählt von dem Verfall einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, der sich über vier Generationen hinweg vollzieht.
1929 erhält mann für seinen ersten Roman den Literaturnobelpreis. Es folgen weitere Novellen und Erzählungen wie Tristan, Der Zauberberg oder Doktor Faustus.
Neben dem Veröffentlichen von Büchern, beschäftigt sich Thomas Mann auch mit aktuellen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Er war ein überzeugter Verteidiger der Weimarer Republik und emigrierte bereits 1933 in die Schweiz, bevor er 1938 in die USA floh.

„Appell an die Vernunft“

Mann beobachtete den Stimmenzuwachs der NSDAP bei der Reichtagswahl 1930 mit Skepsis. Seine Rede Appell an die Vernunft vom 17. Oktober 1930 in Berlin ging als „Deutsche Ansprache“ in die Geschichte ein. Er nannte den Nationalsozialismus „eine Riesenwelle exzentrischer Barbarei und primitiv-massendemokratischer Jahrmarktsrohheit“ mit „Massenkrampf, Budengeläut, Halleluja und derwischmäßigem Wiederholen monotoner Schlagworte, bis alles Schaum vor dem Munde hat“. Er fragte, ob das deutsch sei und ob „das Wunschbild einer primitiven, blutreinen, herzens- und verstandesschlichten, hackenzusammenschlagenden, blauäugig gehorsamen und strammen Biederkeit, diese vollkommene nationale Simplizität in einem reifen, vielerfahrenen Kulturvolk wie dem deutschen“ überhaupt verwirklicht werden könne. Thomas Mann gilt als einer der wichtigsten prominenten Gegnern des Nationalsozialismus.

Auch im Exil kämpfte er, als späterer Freund der Demokratie, weiter für eine demokratische Gesellschaft, gegen das von Adolf Hitler verbreitete Gedankengut und für die Erhaltung der deutschen Kulturnation.
Nachdem er im Jahr 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft annahm, kehrte er 1952 in die Schweiz zurück, wo er 1955 verstarb.

Thomas-Mann-Haus als Begegnungsstätte

Im Jahr 2016 kaufte die Bundesregierung das Haus und rettete es damit vor dem womöglichen Abriss. Für Steinmeier soll es ein alternatives Weißes Haus sein, in dem vorausgedacht und diskutiert wird. In ihm werden Fellows wohnen und arbeiten, die das Haus zu einer Begegnungsstätte werden lassen sollen. Die ersten vier sind der Schauspieler Burghart Klaussner, der Literaturwissenschaftler und große Thomas-Mann-Kenner Heinrich Detering, die Soziologin Jutta Allmendinger und ein Professor für Mikroelektronik namens Yiannos Manoli.

Johann Wolfgang von Goethe

17. Juni 2018

„Die Druckerkunst war schon über hundert Jahre erfunden; dem ungeachtet erschien ein Buch noch als ein Heiliges, wie wir aus dem damaligen Einbande sehen, und so war es dem edlen Dichter lieb und ehrenwert; wir aber broschieren jetzt alles und haben weder vor dem Einbande noch seinem Inhalte Respekt.“

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

TYPO-Fans aufgepasst!

11. Juni 2018

Ihr interessiert euch für Typografie und Plakatgestaltung? Dann solltet ihr euch auf den Weg nach Berlin machen und die Sonderausstellungshalle des Kulturforums am Potsdamer Platz besuchen. Dort findet vom 15. Juni bis zum 8. Juli 2018 die Ausstellung „100 beste Plakate“ statt, in der die von einer internationalen Jury Ende Februar ausgewählten besten Plakate des Jahres 2017 aus dem deutschsprachigen Raum präsentiert werden. Der Verein 100 Beste Plakate e.V. präsentiert die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin.

Es werden verschieden Kategorien, wie Auftragsarbeiten, Autorengrafik und studentische Projektaufträge zu sehen sein, die die hohe Qualität des aktuellen Grafikdesigns unter Beweis stellen.

Solltet ihr es nicht in die Hauptstadt schaffen, könnt ihr die Plakate auch im Jahrbuch „100 beste Plakate 17 Deutschland, Österreich, Schweiz“ bewundern.

Gestaltung: Jakob Mayr und Kilian Wittmann
mit Texten von Jens Müller, Götz Gramlich und Josh Schaub
Verlag: Verlag Kettler
Sprache: deutsch / englisch
Format: 16,5 × 24 cm
Umfang: 288 Seiten
Softcover mit allen 100 Gewinnerplakaten und weiteren Abbildungen
ISBN: 978-3-86206-629-2
Preis: 29,90 €

Das Buch ist im Shop erhältlich.

Den Wettbewerb gibt es bereits seit 50 Jahren und wurde in der DDR entwickelt. Seit 1989 wird er als gesamtdeutscher Wettbewerb durchgeführt und seit 17 Jahren sind auch die Länder Österreich und die Schweiz daran beteiligt.

Die Wanderausstellung wird anschließend noch in Wien, Nürnberg, La Chaux-de-Fonds, Luzern, Essen, Lausanne, Zürich und Genf gezeigt.

Verleihung des ersten Hessischen Verlagspreis

07. Juni 2018

Heute wurden die Sieger des ersten Hessischen Verlagspreis durch den Kunst- und Kulturminister Boris Rhein bekannt gegeben. Der Hauptpreisträger ist der Verlag für grafisches Erzählen ROTOPOL aus Kassel, während der Nachwuchspreis für Gründer an den Büchner-Verlag in Marburg geht.

In Zusammenarbeit hat das Land Hessen mit dem Landesverband Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland des Börsenvereins den Preis zum ersten Mal ins Leben gerufen. Dotiert ist der Hessische Verlagspreis mit 20.000 Euro: Der Hauptpreisträger erhält 15.000 Euro, der Gründerpreis 5.000 Euro.

Boris Rhein sagt dazu: „Uns haben viele Bewerbungen von Verlagen mit sehr unterschiedlichen Schwerpunkten und Konzepten erreicht. ROTOPOL und der Büchner-Verlag konnten die Jury von sich überzeugen. Ich gratuliere den Preisträgern zu diesem Erfolg und bin sicher, dass der Preis dazu beiträgt, die vielversprechende Arbeit der Verlage noch weiter auszubauen.“

Für die Auszeichnung konnten sich alle unabhängigen Verlage bewerben, die ihren Firmensitz in Hessen haben. Hinzu kam die Anforderung, dass der jährliche Umsatz unter 2 Millionen Euro liegt. Jedoch wurde bei den Verlagssparten keine Einschränkungen vorgenommen.

Die Jurybegründung

In der Jurybegründung zum Hauptpreis heißt es: „Mit Rotopol aus Kassel ehrt die Jury einen Verlag mit einer ganz besonderen Ausrichtung, einer außerordentlich klaren Vorstellung vom eigenen Tun und bemerkenswertem Durchhaltevermögen. Das vor zwölf Jahren gegründete und seit elf Jahren an der Kasseler Friedrich-Ebert-Straße ansässige Unternehmen setzt auf grafische Erzählformen und bringt Bücher zwischen Comic und Illustration heraus. Sein ungewöhnliches Geschäftsmodell kreist um die Werkstatt und Ladengalerie des Verlags, setzt auf eine möglichst enge Zusammenarbeit mit den Autoren und sucht mit regelmäßigen Veranstaltungen die Nähe zum Kunden. Rotopol verbindet Verlegerisches, Künstlerisches und Marketing in gekonnter Weise. Die Konsequenz, mit der die beiden derzeitigen Leiterinnen des Unternehmens am einmal eingeschlagenen Weg festhalten, ist beispielhaft für den Umgang mit den Herausforderungen, denen sich die Buchbranche zurzeit gegenübersieht. Rotopol reagiert auf die Veränderungen im Geschäft mit Büchern mit einer Kombination aus Einfallsreichtum, sorgfältiger Arbeit und persönlichem Engagement, die die Branche in Zukunft immer stärker prägen wird. Dieser Verlag will neue Wege gehen und sich und seine Leser überraschen. Es gelingt ihm: Seine Titel sind eine Liebeserklärung an das, was die Künste und die Buchbranche können.“

Die Top Ten der besten Krimis im Juni

03. Juni 2018

Ihr sucht noch nach einem passenden Buch für die warmen Sommertage am See? Deutschlandfunk Kultur präsentiert die zehn besten Krimis für den Juni. Eine Jury aus Kritikern und Kritikerinnen wählt die Bücher mithilfe eines Punktesystems aus, wobei die Titel nicht älter als zwölf Monate sein dürfen. Ebenso fallen Wiederauflagen, Sammelbände oder Anthologien aus der Liste raus.

1. (2) Denise Mina: Blut Salz Wasser
Aus dem Englischen von Zoë Beck
Ariadne im Argument-Verlag, 368 Seiten, 19 Euro

Glasgow, Helensburgh. Wer nimmt den Drogenhändlern ihre Millionen ab – Police Scotland Police oder Metropolitan Police? Das ist der Grund, warum DI Alex Morrow die verschwundene Roxanne sucht. Und auf Frauenleichen stößt. Alex lässt sich nicht beirren, nicht von Bossen, nicht von Gangstern.

2. (-) Dan Chaon: Der Wille zum Bösen
Aus dem Englischen von Kristian Lutze
Heyne, 622 Seiten, 14,99 Euro

Cleveland, Ohio. 1983 werden zwei Elternpaare umgebracht. Der als Mörder verurteilte Rusty wird 2012 freigelassen. Unschuldig. Bruder Dustin, der ihn denunziert hatte, traut seinen Erinnerungen nicht. Hat er selbst gemordet, waren es Satanisten? Faszinierend: Die Welt als Krimi und Wahnvorstellung.

3. (4) Aidan Truhen: Fuck You Very Much
Aus dem Englischen von Sven Koch und Andrea Stumpf
Suhrkamp, 350 Seiten, 14,95 Euro

London. Mit Poltergeist navigiert sich’s prima: Jack Price liefert gänzlich gefahrlos besten Stoff. Bis er auf der Abschussliste der übelsten Killer der Welt landet. Price muss die „Seven Demons“ totquatschen oder umbringen. Irgendwie gelingt ihm beides brillant. Krimi im Wortrausch.

4. (-) Douglas E. Winter: Run
Aus dem Englischen von Peter Mehler
Luzifer, 434 Seiten, 13,95 Euro

Washington, D.C. Burdon Lane ist Abteilungsleiter im Waffengeschäft. Illegales wird mit Legalem getarnt. Bis die Belieferung zweier Gangs in Harlem zum Attentat auf einen schwarzen Prediger genutzt wird. Von da an heißt es „Run“! Alle Freunde sind jetzt Feinde. Höllentripp mit üblen Überraschungen.

5. (10) Graeme Macrae Burnet: Der Unfall auf der A 35
Aus dem Englischen von Claudia Feldmann
Europa, 304 Seiten, 17,90 Euro

Saint-Louis, Dreyecksland, 1982. Ein gewöhnlicher Autounfall. Nur: Dort wo Anwalt Berthelme fuhr, sollte er nicht sein. Sohn Raymond und Kommissar Gorski stöbern im Zwielicht unklarer Abstammungen, im Ungefähren der Geschlechterrollen. Tod als Adoleszenzerfahrung in einer kleinen Stadt.

6. (-) Dominique Manotti: Kesseltreiben
Aus dem Französischen von Iris Konopik
Ariadne bei Argument, 400 Seiten, 20 Euro

Paris, New York, Montreal. Schlaue, ohnmächtige Ermittler. Dumm oder inkompetent: die Regierung in Paris. Der US-Konzern PE will die französische Orstam übernehmen. Die unfairen Mittel des Giganten: Erpressung, Bestechung, Mord. Assistiert von CIA und Justiz. Böses Lehrstück, mit langer Halbwertzeit.

7. (1) Hideo Yokoyama: 64
Aus dem Englischen von Sabine Roth und Nikolaus Stingl
Atrium, 768 Seiten, 28 Euro

„Präfektur D“, 1989, 2002. Vor dreizehn Jahren wurde die siebenjährige Shoko ermordet. Kurz vor der Verjährung soll der Fall noch aufgeklärt werden. Polizeipressechef Mikami kämpft eingeklemmt zwischen Mordermittlern und Bürokraten um Wahrheit und Mitleid. Große Klasse. Nobelpreis für Kriminalliteratur!

8. (9) Philip Kerr: Kalter Frieden
Aus dem Englischen von Axel Merz
Wunderlich, 398 Seiten, 22,95 Euro

Cap Ferrat, Riviera, 1956. Bernie Gunther, Concierge, und Somerset Maugham, weltberühmt, im Malstrom der Geheimdienste. Sexfotos, Erpressungen. KGB, Stasi, MI5 und MI6, Schachzüge und Bridgepartien: Gibt es noch einen Maulwurf bei den Briten? Kerrs Hommage an die britische Spionageliteratur.

9. (-) Joyce Carol Oates: Pik-Bube
Aus dem Englischen von Frauke Czwikla
Droemer, 208 Seiten, 19,99 Euro

Harbourton, New Jersey. Andy Rush sonnt sich: Schönes Haus, engagierte Frau, dickes Auto, Millionen. Bis der „Stephen King für Bildungsbürger“ des Plagiats beschuldigt wird und sich sein garstiges Zweit-Ich, der Pik-Bube, daran macht, den braven Andy zu übernehmen. Spießer-Ego auf Rasierklinge.

10. (-) Friedemann Hahn: Foresta Nera
Polar, 212 Seiten, 16 Euro

Schwarzwald, Rheinufer, Anfang der sechziger Jahre. Schlachtfest, blutwarme Albträume. Wehrmacht, Fremdenlegion, Morden, Wunden – das haben sie hinter sich. Jetzt sind sie neu uniformiert: LKA, BGS, Wehrsportgruppe. Einer nimmt Rache. Andere quälen Frauen. Die Kriege sind nicht zu Ende.

Unwetter in Marburg setzt neue Unibibliothek unter Wasser

31. Mai 2018

Am Dienstag zog ein Unwetter über Mittelhessen und verschonte auch die neue Philipps-Universität in Marburg nicht mit seinen Folgen. Das Wasser drang durch die Lichtschächte, die eigentlich bei einem Brand als Rauchabzug dienen sollen, in das Untergeschoss ein und stand dort etwa zwei Zentimeter hoch. Insgesamt standen 4.500 Quadratmeter unter Wasser.

Am 30. April wurde die 120 Millionen teure Universitätsbibliothek offiziell eröffnet. Das in der Innenstadt liegende Gebäude misst eine Fläche von 18.500 Quadratmetern und umfasst die Zusammenlegung der Bestände von neun geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereichsbibliotheken sowie der Universitätsbibliothek.

Facebook-Appell der Universität

Über Facebook wurden Bürger und Bürgerinnen von der Universität aufgerufen, sich bei den Aufräumungsarbeiten zu beteiligen. Gesucht wurden vor allem Helfer mit Wassersaugern und Nass-Trockensaugern. Zum Glück folgten dem Appell zahlreiche Freiwillige, sodass bis 3.30 Uhr das Wasser mit Hilfe der Feuerwehr entfernt werden konnte. Auch wenn noch nicht alle Aufzüge wieder voll betriebsfähig waren, wurde die Bibliothek am nächsten Morgen um 10 Uhr mit entsprechenden Einschränkungen geöffnet.

Es werde noch etwas dauern, bis der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden kann, erklärte Gabriele Neumann, die Sprecherin der Universität. Vorerst wurden die Ränder der Lichtschächte mit Sandsäcken geschlossen und es werde geprüft, wie man in Zukunft solche Fälle vermeiden könne.

Durch das Wasser wurden vor allem Zeitschriften und Zeitungen beschädigt, wobei der Schaden nur geringfügig sei. Um diese vor einem weiteren Verfall zu schützen, wurden sie eingefroren.

 

Das Atrium der Bibliothek. (Foto: Brigida Gonzalez (c))

Das E-Book auf dem Vormarsch?

27. Mai 2018

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat in Kooperation mit GfK Entertainment die ersten Quartalszahlen von 2018 für den E-Book-Markt veröffentlicht. Es zeigt sich, dass die Zahlen von Absatz, Umsatz und Kaufintensivität von E-Books am Publikumsmarkt (ausgenommen sind Schul- und Fachbücher) deutlich gestiegen sind.

In den ersten drei Monaten 2018 ist der Absatz um 15,3 Prozent und der Umsatz um 6,6 Prozent gewachsen, wobei der Umsatzanteil mit 5,6 Prozent konstant geblieben ist. Ein Grund für die steigenden Zahlen sind vermutlich die in diesem Jahr früher liegenden Osterferien und die damit verbundene Zeit zum Lesen.

Dennoch setzt sich der Trend der sinkenden Preise fort. Der E-Book-Preis ist im Durchschnitt um 7,5 Prozent gefallen.

Auch wurden in der Studie Zahlen zu dem Kaufverhalten der E-Book-Leser erhoben. Aus dem Publikumsbereich wurden im Durchschnitt 4,5 E-Books erworben, wodurch eine Steigerung von 3,1 Prozent im Vergleich zum vorherigen Jahresabschnitt zu vermessen ist. Insgesamt waren 2,1 Millionen Kunden, die mindestens ein E-Book kauften.

Die Quartalszahlen sind als Infografiken auch unter www.boersenverein.de/ebook-markt abrufbar.

Literarische Veranstaltungen in Frankfurt: Juni

23. Mai 2018

Eine kleine Auswahl des literarischen Veranstaltungskalender in Frankfurt mit Lesungen, Vorträgen und vielem mehr….

4. – 10.6.: literaTurm 2018

Das 9. Literaturfestival FrankfurtRheinMain findet vom 4. bis 10. Juni 2018 in Frankfurt und dem Rhein-Main-Gebiet statt.

Anfang Juni veranstaltet die Stadt Frankfurt das biennale Literaturfestival literaTurm, dessen moderierte Lesungen mit internationalen und deutschsprachigen Autoren in Frankfurts Bürotürmen stattfinden. Auch an ausgewählten Orten der Region ist literaTurm zu Gast. Neben den besonderen Veranstaltungsräumen zeichnet sich das Festival durch seine thematische Schwerpunktsetzung aus – in diesem Jahr mit Biographien der Sparten Sachbuch und Belletristik. Maria Theresias Leben als Kaiserin von Österreich wird ebenso vorgestellt wie der Lebensweg von Karl Marx; mit Felicitas Hoppe, Ulrike Edschmid und Andreas Maier sind zudem Schriftsteller dabei, deren Romane einen autobiographischen Hintergrund aufweisen.

Informationen, Programm und Tickets auf www.literaturm.de 

11.6., 19.30 Uhr: Ingeborg Bachmann – Ich existiere nur, wenn ich schreibe

Wie wir wurden, wer wir sind – Deutsche Biografien
Ingeborg Bachmann – Ich existiere nur, wenn ich schreibe
Vortrag von Dr. Ina Hartwig (Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt)
Ort: Zentralbibliothek
Eintritt frei

Die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann steht im Zentrum der deutschen Nachkriegsliteratur. In ihrem Werk repräsentiert sie den geistigen Horizont einer Zeit vor dem kulturellen Aufbruch.

13.6., 20 Uhr: Auswärtsspiel

Annika Scheffel „Hier ist es schön“
Moderation: Björn Jager
Ort: Hessisches Literaturforum im Mousonturm in der Romanfabrik
Eintritt: 7,- / 4,- (VVK) // 8,- /5,- (AK)
Erst Castingshow, dann Space Odyssey. So ist der Plan – bis ein Roadmovie dazwischenkommt. Dabei sind Irma und Sam „Hoffnungsträger“. Vor einem Millionenpublikum haben sie es ins Finale geschafft. Abgeschottet von der Außenwelt, werden sie in einer „Arena“ zehn Jahre lang darauf vorbereitet, zu den Sternen zu fliegen. Der Erde droht die Apokalypse. Die Rettung ist ein ferner Planet. Doch kurz vor dem Abflug entdeckt Sam eine Karte zu einem Ort, um den sich Mythen ranken: „Die letzte Insel. Niemand weiß genau, was dort ist, ob noch jemand dort lebt.“ Die erste heiße Spur, seit er den anonymen Brief („Die Insel. Ich warte dort.“) in seinem Koffer gefunden hat. Sam, eine Mischung aus Parzival und Kaspar Hauser, „der angespült wurde“, bricht aus: „Die Welt ist schön, und alles, was er kennt, ist Linoleum.“ Und Irma folgt ihm. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, immer die Straße lang, die Frage nach der eigenen Herkunft im Visier. Seltsam nur, dass ihre Verfolger, die Wächter und Ausbilder mit den Pestmasken, auf sich warten lassen. Was als One-Way-Briefroman beginnt, entwickelt sich zu einem zart erzählten Abenteuer, getragen vom Glauben an eine Utopie. In Hier ist es schön, ausgezeichnet mit dem Robert Gernhardt Preis, lotet Annika Scheffel aus, inwieweit der Mensch Illusionen braucht, um sich Hoffnungen machen zu können.

Annika Scheffel, 1983 in Hannover geboren, ist Prosa- und Drehbuchautorin. Für ihre Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar 2013 und dem Robert Gernhardt Preis 2015. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

In Kooperation mit der Romanfabrik.

17.6., 14 Uhr: Goethe war ein Egoist?

Der etwas andere Literaturspaziergang zu Frankfurts Dichterfürsten
Start: Gutenberg-Denkmal, Roßmarkt
Teilnahmegebühr: 15,-

Am Sonntag, den 17. Juni, lädt der Literaturbetrieb e.V. zu einem Literaturspaziergang ein durch die Frankfurter Innenstadt auf den Spuren von Goethes Gegnern. Der Spaziergang dauert zwei Stunden und beginnt um 14.00 Uhr am Gutenberg-Denkmal, Roßmarkt.

War Goethe ein „leichter Lebemensch“, ein „Aristokratenknecht“ oder gar ein „Egoist in ungewöhnlichem Grade“? Auf dem Spaziergang beleuchten kritische Stimmen von Heinrich Heine über Thomas Mann bis zu zeitgenössischen Autoren die Schattenseiten Goethes. So entsteht auf dem Weg durch die Innenstadt durch Briefe, Gedichte und Geschichten ein völlig neues Bild von Frankfurts berühmtem „Dichterfürsten“. Der Verein Literaturbetrieb e.V. ist eine Initiative von Studierenden und Alumni der Goethe-Universität und wurde 2006 gegründet. Er veranstaltet außergewöhnliche Lesungen sowie Hörbuchabende, Literatur-Reisen und literarische Spaziergänge. Zum Angebot gehören auch der „Bühnentrieb“, eine offene Bühne für Literatur und Musik, und die Lesungsreihe „Literatur à la carte“. Außerdem ist der Verein Mitveranstalter des „Langen Tags der Bücher“.

19.6., 19.30 Uhr: Auf keiner Skala von 1 bis 10

Jubiläumslesung des sexyunderground: Auf keiner Skala von 1 bis 10
Mit Franz Geilich, Felicitas Hubert, Samuel Kramer, Caroline Pfeffer, Martin Piekar und Leon Steurer
Moderation: Yevgeniy Breyger
Ort: Literaturhaus Frankfurt
Eintritt: 5,- / 3,-
10 Jahre sexyunderground: Neue literarische Stimmen aus Frankfurt und Umgebung
Beim sexyunderground geht es vor allem um eines: Schreiben. Da werkeln, basteln, schrauben und drehen Jungautoren an eigenen Texten. Hierfür treffen sie sich bereits seit 2008 regelmäßig im Literaturhaus Frankfurt und führen weiter, was im „Schreibzimmer“, der jährlichen Schreibwerkstatt für Jugendliche, seinen Anfang nimmt. Aber nicht nur dort. Die Ergebnisse dieser Treffen stellen sie auch in diesem Jahr bei ihrer gemeinsamen Lesung im Literaturhaus vor. Das bedeutet: Neue Lyrik und Prosa aus dem Untergrund. Es lesen: Franz Geilich, Felicitas Hubert, Samuel Kramer, Caroline Pfeffer, Martin Piekar, Leon Steurer. Durch den Abend führt der Lyriker Yevgeniy Breyger, der auch selbst in den Jahren 2008 und 2009 am Schreibzimmer teilgenommen hat.

20.6., 18.30 Uhr: „Ausgeplündert und verwaltet. Geschichten vom legalisierten Raub an Juden in Hessen“

Buchpräsentation mit den Autoren Bettina Leder, Christoph Schneider und Katharina Stengel
Lesung: Helge Heynold
Ort: Historisches Museum Frankfurt
Eintritt frei

Das Buch enthält rund 100 Geschichten jüdischer Familien, die in Hessen und Rheinhessen ansässig waren. Sie handeln von Armen und Reichen, Jungen und Alten, von Studenten, Bauern, Kaufleuten, Intellektuellen, Arbeitern, Schülern; von Menschen, die sehr unterschiedlich dachten, glaubten und lebten. Wir fanden ihre Spuren in den Akten der Finanzverwaltung, die ab 1933 penibel den Besitz einer jeden Jüdin und eines jeden Juden registrierte, um ihn dann zu enteignen. Das Buch geht zurück auf Recherchen im Rahmen der Ausstellung „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945“, die 16 Jahre lang durch Hessen und Rheinhessen wanderte und an 30 Ausstellungsorten mit einem jeweils neuen regionalen Schwerpunkt zur Ausplünderung der Bevölkerung am Ausstellungsort zu sehen war.

Im Rahmen der Ausstellung „Legalisierter Raub. Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933–1945“ (ab 17. Mai 2018)

Eine Veranstaltung des Fritz Bauer Instituts, gefördert von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V.

Die Texte, Informationen und weitere Veranstaltungen finden Sie hier.

 

Das etwas andere Buch – das „Posterbook“

14. Mai 2018

Das Posterbook ist kein gewöhnliches Buch. Das Besondere an der limitierten Publikation mit dem Titel „Nevertheless. 17 Manifestos Issue No 2“ ist die Möglichkeit, alle Doppelseiten als Poster herausnehmen zu können.

Die Hochschule für Künste Bremen (HfK) präsentiert „Manifestos“ als Plattform für Medienwissenschaften, an der Studenten, Lehrer und Wissenschaftler mitarbeiten und beteiligt sind. Es werden Beiträge verfasst, die zum Diskurs anregen sollen. Dabei hat jede Ausgabe einen eigenen Schwerpunkt und beleuchtet kritische Fragen und Aspekte.

„Nevertheless. 17 Manifestos Issue No 2“ umfasst 80 Seiten und wurde von Andrea Sick publiziert, wobei sich unterschiedliche Autoren an den Texten beteiligt haben. Erschienen ist das Buch im Textem Verlag. Die Auflage ist auf 300 Stück limitiert und einzeln von Hand nummeriert. Wer vor dem Kauf einen Blick in das Buch werfen will, kann dies auch online tun. Die komplette Ausgabe ist als PDF-Datei zum Download erhältlich. Analog oder digital – es lohnt sich.

Ab dem 10. Mai im Kino: „Der Buchladen der Florence Green“

10. Mai 2018

Der Film erzählt die Geschichte der verwitweten Florence Green, die in dem kleinen Küstenort Hardborough in England einen Buchladen eröffnet. Zu dieser Zeit, Ende der 50er, stehen die Arbeiter dem Lesen skeptisch gegenüber und die Aristokratie gibt vor, was Hochkultur ist. Die Eröffnung des Buchladens ist Florence Greens größter Traum, aber nicht alle in dem Städtchen sind von den dort zu erhaltenen Werke überzeugt. Mit progressiven Büchern wie „Lolita“ oder „Fahrenheit 451“ stößt Florence Green vor allem bei der Dame des Dorfes auf Widerstand.
Doch die Literaturliebhaberin hat ihr gesamtes Vermögen in den Laden investiert und hält an ihrer Leidenschaft und ihrer Idee fest. Es entsteht eine Auseinandersetzung über Moderne und Konvention und der Kampf um einen Traum.

„Die Buchhandlung der Florence Green“ ist eine Hommage ans Lesen und an die Literatur

Der Film ist eine Adaption des Romans „Die Buchhandlung“ (1978) von Penelope Fritzgerald und wurde bereits auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Preis für die Beste internationale Literaturverfilmung 2017 ausgezeichnet. Außerdem erhielt er bei der Verleihung der Goya Awards 2018 drei Goyas in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“.