Archiv für die Kategorie ‘Lesen’

Vorlesetag 2011

Mittwoch, 21. September 2011

Auch dieses Jahr findet der 8. bundesweite Vorlesetag am 18. November statt. Jährlich rufen die Initiatoren “Die Zeit” und “Die Deutsche Bahn” zusammen mit der Stiftung Lesen alle die die Spaß am Lesen haben dazu auf, auch andere für Bücher zu begeistern und ihnen vorzulesen. Dies kann sowohl im kleinen Rahmen zu Hause auf der Couch, oder aber auch in der Öffentlichkeit, in Kindergärten, Schulen, Bibliotheken oder Buchhandlungen geschehen. So berichtet die Stiftung Lesen im vergangenen Jahr von 9.000 teilnehmenden Vorlesern und Vorleserinnen.

Veranstaltungen anlässlich des Vorlesetags können unter http://www.vorlesetag.de/ vorgenommen werden. Außerdem gibt es eine von der Stiftung Lesen herausgegebene Liste mit Buchempfehlungen für den Vorlesetag, welche die Interessen von Kindern zwischen einem und 14 Jahren berücksichtigt. Diese ist unter http://www.wirlesenvor.de/uploads/media/Buecherempfehlungen_fuer_den_Vorlesetag_2011.pdf zu finden.

 

Ein atemloses Meisterwerk der Literatur, oder doch nur heiße Luft? Eine Rezension zu Helene Hegemanns „Axolotl Roadkill“

Dienstag, 05. Juli 2011

Axolotl – eine aquatil lebende Schwanzlurchart, die nie die Metamorphose durchläuft und somit ein Leben lang im Larvenstadium verweilt.

Aber warum genau wählt die äußerst junge Autorin Helene Hegemann ausgerechnet dieses seltsam anmutende Geschöpf als Haustier für ihre Protagonistin und misst ihm sogar die bedeutende Rolle des Titelträgers des Romans bei? Gibt sie einfach nur ein Beispiel für die ewige Jugend, oder  protestiert sie vielleicht doch gegen die Welt der Erwachsenen, oder vielmehr gegen deren typischen Verhaltens- und Sichtweisen?

Die 16-jährige Mifti hat schlechte Erfahrungen mit ihr nahestehenden erwachsenen Menschen gemacht und verachtet nunmehr alle die, die das Jugendalter zumindest geistig hinter sich gelassen haben. „Zwischenwelten sind mein einziger Bezug zur Wirklichkeit, zur Wahrheit will ich fast sagen, ach, und nach jahrelangen Duldungsphasen der absolute Zugriff aufs Leben“(S.33), sagt sie selbst und erklärt somit ihre häufigen Ausflüchte in die Welt, in der wilde Partys mit jeder Menge Alkohol, fast schon tierische Züge annehmendem Sex, und heftigen Drogenexzessen, bis hin zum totalen Realitätsverlust, die Hauptrolle spielen. Dabei sieht sie sich selbst als Opfer. Aber auch das ist sie natürlich nicht selbst Schuld, denn sie sagt: „Dieser Planet ist so gemacht, dass es nur noch Platz für Opfer gibt. Die Menschen haben es verlernt zu leiden.“(S.41). Sie, die so viel Gesellschaftskritik übt, gesteht sich mit dieser Aussage ein, selbst ein Teil eben dieser zu sein und nicht herauszustechen, obwohl sie versucht dieses mit allen Mitteln zu erreichen. Dies ist nur einer der Widersprüche die im Roman und speziell bei der Protagonistin zu finden sind. Die sehr vulgäre und wohl jugendliche Sprache wird immer wieder von spezifischen Fachvokabular und kompliziert verschachtelten Sätzen durchkreuzt, sodass man nicht so ganz glauben kann, dass diese von einem jungen Mädchen stammen, welches die Schule verweigert und sich auch ansonsten gegen das erwachsenwerde sträubt. Der bewundernde Ausruf Ophelias: „Wie du immer mal wieder <<sozusagen>> am Satzende anbaust, überhaupt dieser Trick, mit Füllwörtern intellektuelle Sätze verworren und atemlos zu machen – beeindruckend, Mifti!“ (S. 43) könnte genauso auch an Helene Hegemann selbst gerichtet werden. Aber auch wenn diese sprachliche Eigenschaft die der Protagonisten zugesprochen wird auf den ersten Blick beeindruckend wird, wirkt sie mit der Zeit eher aufgesetzt und künstlich. Und wie zur Bestätigung dieses Eindruckes äußert sich auch Mifti dahingehend, dass diese Sprache nichts mit ihrer Persönlichkeit zu tun hat. Sie spricht von einer Sprache, die ihr einverleibt wurde und nicht die Ihrige ist (vgl. S. 47).

So fragt man sich auch; Ist das Helene Hegemanns Sprache, oder versucht sie mit aller Gewalt eine Sprache zu konstruieren, mit der sie im wirklichen Leben nicht konfrontiert wird? Denn die junge Autorin lässt sich nicht von ihrem direkten Umfeld inspirieren, sondern von einem Blogger aus dem Internet. Ist es möglich von einem aufsteigenden Stern am deutschen Literaturhimmel zu sprechen, wenn dieser passagenweise Wort für Wort zitiert, ohne dies kenntlich zu machen? In dem strittigen Werk selbst stellt Hegemann in einem Gespräch zwischen Mifti und ihrem Bruder eine mögliche Sichtweise auf die Thematik dar. „Ich bediene mich überall, wo ich Inspiration finde und beflügelt werde, Mifti.“, antwortet der Bruder auf die Frage, ob ein bestimmter Slogan von ihm sei. „(…) weil meine Arbeit und mein Diebstahl authentisch werden, sobald etwas meine Seele berührt. Es ist egal, woher ich die Dinge nehme, wichtig ist, wohin ich sie trage. Es ist also nicht von dir? Nein. Von so´ nem Blogger.“ (S. 13).

Helene Hegemanns Roman wirkt trotz vulgärer und Ausdrucksweise und Jugendjargon sehr intellektuell, wobei ähnlich wie bei der Hauptfigur Mifti, häufig zwischen Realität und Fiktion und Schein und Sein unterschieden werden muss.

 

Die Lyrik der Gegenwart

Donnerstag, 30. Juni 2011

Die Lyrik der Gegenwart ist nur schwer zu definieren und in der Eingrenzung sehr problematisch. Etablierte Dichter wie Günter Grass oder Wolf Biermann veröffentlichen nach wie vor neue Gedichte und bringen sogar Lyrikbände auf den Markt. Aber sind diese „alten Herren“ auch Vertreter der Gegenwartslyrik? Viele, vor allem jüngere Poeten grenzen sich von diesen ab und schaffen somit eine junge Lyrikszene. Dies geht sogar soweit, dass in Anthologien oder Literaturzeitschriften Altersgrenzen für die Autoren der gegenwärtigen Lyrik festgesetzt werden. Diese sind zwar nicht unbedingt bindend, suggerieren aber dennoch eine gewisse Exklusivität. In den meisten Fällen liegt diese fiktive Altersgrenze bei den Geburtsjahrgängen zwischen 1970 und 1975.

Allerdings scheint der Markt für moderne Lyrik nur klein zu sein. Vermutungen gehen soweit, dass es wohl mehr Verfasser von Gedichten gibt als Leser. Dies zwingt die Autoren dazu sich eine neue Form der Vermittlung ihrer Gedichte zu suchen. Mit der Integration des Internets in unseren Alltag und den etwa 2000 beginnenden Erfolg dessen, gelang es den Dichtern sich besser zu vernetzen undsich über ihr Schaffen in ausgewählten Foren auszutauschen. So wurde beispielsweise die 2005 gegründete Seite “poetenladen.de” zu einer der einflussreichsten Institutionen. Hier können junge Nachwuchsautoren ihre Gedichte einreichen und auf eine Veröffentlichung und Aufnahme in den Feuilleton für moderne Lyrik hoffen.

Viele Lyriker veröffentlichen ihre Werke zwar nicht mehr mittels Lyrikbänden, aber dennoch in gedruckter Form  in Literaturzeitschriften, von denen einige in den letzten zehn Jahren gegründet wurden. Hier zu nennen sind die 2001 gegründete ‘Bella triste’, das 2005 ins Leben gerufenen ‘poet mag’, oder die seit 2009 bestehende Hamburger ‘randnummer’. Auch auf moderne Literatur, insbesondere moderne Lyrik spezialisierte Verlage wie kookbooks und yedermann haben sich in jüngster Zeit gegründet.

In den letzten Jahren entstanden zudem diverse Anthologien die sich an einer Bestandsaufnahme zur modernen Lyrik versuchten. Charakteristisch für diese sind die bereits erwähnte Altersgrenze und der Umstand, dass die meisten Anthologien von ebenfalls jungen Dichtern herausgegeben wurden. Nennenswert sind etwa „Lyrik von Jetzt 1 & 2“ (2003/2008, DuMont und Berlin Verlag, herausgegeben von Jan Wagner und Björn Kuhligk), oder „Neubuch. Neue junge Lyrik“ (2008 im yedermann Verlag erschienen und von Ron Winkler herausgegeben).

 

Münchener Bücherschau 2011

Mittwoch, 29. Juni 2011

Vom 10. bis 27. November 2011 findet die 52. Münchener Bücherschau statt. In diesen 18 Tagen können  sich Literatur- und Buchinteressierte täglich von 8.00 bis 23.00 Uhr kostenlos auf der Ausstellung umschauen und in Büchern schmökern. In den Anfängen der Bücherschau, wurden ausschließlich die Erzeugnisse bayrischer Verlage im Münchener Stadtmuseum am Jakobsplatz ausgestellt. Doch bald schon wurde das Interesse und der Besucherandrang so groß, dass die Ausstellung zunächst ins Haus der Kunst und schließlich in ihren aktuellen Standort, das Kulturzentrum am Gasteig, verlagert wurde. Die Besucherzahl wächst stetig weiter und so wurden aus den anfänglich 20.000 Besuchern inzwischen mehr als 150.000 Besuchern jährlich. Diese Entwicklung fand nicht zuletzt aufgrund der Aktionen die auf der Bücherschau in München angeboten werden. So gibt es beispielsweise Vorlesewettbewerbe zwischen Großmüttern oder verschiedenen Dialekten des gesamten deutschen Sprachraums.

Auch diesen Herbst wird den Besuchern wieder einiges geboten. Rund 300 Verlage präsentieren ihre ca. 20.000 Titel aus sämtlichen Sparten. Dabei werden Romane  genauso ausgestellt wie Kinder- und Jugendliteratur, Sachbücher, Kochbücher, oder Reiseliteratur. Auch Hörbücher finden seit 1998 in der sogenannten “Hörbar” ihre Aufmerksamkeit. Außerdem wird ein interessantes Rahmenprogramm mit Lesungen bekannter Autorinnen und Autoren, sowie zahlreichen Podiumsdiskussionen geplant.

 



Daniel Kehlmann: “Die Vermessung der Welt”

Donnerstag, 12. Mai 2011

In seinem Werk „Die Vermessung der Welt“ stellt Daniel Kehlmann die beiden historisch sehr bedeutsamen Figuren Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß in den Mittelpunkt des Geschehens. Auch wenn im Klappentext darauf hingewiesen wird, dass der Autor ein „(…) raffiniertes Spiel, mit Fakten und Fiktionen (…)“ treibt, ist es für den Leser kaum ersichtlich, wann reale Gegebenheiten berichtet werden, oder wann Fiktionendie Oberhand gewinnen. Deshalb sollte jedem bewusst sein, dass es sich nicht um einen historischen Roman, aber viel weniger noch um eine Biografie der Wissenschaftler handelt. Wird nämlich die wirklich klein gedruckte Gattungsbezeichnung „Roman“ übersehen, welche geschickt in das Cover eingebunden wurde, oder wird auf die Sortierkunst der Büchereien vertraut, in denen das Werk auch durchaus zwischen wirlichen Biografien zu finden ist, kann es schnell zu Verwechslungen und Fehlschlüssen kommen. Der geschulte Leser wird allerdings immer wieder Hinweise finden, die ihm deutlich zeigen, dass nicht alles das, was geschrieben ist, auch tatsächlich der Wahrheit entspricht, denn wie genau sollte Kehlmann wissen, was Gauß und Humboldt gedacht haben, oder was in Briefen geschrieben stand, die sie verwarfen und folglich nie abgeschickt haben?

Wurde der Schwebezustand zwischen Fiktion und Realität aber erst einmal überwunden und akzeptiert, dass nicht immer genau nachzuvollziehen ist, was stimmt und was nicht, wird ersichtlich, dass diese Erkenntnis im Grunde genommen auch irrelevant für Handlung und Lesespaß ist. Wichtig ist nur zu sehen, dass sich hinter diesen Persönlichkeiten, die jeder zu kennen meint, ganz “normale” Menschen, mit sympathischen Stärken und Schwächen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, verbergen.

Der junge Autorsetzt aber nicht nur Humboldt und Gauss, sondern auch sich selbst ein mit viel Selbstironie behaftetes Denkmal, wenn er bereits auf der dritten Seite Gauß über die Zukunft, sprich die heutige Gegenwart, sinnieren und sagen lässt, dass „(…) jeder Dummkopf in zweihundert Jahren sich über ihn lustig machen und absurden Unsinn über seine Person erfinden könne“.

Beim Lesen einschlafen

Donnerstag, 25. November 2010

“Das Lesen im Bett zeugt von völliger Hingabe an die Kunst: Man überlässt es dem Dichter, wann man einschläft.”

Ernst R. Hauschka

Mit Serife oder ohne?

Samstag, 05. September 2009

Es wird allgemein angenommen, dass Serifen die Leserlichkeit eines (gedruckten) Textes verbessern, daher werden längere Texte üblicherweise in einer Serifenschrift gedruckt. Die bessere Leserlichkeit soll dabei vor allem durch die Betonung der  Grundlinie und Mittellinie einer Schrift durch die Serifen zustandekommen. Serifenlose Schriften werden dagegen eher für kurze Texte und  Überschriften eingesetzt. Eine bekannte Serifen-Schrift ist Times. Eine bekannte serifenlose (sans serife, franz. ohne Füßchen) Schrift ist Helvetica.

Der Kanon

Sonntag, 12. Juli 2009

Wie entsteht eigentlich so ein Literaturkanon der wichtigen, bedeutenden Werke, die man mal gelesen haben sollte?

Die wichtigste Rolle spielt hier wohl die Literaturwissenschaft. Sie rezipiert, kritisiert und beurteilt Werke und bestimmt so, welche in einen Kanon, zum Beispiel für den Schulunterricht, aufgenommen werden. Zur Literaturwissenschaft gehört hier auch die Literaturkritik, die mit ihren Urteilen maßgeblich beeinflusst, welche Werke gelesen werden. Dies gilt natürlich auch für die moderne Literatur. Aber im Gegensatz zu der Literatur aus den vergangenen Epochen, spiel heute auch das Verlagsmarketing beim Einzug in einen Kanon eine entscheidende Rolle: Je stärker und besser ein Buch beworben wird, desto eher wird es gelesen und landet natürlich auf den Bestsellerlisten des Landes. Und von diesen Listen meist direkt im Kanon bekannter und lesenswerter Bücher der heutigen Zeit.

Leser aus Parallelwelten

Montag, 06. Juli 2009

Viele Jugend- und auch Erwachsenenbüchern handeln momentan von Lesern aus fiktiven Welten oder auch Tieren aus unserer Welt, die sich das Lesen beigebracht haben.

Da gibt es zum Beispiel die Ratte Firmin aus einem Roman von Sam Savage, die im Keller einer alten Buchhandlung in Boston geboren wird und sich selbst das Lesen beibringt. Sie frisst später sogar die Bücher und kann sich an alle Inhalte exakt erinnern, da ihr Gehirn viel größer ist, als das einer normalen Ratte.

Außerdem gibt es noch die “Stadt der träumenden Bücher” von Walter Moers, in der sich wirklich alles nur um Literatur dreht, Fabelwesen leben und Drachen zu Dichtern werden. Dort gibt es Bücherjäger die nach bibliophilen, antiquarischen Schätzen gieren und nach ihnen ein unterirdisches Ladyrinth durchsuchen, genauso wie Touristen die sich in den tausenden von Antiquariaten tummeln.

Von Cornelia Funke gibt es weiterhin die ‘Tinten-Triologie’ in der sich die Menschen einfach so, mit einer magischen Zunge, in die Geschichten der Bücher lesen können, oder Gestalten aus ihnen in die eigene Welt holen können.

Diese magischen Bücher über das Lesen und über etwas ungewöhnliche Leser liegen gerade voll im Trend und zeigen die Faszination, die das Lesen für einige Menschen ausmacht.

Dem Leser auf der Spur II

Dienstag, 02. Juni 2009

Hier mal eine Studie über die Zeit, die pro Tag noch durchschnittlich zum Lesen benutzt wird, nach Alter geordnet.

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