Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’

Die Buchbinder-Zunft

Mittwoch, 05. Januar 2011

Ehe sich das Buchwesen in einem größeren Masstab zu entwickeln begann, war der Zusammenschluss zu Zünften, wie im Spätmittelalters üblich, schon im wesentlichen zum Abschluss gelangt.
Daher dauerte der Prozess der Eingliederung des Buchbindewesens in die Zünfte etwas länger, zumal die Grenzen der einzelnen Buchgewerbe nicht scharf genug getrennt werden konnten. Solange die Arbeitsteilung im Buchgewerbe aber nicht feststand, so lange weigerten sich die Städte, das noch freie und ungeschützte Gewerbe in ein gebundenes und bevorrechtigtes umzuwandeln.
In diesen Auseinandersetzungen geriet der Buchbinder zeitweise in Gefahr, zum Lohnabhängigen des Verlegers oder Druckers zu werden, die fertig gebundene Bücher auf den Markt bringen wollten.

Waren die Buchbinder vorher gegebenenfalls in andere Gilden eingegliedert, wie zum Beispiel in Paris und London ( zusammen mit den Händlern, Schreibern und Illuminatoren) so vollzog sich die Entwicklung des Buchbinders zu einem zünftigen Beruf im 16. Jahrhundert. Oft genug ging dabei die Initiative von den Handwerkern selbst aus. Diese wollten ihre gewerbliche Eigenverwaltung erhalten, gegen wirtschaftliche Konkurrenz vorgehen, und hatten Sorge, als unzünftiges Handwerk nicht genug Gesellen zu erhalten.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts werden die Buchbinderzünfte im deutschsprachigen Raum häufiger und im Laufe des 17. Jahrhunderts sind schließlich fast alle Buchbinder zünftig eingebunden.

Blick in eine alte Buchbinderei – Die Heftlade

Samstag, 25. Dezember 2010

Die gefalzten Bögen wurden, nach dem Vorrichten, auf der Heftlade zusammen geheftet. In dieser hölzernen Hilfsapparatur mit einem verstellbarem Oberbalken wurde eine Kordel entsprechend der Hefteinteilung gespannt und die Lagen dann mit Nadel und Zwirn geheftet.

Der Bucheinband in der Geschichte: Der Prachteinband des Mittelalters

Mittwoch, 26. Mai 2010

Zu jeder Zeit gab es, neben den einfachen gebrauchsorientierten Einbänden für Bücher, prunkvollere, reich verzierte Prachteinbände. Das Mittelalter mit seiner enormen Bedeutung sakraler und religiösen Literatur brachte in dieser Hinsicht ganz besonders hervorstechende Beispiele hervor.

Kirchliche Prachteinbände waren Spiegel der christlichen Macht und wurden deshalb mit den edelsten Materialien, wie beispielsweise Elfenbein, Email, Edelmetallen, Edelsteinen und kostbaren Stoffen geschmückt. Der Buchbinder selbst übernahm meist nur den technischen Teil der Arbeit mit Heftung des Buchblocks und Befestigung der Buchdeckel. Die weiteren Arbeiten wurden je nachdem von speziell ausgebildeten Goldschmieden und Emailleuren, Metallarbeitern und Schnitzern oder auch Malern übernommen.

Eine der ältesten Techniken der eigenständigen Verzierung hingegen waren Goldschmiedarbeiten. Teilweise wurden sogar Holzdeckel ganz mit Goldblech verkleidet. Mittelalterliche Prachteinbände lassen sich in mehrere große Gruppen einteilen, die sich nach den unterschiedlichen Gestaltungselement richten. Die Kreuzform spielte in vielen Fällen der Verzierung eine entscheidende Rolle.

Während sich die Einbände der karolingischen Zeit oft noch durch auftragende Verzierungen auszeichnen, ging man im 11. und 12. Jahrhundert zu einem eher flächenhaften Stil der Gestaltung über. Gravierte oder durchbrochene Metallplatten lösten die plastischeren Treibarbeiten ab. Oft verwendete man dafür Kupfer, das nachträglich vergoldet wurde. Auch Holzschnitzereien sind aus dieser Zeit überliefert.

Die Prachteinbände der Gotik waren weniger geistlich und mehr weltlich bestimmt. Zwar wurden weiter Gebets- und Erbauungsbücher prunkvoll verziert, doch anders als zuvor waren sie nicht ausschließlich für die Kirche und Gottesdienste, sondern für den privaten Gebrauch bestimmt. Bewegt durch die drei Kreuzzüge, entstand eine große Zahl an Einbänden mit Darstellungen von Kreuzigungsszenen. Zunehmend verwendete man Bezüge aus edlen Stoffen, wie Samt, Brokat oder Seide.

Der Bucheinband in der Geschichte: Die Anfänge

Montag, 17. Mai 2010

Die Entwicklung des Bucheinbands verlief neben der Entwicklung der heutigen Buchform. Für das erste nachchristliche Jahrhundert sind erstmals Bücher belegt, die  aus wenigen Lagen Pergament bestehen, zusammengehalten wurden sie durch Schnüre im Falz und geschützt durch einen simplen Einband aus Holztafeln. Der Kodex wurde erst mit dem 4. Jahrhundert n. Chr.  vorherrschend in der Form des Bucheinbands.

Die ältesten, heute erhaltenen Bucheinbände stammen aus Ägypten. Die Grundlage dieses Einband bildete eine Kartonage aus Papyrus, die in einen Bezug aus Ziegenleder eingeschlagen wurde. Geheftet wurde das Buch durch dünne Lederriemen. Zum Verschließen ließ man den Bezugsstoff an der linken Seite des Vorderdeckels in einen dreieckigen Lappen auslaufen, der dann wieder um den Kodex herumgeschlagen werden konnte.

Aufgrund des beschränkten Umfangs einlagiger codices begannen sich schnell mehrlagige durchzusetzen, bei denen die Lagen einzeln geheftet und im Rücken des Buches miteinander vernäht wurden. Dann erst erfolgte durch Ankleben die Verbindung mit dem Einband.

Das Blockbuch

Dienstag, 11. Mai 2010

Ein Blockbuch ist ein von Holzstöcken gedrucktes Werk in Bild und Text. Die Formen des Blockbuches, die in Europa üblich waren, unterscheiden sich etwas von der asiatischen Form des Blockbuches. Die Datierung der europäischen Form erstreckt sich auf das 15. Jahrhundert, von einigen Wissenschaftlern wird sie schon vor der Weiterentwicklung der Buchdruckkunst durch Gutenberg um 1420 angesetzt, andere plädieren für einen späteren Zeitpunkt. Sie erlosch um 1530. Die asiatischen Formen sind wesentlich älter.

Von der europäischen Form sind heute 33 Werke, meist religiöse Erbauungsliteratur, in über 100 verschiedenen Ausgaben bekannt. Als Heimat der Blockbücher gelten die Niederlande und der Oberrhein (Basel, vielleicht auch Straßburg). Sie ist zu sehen im Zusammenhang mit den sonstigen Bemühungen des 15. Jahrhunderts, Bücher möglichst rationell und preiswert herzustellen. Zu ihrer Herstellung diente der Reiber, nicht die Presse, und da sich infolgedessen das Typenbild in das Papier tief einprägte, so bedruckte man letzteres nur auf einer Seite und klebte die weiß gebliebenen Seiten zusammen anopistographische Drucke. Man teilt die Blockbücher in solche nur mit Text, in solche mit Text und Bild auf der gleichen Seite und in solche mit Text und Bild auf getrennten Seiten. Ihr Inhalt war teils religiöser, teils dogmatischer und moralisch-didaktischer Natur. Sie enthielten bildliche Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, die einander gegenübergestellt wurden und so eine sogenannte Konkordanz bildeten, ferner Darstellungen der zehn Gebote, des Lebens der Maria und des Heilands, der Offenbarung Johannis , der Geschichte gewisser Heiligen, des apostolischen Glaubensbekenntnisses, der Ars moriendi und der Ars memorandi. Blockbücher für den profanen Gebrauch enthielten Fabeln mit moralischer Nutzanwendung, den Totentanz, die Chiromantie, die Wunderwerke Roms und dergleichen. Die ältesten wurden in Deutschland und in den Niederlanden gedruckt, wobei die Miniaturen der Handschriften als Vorbilder dienten.

Das Beutelbuch

Freitag, 01. Mai 2009

 

Im Mittelalter hatten religiöse Bücher oft eine, uns heute eigenartig erscheinende, Form: Und zwar die eines Beutels, den die Menschen dann mit sich herum tragen konnten oder an ihren Gürteln befestigten.

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Die Beutelform kam dadurch zustande, dass über den eigentlichen Einband des Buches noch eine weitere lederne Hülle angebracht wurde, die das Buch am unteren Rand aber um das ca. 1,5fache seiner Länge überragte. An diesem Stück Leder wurde das Buch dann getragen oder am Gürtel befestigt. Um das herausrutschen aus dem Gürtel zu verhindern wurde im Leder häufig ein Messingring angebracht, um es so in den Gürtel einzuhängen.

Auch das Lesen des Buches, während es am Gürtel hing, war möglich, das sich das überstehende Leder ja am unteren Rand des Buches befand.

Mit Beschlägen wurde meist verhindert, dass sich das Buch einfach öffnete.

Um die Beutelbücher dann später besser ins Regal stellen zu können, wurden die überflüssigen ‚Lederlappen’ einfach abgeschnitten. Wahrscheinlich auch aus diesem Grund gibt es heute in ganz Europa nur noch 23 original erhaltene Beutelbücher.

Franziska

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Kein Buch ohne Schrift: Die Karolingische Minuskel

Samstag, 25. April 2009

 

Als Karolingische Minuskel bezeichnet man heute eine Schriftart, die im 8. Jahrhundert im Umfeld Karls des Großen entwickelt wurde. So sollte eine einheitliche Verwaltungsschrift für Frankreich geschaffen werden, denn fast jede Schreiberschule des Reiches hatte eine eigene Schrift entwickelt. Die Karolingische Minuskel ersetzte die bis dahin übliche Majuskel-Schrift, die nur aus Großbuchstaben bestand.

Ab dem 9. Jahrhundert verbreitet sie sich rasch im gesamten Karolingerreich, wurde aber rund 300 Jahre später von der frühgotischen Minuskel verdrängt. Aus ihr entwickelten sich später die gotische und die humanistische Minuskel.

Kennzeichnend für die Karolingische Minuskel ist ihr einheitliches, gleichmäßiges Minuskelalphabet, in dem jeder Buchstabe selbstständig für sich steht und das fast ohne Ligaturen auskommt.

Die Karolingische Minuskel wurde während des Humanismus von italienischen Antike-Forscher wieder entdeckt, da die ersten Überlieferungen antiker Werke in dieser Schriftart vorlagen. Eine Imitation dieser Karolingischen Minuskel wurde dann auch für den Buchdruck verwendet und so bildet diese Schriftart die Grundlage unser heutigen Groß- und Kleinbuchstaben.

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