Archiv für die Kategorie ‘Geschichte’

Der Bucheinband in der Geschichte: Der Prachteinband des Mittelalters

Mittwoch, 26. Mai 2010

Zu jeder Zeit gab es, neben einfachen Gebrauchseinbänden, prunkvollere, mit viel handwerklichem Geschick und kostbaren Materialien hergestellte und reich verzierte Prachteinbände. Das Mittelalter mit seiner enormen Bedeutung sakraler Literatur brachte in dieser Hinsicht ganz besonders hervorstechende Beispiele hervor.

Kirchliche Prachteinbände waren als Spiegel der christlichen Würde und Macht zu verstehen und wurden deshalb mit den edelsten Materialien, wie Elfenbein, Email, Edelmetallen, Edelsteinen und kostbaren Stoffen geschmückt. Der Buchbinder selbst übernahm meist nur den technischen Teil der Arbeit mit Heftung des Buchblocks und Befestigung der Buchdeckel. Die weiteren Arbeiten wurden je nachdem von Goldschmieden und Emailleuren, Metallarbeitern und Schnitzern oder auch Malern übernommen.

 

Für eine große Gruppe mittelalterlicher Prachteinbände wurden antike Elfenbeintafeln aus ihrem Zusammenhang gerissen und ohne Rücksicht auf den bildlichen Inhalt als Schmuck liturgischer Bücher wiederverwendet. Eine der ältesten Techniken der eigenständigen Verzierung hingegen waren Goldschmiedarbeiten. Holzdeckel wurden teilweise ganz mit Goldblech verkleidet, in Treibarbeiten wurden christliche Motive dargestellt und eingefasst von Edelmetallen wurden große Mengen an Edelsteinen und Perlen verarbeitet.

Mittelalterliche Prachteinbände lassen sich in mehrere große Gruppen einteilen, die sich nach dem jeweils vorherrschenden Gestaltungselement richten. Die Kreuzform spielte dabei in vielen Fällen eine entscheidende Rolle. Aber auch der Bild- und Rahmentypus, bei dem ein Mittelfeld, das meist eine Majestas Domini Darstellung zeigte, im Zentrum der Betrachtung lag, gehörte zu den vorherrschenden Motiven.

Während sich die Einbände der karolingischen Zeit oft noch durch auftragende Verzierungen auszeichnen, ging man im 11. und 12. Jahrhundert zu einem eher flächenhaften Stil der Gestaltung über. Gravierte oder durchbrochene Metallplatten lösten die plastischeren Treibarbeiten ab. Oft verwendete man dafür Kupfer, das nachträglich vergoldet wurde. Auch Holzschnitzereien sind aus dieser Zeit überliefert.

Die Prachteinbände der Gotik waren mehr und mehr weltlich bestimmt. Zwar wurden weiter Gebets- und Erbauungsbücher prunkvoll verziert, doch anders als zuvor waren sie nicht nur für den kirchlichen Raum, sondern für den privaten Gebrauch bestimmt. Vor allem aber schmückte man nun auch Gesetzessammlungen, Privilegien oder amtliche Rechenschaftsbücher mit prachtvolleren Einbänden. Eng damit verbunden war die Entwicklung vom klösterlichen zum bürgerlichen Buchbinder. In der Gestaltung wurden raumgreifendere Schmucktechniken wieder beliebter, Treibarbeiten in Silber und Edelsteine bestimmten die Ausstattung. Bewegt durch die Kreuzzüge, entstand eine große Zahl an Einbänden, die Kreuzigungsszenen darstellen, überhaupt wurde die Darstellung realistischer. Zunehmend verwendete man Bezüge aus edlen Stoffen, wie Samt, Brokat oder Seide. Die getriebenen Platten wurden abgelöst durch kleinere Zierstücke und Beschläge, die, neben der Dekoration, den Stoff vor Abrieb schützen sollten.

Der Bucheinband in der Geschichte: Die Anfänge

Montag, 17. Mai 2010

Die Entwicklung des Bucheinbands verlief parallel zur Entwicklung der heutigen Form des Buches, der Kodex-Form. Für das erste nachchristliche Jahrhundert sind einfache Bücher, bestehend aus wenigen Lagen Pergament, zusammengehalten durch Schnüre im Falz und geschützt durch einen simplen Einband aus zwei Holztäfelchen, erstmals belegt. Durchzusetzen gegenüber der noch verbreiteten Rolle begann sich der Kodex aber erst später. Erst mit dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde er vorherrschend und mit ihm die schützende Rolle des Bucheinbands.

Die ältesten erhaltenen Bucheinbände stammen aus Ägypten. Eine Kartonage aus Papyrus bildete hier die Grundlage, eingeschlagen in einen Bezug aus Ziegen- oder Schafsleder. Geheftet wurde auf dünne Lederriemen, die einerseits durch den Falz der noch einlagigen Buchblöcke, andererseits durch Löcher im Einbandleder am Buchrücken geführt und dort fest verknotet wurden. Zum Verschließen ließ man den Bezugsstoff an der linken Seite des Vorderdeckels in einen dreieckigen Lappen auslaufen, der dann wie eine Klappe um den Kodex herumgeschlagen werden konnte.

Aufgrund des beschränkten Umfangs einlagiger codices begannen sich schnell mehrlagige durchzusetzen, bei denen die Lagen einzeln geheftet, übereinandergelegt und im Rücken miteinander vernäht wurden. Dann erst erfolgte die Verbindung mit dem Einband, die teilweise portefeuilleähnlich, durch Ankleben des ersten und letzten Blattes des Buchblocks am Einband oder auch durch Fadenheftunggeschehen konnte.

Die Einbände der Kopten wurden bereits gefärbt und auch verziert. Schon in der Spätantike und im frühen Mittelalter verwendete man hier Blinddruck, Lederschnitt, Lederapplikation, Lederflechtwerk, Durchbrucharbeiten und Punzierung. Im Orient wurden diese Techniken übernommen, das Abendland orientierte sich nur zu Beginn, zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert an koptischen Vorbildern, später beschränkte man sich hier weitgehend auf Lederschnitt und Stempelverzierung.

Das Blockbuch

Dienstag, 11. Mai 2010

Ein Blockbuch ist ein von Holzstöcken gedrucktes Werk in Bild und Text. Die Formen des Blockbuches, die in Europa üblich waren, unterscheiden sich etwas von der asiatischen Form des Blockbuches. Die Datierung der europäischen Form erstreckt sich auf das 15. Jahrhundert, von einigen Wissenschaftlern wird sie schon vor der Weiterentwicklung der Buchdruckkunst durch Gutenberg um 1420 angesetzt, andere plädieren für einen späteren Zeitpunkt. Sie erlosch um 1530. Die asiatischen Formen sind wesentlich älter.

Von der europäischen Form sind heute 33 Werke, meist religiöse Erbauungsliteratur, in über 100 verschiedenen Ausgaben bekannt. Als Heimat der Blockbücher gelten die Niederlande und der Oberrhein (Basel, vielleicht auch Straßburg). Sie ist zu sehen im Zusammenhang mit den sonstigen Bemühungen des 15. Jahrhunderts, Bücher möglichst rationell und preiswert herzustellen. Zu ihrer Herstellung diente der Reiber, nicht die Presse, und da sich infolgedessen das Typenbild in das Papier tief einprägte, so bedruckte man letzteres nur auf einer Seite und klebte die weiß gebliebenen Seiten zusammen anopistographische Drucke. Man teilt die Blockbücher in solche nur mit Text, in solche mit Text und Bild auf der gleichen Seite und in solche mit Text und Bild auf getrennten Seiten. Ihr Inhalt war teils religiöser, teils dogmatischer und moralisch-didaktischer Natur. Sie enthielten bildliche Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, die einander gegenübergestellt wurden und so eine sogenannte Konkordanz bildeten, ferner Darstellungen der zehn Gebote, des Lebens der Maria und des Heilands, der Offenbarung Johannis , der Geschichte gewisser Heiligen, des apostolischen Glaubensbekenntnisses, der Ars moriendi und der Ars memorandi. Blockbücher für den profanen Gebrauch enthielten Fabeln mit moralischer Nutzanwendung, den Totentanz, die Chiromantie, die Wunderwerke Roms und dergleichen. Die ältesten wurden in Deutschland und in den Niederlanden gedruckt, wobei die Miniaturen der Handschriften als Vorbilder dienten.

Das Beutelbuch

Freitag, 01. Mai 2009

 

Im Mittelalter hatten religiöse Bücher oft eine, uns heute eigenartig erscheinende, Form: Und zwar die eines Beutels, den die Menschen dann mit sich herum tragen konnten oder an ihren Gürteln befestigten.

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Die Beutelform kam dadurch zustande, dass über den eigentlichen Einband des Buches noch eine weitere lederne Hülle angebracht wurde, die das Buch am unteren Rand aber um das ca. 1,5fache seiner Länge überragte. An diesem Stück Leder wurde das Buch dann getragen oder am Gürtel befestigt. Um das herausrutschen aus dem Gürtel zu verhindern wurde im Leder häufig ein Messingring angebracht, um es so in den Gürtel einzuhängen.

Auch das Lesen des Buches, während es am Gürtel hing, war möglich, das sich das überstehende Leder ja am unteren Rand des Buches befand.

Mit Beschlägen wurde meist verhindert, dass sich das Buch einfach öffnete.

Um die Beutelbücher dann später besser ins Regal stellen zu können, wurden die überflüssigen ‚Lederlappen’ einfach abgeschnitten. Wahrscheinlich auch aus diesem Grund gibt es heute in ganz Europa nur noch 23 original erhaltene Beutelbücher.

Franziska

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Kein Buch ohne Schrift: Die Karolingische Minuskel

Samstag, 25. April 2009

 

Als Karolingische Minuskel bezeichnet man heute eine Schriftart, die im 8. Jahrhundert im Umfeld Karls des Großen entwickelt wurde. So sollte eine einheitliche Verwaltungsschrift für Frankreich geschaffen werden, denn fast jede Schreiberschule des Reiches hatte eine eigene Schrift entwickelt. Die Karolingische Minuskel ersetzte die bis dahin übliche Majuskel-Schrift, die nur aus Großbuchstaben bestand.

Ab dem 9. Jahrhundert verbreitet sie sich rasch im gesamten Karolingerreich, wurde aber rund 300 Jahre später von der frühgotischen Minuskel verdrängt. Aus ihr entwickelten sich später die gotische und die humanistische Minuskel.

Kennzeichnend für die Karolingische Minuskel ist ihr einheitliches, gleichmäßiges Minuskelalphabet, in dem jeder Buchstabe selbstständig für sich steht und das fast ohne Ligaturen auskommt.

Die Karolingische Minuskel wurde während des Humanismus von italienischen Antike-Forscher wieder entdeckt, da die ersten Überlieferungen antiker Werke in dieser Schriftart vorlagen. Eine Imitation dieser Karolingischen Minuskel wurde dann auch für den Buchdruck verwendet und so bildet diese Schriftart die Grundlage unser heutigen Groß- und Kleinbuchstaben.

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