Archiv für die Kategorie ‘Deutscher Buchpreis’

Deutscher Buchpreis für Kathrin Schmidt

Mittwoch, 14. Oktober 2009

Nicht die frischgekürte Nobelpreisträgerin Herta Müller, sondern Kathrin Schmidt hat den Deutschen Buchpreis 2009 erhalten. Die Jury ehrte die in der DDR aufgewachsene 51-Jährige mit der begehrten Trophäe. Schmidt erhält den Preis für ihren Roman “Du stirbst nicht” – eine “Geschichte von der Wiedergewinnung der Welt”.

In ihrem stark autobiografisch geprägten Roman erzählt Schmidt die Geschichte einer Frau, die nach einer Hirnblutung im Krankenhaus aus der Bewusstlosigkeit erwacht. Langsam erobert sie sich die Welt zurück. In den Kritiken war in den vergangenen Monaten die Präzision und die Geduld gerühmt worden, mit der Schmidt die Geschichte der Wiedergenesung und der Wiedergewinnung der Sprache beschreibt. Schmidt hatte dafür jüngst auch den renommierten “Preis der SWR- Bestenliste 2009″ erhalten.

Die Autorin, 1958 im thüringischen Gotha geboren, hatte 2002 selbst eine Hirnblutung erlitten und war lange Zeit unfähig zu sprechen.

Kurz vorgestellt: Grenzgang

Montag, 12. Oktober 2009

Die Shortlist des Deutschen Buchpreis mal kurz vorgestellt. Heute: Stephan Thome, Grenzgang

Suhrkamp, Frankfurt

Alle sieben Jahre steht Bergenstadt kopf: Man feiert Grenzgang, das traditionelle dreitägige Volksfest, und dabei werden nicht nur die Gemeindegrenzen abgeschritten. Auch abends im Festzelt wird ausprobiert, wie weit man gehen kann. Alle sind dabei, nur zwei stehen am Rand: Thomas Weidmann und Kerstin Werner. Er ist nach gescheiterter Uni-Karriere als Lehrer ans Gymnasium Bergenstadt zurückgekehrt. Sie versorgt nach gescheiterter Ehe ihre demenzkranke Mutter und hat Ärger mit ihrem pubertierenden Sohn. Vor sieben Jahren beim letzten Grenzgang sind sich die beiden schon einmal begegnet, und damals ist etwas passiert, woran sich die beiden auch noch bei diesem Fest nur mit gemischten Gefühlen erinnern.

Literaturnobelpreis für Herta Müller

Freitag, 09. Oktober 2009

Den Literaturnobelpreis des Jahres 2009 erhält die Berliner Autorin Herta Müller, die mit ihrem Buch “Atemschaukel” auch gerade für den Deutschen Buchpreis nominiert ist. Die Jury würdigte ihre „Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa“, mit der sie „Landschaften der Heimatlosigkeit“ schaffe. Die Auszeichnung ist mit umgerechnet rund 1.000.000 Euro dotiert und wird am 10. Dezember in Stockholm verliehen.

Herta Müller gilt als „Chronistin des Alltagslebens in der Diktatur“, die ihre Kindheit in Rumänien als Schule der Angst durchlebt hat und davon in ihren Werken beredt und bedrückend Zeugnis ablegt. Seit Anfang der neunziger Jahre und der Übersetzung ihrer Werke in mehr als 20 Sprachen gehört Müller mit Büchern wie „Der Fuchs war damals schon ein Jäger“, „Herztier“ und „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“ zu den wichtigen Autoren im internationalen Literaturbetrieb. Das Lebenswerk der heute 56 Jahre alten deutsch-rumänischen Autorin zeugt von schmerzhaften Erinnerungen an eine düstere Vergangenheit unter dem Regime ihrer Heimat, dem sie erst 1987 entkommen konnte, als sie zusammen mit ihrem damaligen Mann Richard Wagner die Ausreise beantragte und nach Deutschland zog.

Nach Elfriede Jelinek 2004 und Günther Grass 1999 ist dies schon der dritte Literaturnobelpreis für Deutschland innerhalb der letzten 10 Jahre.

Kurz vorgestellt: Lichtjahre entfernt

Donnerstag, 08. Oktober 2009

Die Shortlist des Deutschen Buchpreis mal kurz vorgestellt. Heute: Rainer Merkel, Lichtjahre entfernt

S. Fischer Verlag, Frankfurt

Der Familientherapeut Thomas Kaszinski wird vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe gestellt. Er muss sein Leben in Ordnung bringen. Auf einer Reise nach New York trifft er seine langjährige Freundin. Doch die Beziehung scheint am Ende zu sein. In immer neuen Anläufen und in dem ständigen Bemühen um noch intensivere Erlebnisse nähert er sich dem Zentrum der Katastrophe und erinnert sich an die dramatischen Ereignisse der letzten Monate, die, wie seine Liebe, Lichtjahre entfernt sind. Er verliert sich in der Vergangenheit. Eine gemeinsame Reise in die Wüste wird zu einer Grenz-Erfahrung. Kurz vor seinem Rückflug erkennt er plötzlich, dass es noch eine Möglichkeit auf Rettung gibt.

Kurz vorgestellt: Atemschaukel

Dienstag, 06. Oktober 2009

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises mal kurz vorgestellt. Heute: Herta Müller, Atemschaukel.

Hanser Verlag, München 2009

Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist zu Ende. Die deutsche Bevölkerung lebt in Angst. “Es war 3 Uhr in der Nacht zum 15. Januar 1945, als die Patrouille mich holte. Die Kälte zog an, es waren -15º C.” So beginnt ein junger Mann den Bericht über seine Deportation in ein Lager nach Russland. Anhand seines Lebens erzählt Herta Müller von dem Schicksal der deutschen Bevölkerung in Siebenbürgen. In Gesprächen mit dem Lyriker Oskar Pastior und anderen Überlebenden hat sie den Stoff gesammelt, den sie nun zu einem großen neuen Roman geformt hat. Ihr gelingt es, die Verfolgung Rumäniendeutscher unter Stalin in einer zutiefst individuellen Geschichte sichtbar zu machen.

Kurz vorgestellt: Überm Rauschen

Montag, 05. Oktober 2009

Die Shortlist des Deutschen Buchpreises mal kurz vorgestellt. Heute: Norbert Scheuer, Überm Rauschen

C. H. Beck Verlag, München 2009
Gebunden, 176 Seiten

Einst sind der Vater und die Brüder gemeinsam fischen gegangen, das Rauschen des Wehrs hinter der Gaststätte in der Eifel, in der sie gelebt haben, hat die Kindheit der Brüder mit Ahnungen und Phantasien belebt. Aber der Vater, der beim Angeln immer auf der Suche nach einem riesigen, mythischen Urfisch war, ist schon lange tot. Und der ältere Bruder Hermann ist abgeholt worden, musste in die Klinik, er hat den Verstand verloren, sein Schicksal ist ungewiss. Der jüngere Bruder, der Ich-Erzähler, ist zurückgekehrt an den Ort der Kindheit, um der Familie zu helfen, steht im Fluss, angelt und lässt das Leben des Bruders, sein eigenes, das der Familie Revue passieren. Die Kindheit am Fluss, die erste Liebe, die kauzigen Gäste der elterlichen Gastwirtschaft, die Ausbruchsversuche des Bruders, der Niedergang der Kneipe, der Fluss und die Fische, der Tod der holländischen Gelegenheitsgeliebten des Bruders und die ungeklärte Frage nach dem eigenen leiblichen Vater – erschöpft und doch überwach versucht der Erzähler, aus den Erinnerungen und Gesprächen, Ereignissen und Beobachtungen einen Zusammenhang herzustellen, eine Erklärung zu finden.

Deutscher Buchpreis: Die Finalisten

Donnerstag, 17. September 2009

Die Finalisten für den deutschen Buchpreis stehen nun fest. Nach einer langen Beratung hat die siebenköpfige Jury ihre Longlist auf sechs Romane reduziert. Erstmals ist auch ein Roman aus dem Hause Ch.Beck im Finale dabei.

Die nominierten Romane:

· Rainer Merkel: Lichtjahre entfernt (S. Fischer, März 2009) 

· Herta Müller: Atemschaukel (Hanser, August 2009) 

· Norbert Scheuer: Überm Rauschen (C. H. Beck, Juni 2009)

· Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2009)

· Clemens J. Setz: Die Frequenzen (Residenz, Februar 2009)

· Stephan Thome: Grenzgang (Suhrkamp, August 2009)

Deutscher Buchpreis

Freitag, 21. August 2009

Das Rennen um den renomierten deutschen Buchpreis hat begonnen. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels hat in diesen Tage seinen Nominierungsliste mit 20 Titeln veröffentlicht. Mitte September wird diese aud sechs Titel reduziert und am ersten Tag der Buchmesse in Frankfurt wird der mit knapp 40.000 Euro dotierte Preis verliehen.

Alle deutschsprachigen Verlage konnten je zwei Romane aus ihrem aktuellen Programm einreichen, insgesamt waren es nach Angaben des Börsenverein des Deutschen Buchhandels 132 Bücher aus 79 Verlagen.  2008 ging die Auszeichnung an Uwe Tellkamp für seinen Roman „Der Turm“. Preisträger der Vorjahre waren Julia Franck („Die Mittagsfrau“), Katharina Hacker („Die Habenichtse“) und Arno Geiger („Es geht uns gut“).

Und hier die Nominierten:

• Sibylle Berg: Der Mann schläft (Hanser, August 2009)

• Mirko Bonné: Wie wir verschwinden (Schöffling & Co., Februar 2009)

• Thomas Glavinic: Das Leben der Wünsche (Hanser, August 2009)

• Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott (Hoffmann und Campe, August 2009)

• Ernst-Wilhelm Händler: Welt aus Glas (Frankfurter Verlagsanstalt, September 2009)

• Anna-Katharina Hahn: Kürzere Tage (Suhrkamp, März 2009)

• Reinhard Jirgl: Die Stille (Hanser, März 2009)

• Brigitte Kronauer: Zwei schwarze Jäger (Klett-Cotta, August 2009)

• Rainer Merkel: Lichtjahre entfernt (S. Fischer, März 2009)

• Terézia Mora: Der einzige Mann auf dem Kontinent (Luchterhand, August 2009)

• Herta Müller: Atemschaukel (Hanser, August 2009)

• Angelika Overath: Flughafenfische (Luchterhand, Mai 2009)

• Norbert Scheuer: Überm Rauschen (C. H. Beck, Juni 2009)

• Kathrin Schmidt: Du stirbst nicht (Kiepenheuer & Witsch, Februar 2009)

• Clemens J. Setz: Die Frequenzen (Residenz, Februar 2009)

• Peter Stamm: Sieben Jahre (S. Fischer, August 2009)

• Thomas Stangl: Was kommt (Droschl, Januar 2009)

• Stephan Thome: Grenzgang (Suhrkamp, August 2009)

• David Wagner: Vier Äpfel (Rowohlt, September 2009)

• Norbert Zähringer: Einer von vielen (Rowohlt, Juli 2009)