Die Lyrik der Gegenwart ist nur schwer zu definieren und in der Eingrenzung sehr problematisch. Etablierte Dichter wie Günter Grass oder Wolf Biermann veröffentlichen nach wie vor neue Gedichte und bringen sogar Lyrikbände auf den Markt. Aber sind diese „alten Herren“ auch Vertreter der Gegenwartslyrik? Viele, vor allem jüngere Poeten grenzen sich von diesen ab und schaffen somit eine junge Lyrikszene. Dies geht sogar soweit, dass in Anthologien oder Literaturzeitschriften Altersgrenzen für die Autoren der gegenwärtigen Lyrik festgesetzt werden. Diese sind zwar nicht unbedingt bindend, suggerieren aber dennoch eine gewisse Exklusivität. In den meisten Fällen liegt diese fiktive Altersgrenze bei den Geburtsjahrgängen zwischen 1970 und 1975.
Allerdings scheint der Markt für moderne Lyrik nur klein zu sein. Vermutungen gehen soweit, dass es wohl mehr Verfasser von Gedichten gibt als Leser. Dies zwingt die Autoren dazu sich eine neue Form der Vermittlung ihrer Gedichte zu suchen. Mit der Integration des Internets in unseren Alltag und den etwa 2000 beginnenden Erfolg dessen, gelang es den Dichtern sich besser zu vernetzen undsich über ihr Schaffen in ausgewählten Foren auszutauschen. So wurde beispielsweise die 2005 gegründete Seite “poetenladen.de” zu einer der einflussreichsten Institutionen. Hier können junge Nachwuchsautoren ihre Gedichte einreichen und auf eine Veröffentlichung und Aufnahme in den Feuilleton für moderne Lyrik hoffen.
Viele Lyriker veröffentlichen ihre Werke zwar nicht mehr mittels Lyrikbänden, aber dennoch in gedruckter Form in Literaturzeitschriften, von denen einige in den letzten zehn Jahren gegründet wurden. Hier zu nennen sind die 2001 gegründete ‘Bella triste’, das 2005 ins Leben gerufenen ‘poet mag’, oder die seit 2009 bestehende Hamburger ‘randnummer’. Auch auf moderne Literatur, insbesondere moderne Lyrik spezialisierte Verlage wie kookbooks und yedermann haben sich in jüngster Zeit gegründet.
In den letzten Jahren entstanden zudem diverse Anthologien die sich an einer Bestandsaufnahme zur modernen Lyrik versuchten. Charakteristisch für diese sind die bereits erwähnte Altersgrenze und der Umstand, dass die meisten Anthologien von ebenfalls jungen Dichtern herausgegeben wurden. Nennenswert sind etwa „Lyrik von Jetzt 1 & 2“ (2003/2008, DuMont und Berlin Verlag, herausgegeben von Jan Wagner und Björn Kuhligk), oder „Neubuch. Neue junge Lyrik“ (2008 im yedermann Verlag erschienen und von Ron Winkler herausgegeben).