Archiv für den Monat Juni 2010

Materialkunde: Pergament

Sonntag, 27. Juni 2010

Pergament ist neben Leder eines der wertvollsten Einbandmaterialien. Vor allem im 16. und 17. Jahrhundert wurde es gerne zum Einbinden von Büchern und Akten verwendet. Seine Vorzüge sind außerordentliche Festigkeit und Unverwüstlichkeit, was seine Beliebtheit als Material für Gebrauchseinbände und Koperte erklärt. Heute kommt in der Regel nur noch der Restaurator mit Pergament als Bezugsstoff in Berührung.

  • Kalbspergament ist die am besten für den Bucheinband geeignete Sorte. In Frage kommen dabei sowohl Häute von geschlachteten Tieren, in leuchtendem Weiß mit feiner Maserung, als auch solche verendeter Kälber, bei denen das geronnene Blut auf dem natürlich gefärbten Pergament dunkle, auffallende, feinverästelte Adern hinterlässt. Da diese in der Lederfabrikation meist als Ausschuss abfallen, gibt es verhältnismäßig mehr Pergamente von verendeten als von geschlachteten Tieren.
  • Ziegenpergament zeigt eine ähnliche Aderung wie das Kalbspergament, allerdings nicht so intensiv und dunkel. Die beim Leder beliebte Porenstruktur tritt auch hier zu Tage. Stammt die Haut von einem gescheckten Tier, ist die Musterung auch auf dem Pergament zu sehen. Im Falle einer schönen Zeichnung schabt man die Narbenseite daher weniger ab, um die Flecken zu erhalten.
  • Schafpergament ist vergleichbar mit dem entsprechenden Leder eher ausdruckslos und kommt daher nur für billige Einbände zum Einsatz. Es ist außerdem eher dünnhäutig und neigt daher zum Reißen.

Die Ökonomie des Buches

Sonntag, 20. Juni 2010

Als ökonomisches Produkt betrachtet, weist das Buch mehrere Besonderheiten auf:

  • Dem Käufer erschließt sich der Nutzen meist erst nach der vollständigen Rezeption
  • Der Produktlebenszyklus ist ungewöhnlich lang
  • Bücher, die auf keine Nachfrage stoßen, haben keinen ökonomischen Wert
  • Die gesamte erwartete Nachfragemenge muss (meistens) auf Lager genommen werden (heute jedoch eingeschränkt gültig)

Diese Besonderheiten machen das Buch zu einem spekulativen Wirtschaftsgut mit hohen Risiken für den Produzenten (Verleger). Im Unterschied zu anderen Medienprodukten refinanziert sich das Buch in der Regel nur über eine Erlösquelle, den Vertriebserlös. Als Werbeträger spielt das Buch nur eine untergeordnete Rolle.

Der Bucheinband in der Geschichte: Renaissance

Montag, 07. Juni 2010

Ebenso wie das gesamte Kunstschaffen der Zeit, war auch die Einbandverzierung in der Renaissance geprägt von Umbrüchen und Neuerungen. Entscheidende Einflüsse dafür kamen aus dem orientalischen Raum, aber auch Vorbilder aus der antiken Ikonographie spielten eine Rolle. Die bisher üblichen Holzdeckel wurden langsam von Pappdeckeln abgelöst, was kleinere Formate ermöglichte, farbigere Ledersorten kamen auf, und die Vergoldung als Deckelschmuck trat gleichwertig neben den bisher vorherrschenden Blinddruck. Darüber hinaus entwickelten sich aus den übernommenen Schmuckformen besonders im Frankreich des 16. Jahrhunderts zahlreiche neue Stile. Auch große bibliophile Sammler hatten einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Dekoration.

Deutsche Buchbinder verhielten sich den neuen Einflüssen gegenüber zunächst sehr zurückhaltend. Der Blinddruck als dominierende Schmuckform und auch Holzdeckel hielten sich bis in die Spätrenaissance. Den in den Zunftordnungen verwurzelten Handwerkern fiel es schwer, sich von den einfachen und zeitsparenden Techniken der Rollen- und Plattenverzierung wieder zu lösen. In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts begannen langsam ikonographische Elemente der Renaissance in die deutschen Motivschätze einzudringen. Figürliche Motive wie biblische Gestalten und Themen, aber auch Porträts und Wappen prägten nun die Plattenschnitte. Ein Bezug zum Inhalt des Buches war dabei relativ selten. Langsam begann man Gold- und Blinddruck parallel zu verwenden. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts wurden dann schließlich auch ornamentale Renaissancemotive in Deutschland heimisch. Besonders südliche Städte wie Augsburg und München ließen sich von den italienischen und französischen Vorbildern beeinflussen.