Archiv für den Monat Mai 2010

Eine Sonderform: Der Hülleneinband

Montag, 31. Mai 2010

Der Hülleneinband ist ein Phänomen des Mittelalters und bezeichnet ein Buch, dessen Bezugsleder an den Kanten nicht umgeschlagen und befestigt, sondern über sie hinaus verlängert wurde, so dass das Buch darin eingeschlagen werden konnte. Zuweilen wurde sogar noch eine zweite Hülle, quasi zum Schutz der ersten, hinzugegeben. Um ein möglichst einfaches Einschlagen zu ermöglichen, war das Bezugsmaterial der Hülleneinbände in der Regel sehr weiches Leder, manchmal aber auch Stoff oder Samt.

Der mittelalterliche Hülleneinband war zunächst nur für kleine Gebrauchsbücher gedacht, die der Besitzer ständig bei sich trug. Die Umhüllung diente dabei dem Schutz der empfindlichen Buchschnitte auf der Reise. Später jedoch, im 15. und 16. Jahrhundert wurden technisch vergleichbare Konstruktionen auch für den Schutz großer Folianten angewandt. Hier verblieb das Buch zwar meist am selben Ort, konnte aber auf diese Weise ebenfalls vor einer Beschädigung der möglicherweise kostbar verzierten Schnitte geschützt werden. Eine vergleichbare Erscheinung ist darüber hinaus auch heute noch bei englischen Gebet- und Gesangsbüchern verbreitet, hat hier allerdings eine eher schmückende als bewahrende Funktion.

Ebenso wie bei den Beutelbüchern, die sich insofern von den Hülleneinbänden unterscheiden, dass der Bezugsstoff nur am Unterschnitt verlängert wurde, sind nur sehr wenige Exemplare erhalten geblieben. Da viele mittelalterliche Darstellungen auf eine größere Verbreitung hindeuten, geht man davon aus, dass später, als die Bücher nicht mehr in ständigem Gebrauch waren und eine platzsparende Lagerung wichtiger wurde als die ursprüngliche Funktion des Hülleneinbandes, der überstehende Stoff vielfach einfach abgeschnitten wurde.

Der Bucheinband in der Geschichte: Der Prachteinband des Mittelalters

Mittwoch, 26. Mai 2010

Zu jeder Zeit gab es, neben einfachen Gebrauchseinbänden, prunkvollere, mit viel handwerklichem Geschick und kostbaren Materialien hergestellte und reich verzierte Prachteinbände. Das Mittelalter mit seiner enormen Bedeutung sakraler Literatur brachte in dieser Hinsicht ganz besonders hervorstechende Beispiele hervor.

Kirchliche Prachteinbände waren als Spiegel der christlichen Würde und Macht zu verstehen und wurden deshalb mit den edelsten Materialien, wie Elfenbein, Email, Edelmetallen, Edelsteinen und kostbaren Stoffen geschmückt. Der Buchbinder selbst übernahm meist nur den technischen Teil der Arbeit mit Heftung des Buchblocks und Befestigung der Buchdeckel. Die weiteren Arbeiten wurden je nachdem von Goldschmieden und Emailleuren, Metallarbeitern und Schnitzern oder auch Malern übernommen.

 

Für eine große Gruppe mittelalterlicher Prachteinbände wurden antike Elfenbeintafeln aus ihrem Zusammenhang gerissen und ohne Rücksicht auf den bildlichen Inhalt als Schmuck liturgischer Bücher wiederverwendet. Eine der ältesten Techniken der eigenständigen Verzierung hingegen waren Goldschmiedarbeiten. Holzdeckel wurden teilweise ganz mit Goldblech verkleidet, in Treibarbeiten wurden christliche Motive dargestellt und eingefasst von Edelmetallen wurden große Mengen an Edelsteinen und Perlen verarbeitet.

Mittelalterliche Prachteinbände lassen sich in mehrere große Gruppen einteilen, die sich nach dem jeweils vorherrschenden Gestaltungselement richten. Die Kreuzform spielte dabei in vielen Fällen eine entscheidende Rolle. Aber auch der Bild- und Rahmentypus, bei dem ein Mittelfeld, das meist eine Majestas Domini Darstellung zeigte, im Zentrum der Betrachtung lag, gehörte zu den vorherrschenden Motiven.

Während sich die Einbände der karolingischen Zeit oft noch durch auftragende Verzierungen auszeichnen, ging man im 11. und 12. Jahrhundert zu einem eher flächenhaften Stil der Gestaltung über. Gravierte oder durchbrochene Metallplatten lösten die plastischeren Treibarbeiten ab. Oft verwendete man dafür Kupfer, das nachträglich vergoldet wurde. Auch Holzschnitzereien sind aus dieser Zeit überliefert.

Die Prachteinbände der Gotik waren mehr und mehr weltlich bestimmt. Zwar wurden weiter Gebets- und Erbauungsbücher prunkvoll verziert, doch anders als zuvor waren sie nicht nur für den kirchlichen Raum, sondern für den privaten Gebrauch bestimmt. Vor allem aber schmückte man nun auch Gesetzessammlungen, Privilegien oder amtliche Rechenschaftsbücher mit prachtvolleren Einbänden. Eng damit verbunden war die Entwicklung vom klösterlichen zum bürgerlichen Buchbinder. In der Gestaltung wurden raumgreifendere Schmucktechniken wieder beliebter, Treibarbeiten in Silber und Edelsteine bestimmten die Ausstattung. Bewegt durch die Kreuzzüge, entstand eine große Zahl an Einbänden, die Kreuzigungsszenen darstellen, überhaupt wurde die Darstellung realistischer. Zunehmend verwendete man Bezüge aus edlen Stoffen, wie Samt, Brokat oder Seide. Die getriebenen Platten wurden abgelöst durch kleinere Zierstücke und Beschläge, die, neben der Dekoration, den Stoff vor Abrieb schützen sollten.

Der Bucheinband in der Geschichte: Die Anfänge

Montag, 17. Mai 2010

Die Entwicklung des Bucheinbands verlief parallel zur Entwicklung der heutigen Form des Buches, der Kodex-Form. Für das erste nachchristliche Jahrhundert sind einfache Bücher, bestehend aus wenigen Lagen Pergament, zusammengehalten durch Schnüre im Falz und geschützt durch einen simplen Einband aus zwei Holztäfelchen, erstmals belegt. Durchzusetzen gegenüber der noch verbreiteten Rolle begann sich der Kodex aber erst später. Erst mit dem 4. Jahrhundert n. Chr. wurde er vorherrschend und mit ihm die schützende Rolle des Bucheinbands.

Die ältesten erhaltenen Bucheinbände stammen aus Ägypten. Eine Kartonage aus Papyrus bildete hier die Grundlage, eingeschlagen in einen Bezug aus Ziegen- oder Schafsleder. Geheftet wurde auf dünne Lederriemen, die einerseits durch den Falz der noch einlagigen Buchblöcke, andererseits durch Löcher im Einbandleder am Buchrücken geführt und dort fest verknotet wurden. Zum Verschließen ließ man den Bezugsstoff an der linken Seite des Vorderdeckels in einen dreieckigen Lappen auslaufen, der dann wie eine Klappe um den Kodex herumgeschlagen werden konnte.

Aufgrund des beschränkten Umfangs einlagiger codices begannen sich schnell mehrlagige durchzusetzen, bei denen die Lagen einzeln geheftet, übereinandergelegt und im Rücken miteinander vernäht wurden. Dann erst erfolgte die Verbindung mit dem Einband, die teilweise portefeuilleähnlich, durch Ankleben des ersten und letzten Blattes des Buchblocks am Einband oder auch durch Fadenheftunggeschehen konnte.

Die Einbände der Kopten wurden bereits gefärbt und auch verziert. Schon in der Spätantike und im frühen Mittelalter verwendete man hier Blinddruck, Lederschnitt, Lederapplikation, Lederflechtwerk, Durchbrucharbeiten und Punzierung. Im Orient wurden diese Techniken übernommen, das Abendland orientierte sich nur zu Beginn, zwischen dem 7. und 9. Jahrhundert an koptischen Vorbildern, später beschränkte man sich hier weitgehend auf Lederschnitt und Stempelverzierung.

Das Blockbuch

Dienstag, 11. Mai 2010

Ein Blockbuch ist ein von Holzstöcken gedrucktes Werk in Bild und Text. Die Formen des Blockbuches, die in Europa üblich waren, unterscheiden sich etwas von der asiatischen Form des Blockbuches. Die Datierung der europäischen Form erstreckt sich auf das 15. Jahrhundert, von einigen Wissenschaftlern wird sie schon vor der Weiterentwicklung der Buchdruckkunst durch Gutenberg um 1420 angesetzt, andere plädieren für einen späteren Zeitpunkt. Sie erlosch um 1530. Die asiatischen Formen sind wesentlich älter.

Von der europäischen Form sind heute 33 Werke, meist religiöse Erbauungsliteratur, in über 100 verschiedenen Ausgaben bekannt. Als Heimat der Blockbücher gelten die Niederlande und der Oberrhein (Basel, vielleicht auch Straßburg). Sie ist zu sehen im Zusammenhang mit den sonstigen Bemühungen des 15. Jahrhunderts, Bücher möglichst rationell und preiswert herzustellen. Zu ihrer Herstellung diente der Reiber, nicht die Presse, und da sich infolgedessen das Typenbild in das Papier tief einprägte, so bedruckte man letzteres nur auf einer Seite und klebte die weiß gebliebenen Seiten zusammen anopistographische Drucke. Man teilt die Blockbücher in solche nur mit Text, in solche mit Text und Bild auf der gleichen Seite und in solche mit Text und Bild auf getrennten Seiten. Ihr Inhalt war teils religiöser, teils dogmatischer und moralisch-didaktischer Natur. Sie enthielten bildliche Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament, die einander gegenübergestellt wurden und so eine sogenannte Konkordanz bildeten, ferner Darstellungen der zehn Gebote, des Lebens der Maria und des Heilands, der Offenbarung Johannis , der Geschichte gewisser Heiligen, des apostolischen Glaubensbekenntnisses, der Ars moriendi und der Ars memorandi. Blockbücher für den profanen Gebrauch enthielten Fabeln mit moralischer Nutzanwendung, den Totentanz, die Chiromantie, die Wunderwerke Roms und dergleichen. Die ältesten wurden in Deutschland und in den Niederlanden gedruckt, wobei die Miniaturen der Handschriften als Vorbilder dienten.

Eine Definition: Literaturkritik

Mittwoch, 05. Mai 2010

Die Literaturkritik oder Literaturbesprechung als Feld der Literaturdiskussion macht es sich anhand von Rezensionen  zur Aufgabe, Werke der Literatur zu bewerten und einzuordnen. Sie erörtert aktuelle Neuerscheinungen, unterwirft aber auch immer wieder Werke weit älteren Datums kritischer Neubewertungen. Dabei bezieht sie gegebenenfalls in Vergleichen die Tendenzen landesweiter oder/und internationaler Literaturen in ihre Diskurse mit ein. Eine Literaturkritik zu verfassen kann wiederum synonym gebraucht werden u. a. für das Verfassen einer monografischen oder essayartigen Abhandlung, beispielsweise über das Gesamtwerk eines Autors. Häufiger meint es jedoch die allein ein literarisches Werk würdigende Literaturkritik, die auch Literaturrezension, Buchrezension, Buchbesprechung und Buchkritik genannt wird.

Literaturkritiker bzw. Rezensenten literarischer Werke sehen sich häufig als im Dienst des Publikums und/oder der Literatur stehend und bewerten die Werke im Hinblick auf implizite oder explizite Kriterien, die gegebenenfalls wie in der Literaturwissenschaft auch mit Verweisen auf entsprechende Literaturtheorien argumentieren. Die im Deutschen übliche Trennung zwischen Literaturkritik und Literaturwissenschaft ist in den angelsächsischen Ländern weniger ausgeprägt, der dort gebräuchliche Begriff literary criticism umfasst beides.

Bye Bye Wallander

Samstag, 01. Mai 2010

Der Superheld des Schwedenkrimis: Henning Mankell verabschiedet sich mit „Feind im Schatten“ von Kurt Wallander – seinem Kommissar, der nie nur einen Mord lösen durfte. Vielleicht beerbt ihn seine Tochter, sie arbeite ja jetzt auch als Polizistin. Aber für Kommissar Kurt Wallander aus Ystad sei es nach diesem Buch aus und vorbei. „Der Feind im Schatten“, so heißt sein letzter Auftrag. Sechshundert Seiten ohne Wiederkehr.

Bevor aber Kurt Wallander verschwindet, muss er einen Fall lösen, der bei weitem nicht so grässlich blutig und brutal gewesen ist wie die anderen neun davor. Es geht um den Kalten Krieg und darum, wer darin die gute und wer die böse Macht war.