Immer spärlicher wurden Max Frischs Werke im Alter. Dass sein Tagebuch aus den Jahren 1982/83 nun als Zufallsfund veröffentlicht wird, hat angesichts dieser Tendenz zum allmählichen Verstummen und Verschwinden eine gewisse Logik. Der Autor hatte den aufgegebenen Text, weil er ihn für vernichtet hielt, für Nachlassverfügungen überhaupt nicht mehr in Betracht gezogen; vor einiger Zeit wurde in den Unterlagen seiner damaligen Sekretärin eine Abschrift gefunden. Ob Frisch der Publikation des Tagebuchs zugestimmt hätte, ist eine müßige Frage. Niemand kann im Ernst fordern, neuentdeckte Texte eines Klassikers des zwanzigsten Jahrhunderts unter Verschluss zu halten oder irgendwo als Marginalie zu verstecken.