Bis vor wenigen Jahren schien es, als wäre der deutsche Buchhandel gefährdet. Jetzt zeigt sich: Gefährdet sind die kleinen Verlage, die Nischenunternehmen. Der Konzernbuchhandel ignoriert nicht nur, ja er bekämpft geradezu ihre Programme und damit deren Verankerung in der Gesellschaft, das Wissen, die Vielfalt der Arten.
Die Auswahl wird auf Minimum gefahren, die zeitgenössischen Autoren, die Neuerscheinungen, die Klassiker; von Geistes- und Sozialwissenschaften, von Kunst- und Kinderbuch nur noch Relikte, das, was Medienspekulanten für gängig halten. Der Konzernbuchhandel macht sich breit, auch in mittleren Städten.
Die Verlage erreichen von ihrem potentiellen Publikum nur mehr einen Teil. Die Programme, und darunter die besten, sind in Gefahr. Die deutschsprachigen Literatur- und Sachbuchverlage sollten sich zusammentun. Schließlich sind manche Verlage – einst Cotta, Wasmuth, Heckenauer, zuletzt Liebeskind – aus Buchhandlungen gewachsen, „Verlagsbuchhandlungen“. Verlage wie Suhrkamp oder dtv oder Diogenes könnten allein aus ihrer Backlist eigene „flagship stores“ bestücken.
Drei Modelle bieten sich an für die Verlagsbuchhandlungen der Zukunft. Erstens der flagship store; zweitens das privat geführte Geschäft mit Ketten-Signet; drittens das Buchkaufhaus. Alle sollten im gleichen System aufgehen, ähnliche Privilegien genießen, die Gegenmacht zu den Konzernbuchläden bilden. Das darf nicht still und leise vor sich gehen, sondern muss mit großer Bestimmtheit durchgeführt werden. Die Leserinnen und Leser werden den Unterschied zu schätzen wissen.