Wie sieht eigentlich der Buchmarkt des diesjährigen Gastlandes des Frankfurter Buchmesse aus:
Die chinesische Literatur kommt generell nicht so recht an auf dem Weltmarkt. Allein aus Deutschland werden achtmal mehr Titel importiert, als man dorthin exportiert. Ökonomisch reicht der Verlagsbranche allerdings der enorme heimische Markt, denn Chinesen lesen, was das Zeug hält, stimuliert nicht nur durch bezahlte Rezensionen in Zeitungen (zehn Zeichen kosten die Verlage immerhin einen Euro), sondern vor allem durch Internet-Empfehlungen. Hochklassische Literatur aber ist selten darunter. Ein Buch-Anbieter etwa schaltet täglich achttausend lange, von Amateuren verfasste Romane auf seiner Internetseite frei. Zehn Millionen Leser lockt das an – wohlgemerkt pro Tag. Einen anhaltenden E-Book-Boom erwarten viele Wissenschaftler dort sowieso, einen Boom, der bei uns noch nicht einmal begonnen hat. Den Preis für elektronische Bücher ist in China mit nur zehn Prozent des Preises der Papierausgabe (der seinerseits nur zehn Prozent hiesiger Buchpreise beträgt) veranschlagt: Undenkbar in Deutschland, aber in einem Markt, wo es allein dreihundert Millionen Internetnutzer gibt – samt Smartphone-Nutzern dürfte die Milliarde in naher Zukunft erreicht werden -, rechnet sich ein Zwanzig-Cent-Buch eben doch.
In China ist die Digitalisierung des Buchmarktes schon sehr weit fortgeschritten. In Deutschland ist es noch lange nicht so weit. Und ehrlich gesagt, ich bin ganz froh darüber.
